Illustration eines Unternehmers, der nach Sternen greift
14.06.2021    Christian Buchholz
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Ein Siegel eines unabhängigen Instituts oder eines transparenten Dienstleisters schafft bei Geschäftspartnern, Kunden und nicht zuletzt bei der Personalsuche Vertrauen. Es macht aber auch die Potenziale eines Unternehmens sichtbar und sorgt für Identifikation. Als unabhängige Einrichtung verleiht das Deutsche Innovationsinstitut für Nachhaltigkeit und Digitalisierung (DIND) in Zusammenarbeit mit dem DUP UNTERNEHMER-Magazin das Siegel „Arbeitgeber der Zukunft“. Mit Unterstützung von anerkannten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft hat das DIND einen Siegelprozess entwickelt, in dem die Zukunftsfähigkeit von mittelständischen Unternehmen untersucht wird. 

„Arbeitgeber der Zukunft“

Das Deutsche Innovationsinstitut für Nachhaltigkeit und Digitalisierung verleiht die Auszeichnung „Arbeitgeber der Zukunft“ in vier Kategorien:

  •   Klimafreundliches Unternehmen
  •   Digital zukunftsfähiges Unternehmen
  •   Wirtschaftlich nachhaltiges Unternehmen 
  •   Sozial verantwortungsvolles Unternehmen

Weitere Informationen finden Sie unter arbeitgeber-der-zukunft.de oder kontaktieren Sie uns gerne unter arbeitgeberderzukunft@dind.info

 

Der Fokus liegt auf dem Thema Zukunftsfähigkeit in all seinen Facetten – ökonomisch, ökologisch, sozial und digital. Denn der Grad an Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Innovationskraft hat einen enormen Einfluss auf die Stabilität und Langlebigkeit von Unternehmen und ist deshalb ein Indikator für die Zukunftsfähigkeit.

Ein Blick in die Praxis zeigt: In Zeiten des Fachkräftemangels haben Unternehmen Wettbewerbs­vorteile, wenn sie sich nach außen gut sichtbar als zukunftsfähig präsentieren. „Dadurch schaffen sie es, sowohl ihren Beschäftigten als auch künftigem Per­sonal eine gute Perspektive sowie Beständigkeit aufzuzeigen“, erklärt Eyke Katharina Junge. Die Co-Geschäftsführerin des DIND empfiehlt Firmen, mit einer klugen Zukunfts- und Nachhaltigkeitsstrategie unter Beweis zu stellen, dass sie sich permanent weiterentwickeln, um auch in Zukunft erfolgreich am Markt bestehen zu können. „Mit unserem Siegel ­schaffen Unternehmen deshalb nicht nur bei den Beschäftigten, sondern auch bei ihren Kunden und potenziellen Investoren großes Vertrauen“, so Junge.

1. Schritt: Kostenfreier Zukunfts-Check

Doch wie erhalten Unternehmen die Auszeichnung „Arbeitgeber der Zukunft“? Für die Vergabe des „Arbeitgeber der Zukunft“-Siegels wurden standardisierte Prüfverfahren entwickelt, mit deren Hilfe untersucht wird, ob ein Unternehmen die notwendigen Kriterien für die Auszeichnung erfüllt. Dabei setzt das DIND auf eine ganzheitliche Betrachtung der Firma. 

Durch kostenfreie Checks erhalten Unterneh­merinnen und Unternehmer bereits eine erste Einschätzung, wie es um die Zukunftsfähigkeit ihres Betriebes steht. Wichtig ist, dass diese erste Analyse bestehender Prozesse und Strukturen keine voll­ständige Veränderung des Kerngeschäfts bezwecken soll. Vielmehr geht es darum, den Ist-Zustand zu ermitteln, eine Standortbestimmung vorzunehmen und erste Ansatzpunkte für Verbesserungen aufzuzeigen.

2. Schritt: Prüfverfahren

Nachdem der Check online durchgeführt wurde, steht der zweite Teil des Prüfverfahrens an, der je nach ­
Siegel variiert. Beispiel: Für das Siegel „Digital zukunftsfähiges Unternehmen“ überprüft ein durch Künstliche Intelligenz gesteuerter Webseiten-Check den digitalen Auftritt des Unternehmens. Innerhalb des Checks werden verschiedene Parameter geprüft, die im digitalen Zeitalter für Firmen unverzichtbar sind. Wer beide Prüfungen mit Bravour besteht, hat die Möglichkeit, das entsprechende „Arbeitgeber der Zukunft“-Siegel zu erhalten und sich als „Digital zukunftsfähiges Unternehmen“ zu präsentieren.

