Ein junger Mann sitzt vor einem Gaming-Computer und spielt Esports.
26.01.2024
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Esports, die Abkürzung für „Electronic Sports“, ist der Wettkampf in Computerspielen und hat sich zu einem schnell wachsenden Markt entwickelt, der weltweit Millionen von Zuschauern anzieht. Diese Wettkämpfe, die von professionellen Spielern und Organisationen ausgetragen werden, sind nicht nur ein Hobby oder eine Unterhaltung. Vielmehr stellen sie für viele, insbesondere für die jüngere Generation, eine Kultur und einen Lebensstil dar. Diese Popularität bietet Unternehmen eine einzigartige Möglichkeit, Esports als Instrument für modernes Employer Branding zu nutzen, um Talente auf sich aufmerksam zu machen und langfristig an sich zu binden und so im „War for Talents“ einen entscheidenden Vorteil zu erlangen.

Vorteile von Esports im Employer Branding

Der Einsatz von Gaming und Esports im Rahmen des Employer Branding bietet Unternehmen eine Vielzahl von Vorteilen. Dazu gehören die gezielte Ansprache einer jungen, technikaffinen und überdurchschnittlich gebildeten Zielgruppe, die Steigerung der Markenbekanntheit und die Darstellung des Unternehmens als innovativer und fortschrittlicher Arbeitgeber. Darüber hinaus spiegelt die Integration Werte wie Teamwork, strategisches Denken und Flexibilität wider, die in der heutigen Arbeitswelt hoch geschätzt werden. Als Ausdruck einer digitalen Leitkultur bietet dies Unternehmen die Möglichkeit, ihre digitale Kompetenz sichtbar zu machen und einen Kulturwandel zu dokumentieren, der über das reine Recruiting hinausgeht. Dazu gehören auch moderne Prozesse, mehr Freiräume und Eigenverantwortung für den einzelnen Mitarbeiter und neue Arbeitsweisen im Unternehmen.

Beispiele: So setzen Unternehme Gaming im Recruiting ein

Zahlreiche Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen haben das Potenzial von Gaming bereits erkannt und setzen es erfolgreich ein, darunter namhafte Unternehmen wie Mercedes-Benz, DHL, KitKat und Ralph Lauren. Und auch im Mittelstand ist Esports längst kein Fremdwort mehr. Dafür sorgte spätestens Rainer Grill vom Ventilatorenhersteller Ziehl Abegg aus Künzelsau. Diese Unternehmen erregen durch ihr Engagement im Esports-Bereich die Aufmerksamkeit einer attraktiven Zielgruppe und nutzen das Gaming, um ihre Markenidentität zu kommunizieren oder Kontakte zu potenziellen Mitarbeitern zu knüpfen.

Aus diesem Grund ist auch die Techniker Krankenkasse (TK) im Esports aktiv. Sie fördert Teams, baut Beziehungen zur weltweit größten Liga ESL auf und ist ein wichtiger Partner der Uniliga im Bereich des Hochschulsports. Mit ihrem Engagement will sich die TK als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Sie möchte frühzeitig mit jungen Menschen in Kontakt treten, die beispielsweise vor dem Abschluss ihrer ersten Krankenversicherung stehen.

Die AXA hingegen setzt auf Esports-Turniere bei den eigenen Auszubildenden als ein effektives Marketinginstrument, das sich positiv auf die Mitarbeitergewinnung und -bindung auswirkt.

Und auch SAP nutzt die Verbindung von Gaming und Arbeitswelt und veranstaltet Mitarbeiterturniere, deren Finale in der Zentrale in Walldorf stattfinden. Der Softwarekonzern entwickelt darüber hinaus Inhalte auf der Grundlage eigener Technologien, die während des Spiels Daten über Teams und Spieler analysieren und inzwischen weltweit bei Turnieren Anwendung finden.

Wie lässt sich Esports in das bestehende Employer Branding integrieren?

Für Unternehmen, die Esports in ihr Employer Branding einbinden möchten, sind folgende Aspekte wichtig:

  1. Authentizität: Es ist entscheidend, die Kultur und Sprache der Esports-Community zu verstehen und authentisch zu nutzen.
  2. Zielgruppenspezifische Ansprache: Unternehmen sollten die spezifischen Interessen und Vorlieben der Community kennen und in ihrer Kommunikation berücksichtigen.
  3. Innovative Rekrutierungsmethoden: Durch Gamification im Recruiting oder die Organisation eigener Gaming-Turniere können Unternehmen attraktive Erfahrungen für potenzielle Bewerber schaffen.
  4. Förderung von Vielfalt: Unternehmen sollten eine inklusive und vielfältige Kultur im Gaming unterstützen, die ihre eigenen Werte widerspiegelt.

Konkrete Maßnahmen in der Umsetzung

Um Esports und Gaming erfolgreich in das Employer Branding zu integrieren, können Unternehmen zudem folgende Maßnahmen ergreifen:

  1. Content Marketing: Erstellung von spielbezogenen Inhalten und spannenden Geschichten für Social Media, die die Zielgruppe ansprechen.
  2. Partnerschaften mit Influencern: Zusammenarbeit mit bekannten Persönlichkeiten aus der Gaming-Welt, um Botschaften zu verbreiten.
  3. Gamification im Recruiting: Gestaltung des Bewerbungsprozesses als spannendes Spiel-Abenteuer, um Kreativität und Innovationsgeist des Unternehmens zu demonstrieren.
  4. Veranstaltung von Gaming-Turnieren: Durchführung von Turnieren als Unternehmensevents, um den Teamgeist zu stärken und Networking-Möglichkeiten zu bieten.
  5. Sponsoring von Esport-Teams: Präsentation der Marke in Esports-Arenen, um sich als moderner und technologieaffiner Arbeitgeber zu positionieren.

Esports und Gaming sind längst kein Randphänomen mehr, sondern haben sich zu einer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Realität entwickelt. Unternehmen erkennen zunehmend, dass dies eine besondere Chance bietet. Sie können eine junge, technologiebegeisterte und talentierte Zielgruppe ansprechen und sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Diese Aktivitäten fördert den Gemeinschaftssinn, unterstützt eine digitale Unternehmenskultur und bietet Möglichkeiten für kreative Personalstrategien. Mit Esports-Turnieren können Unternehmen ihre internen Werte stärken, Talente gewinnen und ihre Employer Branding-Strategie erfolgreich umsetzen. Nun liegt es an anderen Unternehmen, die Chancen von Esports für HR-Maßnahmen zu nutzen und sich in der Gaming-Community als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.

Zur Person

Ein Portrait des Esport-Experten Alexander Albrecht.

Alexander Albrecht

ist Geschäftsführer der Esports-Agentur Build a Rocket und seit über 20 Jahren in führenden Positionen innerhalb des Esports tätig. Er zählt zu den Branchenkennern in Europa und betreut mit seinem Team unter anderem Kunden wie SAP, KitKat, Ralph Lauren und Uber Eats.

Kolumnen, Kommentare und Gastbeiträge auf DUP-magazin.de geben ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
26.01.2024
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