Nachhaltigkeit = Zukunftsfähigkeit?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage, ob Nachhaltigkeit auch Zukunftsfähigkeit bedeutet, ist schwer zu geben. Fest steht: Nachhaltigkeit hat einen großen Einfluss auf die Beständigkeit von Unternehmen und ist daher ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung der Zukunftsfähigkeit. Es geht künftig also darum, Anknüpfungspunkte für Unternehmen zu finden, ­damit diese nachhaltiger werden. „Ich bin fest davon überzeugt, dass jedes Unternehmen Wege und Möglichkeiten finden kann, sich nachhaltiger auszurichten“, sagt Professor Hendrik Müller von der Hochschule Fresenius, der den Nachhaltigkeits-Check mitentwickelt hat (siehe Interview). Ähnlich sieht es Professor Maximilian Gege, Gründer von Green Growth Futura und Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzender des Vereins Bundesdeutscher Arbeitskreis für umweltbewusstes Management (B.A.U.M.), der ergänzt: „Eine erste Analyse zeigt schnell die Chancen auf. Dies betrifft Abläufe im Büro, den Energieverbrauch, Abfall, Recycling und Wasser, den Fuhrpark, Mobilität sowie die Beschaffung.“

Digitalisierung birgt Einsparpotenzial

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) scheuen sich häufig noch, das Thema Nachhaltigkeit konsequent anzugehen, dabei lohnen sich die Investitionen in die Transformationsprozesse für die gesamte Wertschöpfungskette und sind schon allein aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Schließlich bergen die Digitalisierung und ein schonenderer Umgang mit Ressourcen ein erhebliches Einsparpotenzial – und zwar ohne Verzicht. Außerdem hilft die Digitalisierung Unternehmen jeder Größenordnung dabei, das Bewusstsein für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu schärfen. „Durch vorsorgendes und nachhaltiges Verhalten im Unternehmen wie auch privat werden Risiken reduziert und vermieden sowie Chancen konsequent genutzt“, erklärt Gege. Experten raten deshalb dazu, dass Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsstrategie in das Employer-Branding-Konzept mit aufnehmen sollten. „In Zeiten des Fachkräftemangels ist es umso wichtiger, sich nach außen als zukunftsfähiges und innovatives Unternehmen zu positionieren, das sich permanent weiterentwickelt, um erfolgreich am Markt bestehen zu können“, sagt Marc Wittbrock, der gemeinsam mit Junge das DIND leitet.

Mehr als nur ein Megatrend

Nachhaltigkeit ist weit mehr als nur ein Megatrend, dem sich heute kein Unternehmen mehr verschließen sollte – schon allein, weil Nachhaltigkeitsaspekte
mittlerweile verstärkt auch innerhalb der Lieferketten oder bei Kreditprüfungen gefordert werden. Darauf sollten Unternehmen vorbereitet sein und auf Erreichtes selbstbewusst hinweisen. Ein „Arbeitgeber der Zukunft“-Siegel kann dabei unterstützen. Denn es unterstreicht, dass Firmen den Prüfprozess des DIND erfolgreich durchlaufen haben und gut gerüstet sind für die digitale Welt von morgen.

Porträt von Professor Hendrik Müller

Professor Hendrik Müller

ist seit 2015 Dozent für Wirtschaftsethik und Unternehmenskommunikation an der Hochschule Fresenius. Er berät Unternehmen zu Corporate Citizenship und Corporate Social Responsibility

„Bewusstsein schärfen“

Unternehmen sollten im Rahmen ihrer CSR-Strategie auch ihrer ökonomischen Verantwortung gerecht werden, fordert Professor Hendrik Müller.



Digitalisierung und die Notwendigkeit zum Klimaschutz bedingen und verstärken sich gegenseitig. Stimmen Sie dem zu?

Hendrik Müller: Der These kann ich grundsätzlich zustimmen. Denn ebenso wie die Digitalisierung als gesellschaftlicher Megatrend unser Leben stark verändert hat und auch weiter verändern wird, muss der Schutz des Klimas noch stärker als Alltagskompetenz in unserem Denken und Handeln verankert werden. Die Digitalisierung hilft uns dabei, das Bewusstsein für mehr Klimaschutz zu schärfen und Nachhaltigkeit im Bildungskanon zu verankern. Digitalisierung kann aber auch direkt helfen, nachhaltige Innovationen in entscheidenden Bereichen wie der Energiewirtschaft anzustoßen.

Wie hat die Coronapandemie den Megatrend Nachhaltigkeit beeinflusst?

Müller: Sie hat Nachhaltigkeit nicht gestoppt – auch wenn sich in der dritten Pandemiewelle die gesellschaftlichen Diskussionen eher um Themen wie Freiheitsrechte und Gesundheitsschutz oder politische Umsetzungsfragen ranken. Doch wie die Ende 2020 veröffentlichte fünfte Konsumstudie der Otto Group gezeigt hat, ist der Trend zu nachhaltigem Handeln im Bereich des Konsums auch in der Pandemie ungebrochen – vielleicht deswegen, weil wir diesen Bereich unseres Lebens gezielt beeinflussen können, während um uns herum eine indifferente Bedrohungslage herrscht.

Politik oder Wirtschaft: Wer muss den Rahmen für mehr ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit setzen?

Müller: Ich bin fest davon überzeugt, dass jedes Unternehmen Wege und Möglichkeiten finden kann, sich nachhaltiger auszurichten. Dazu bedarf es zunächst einer objektiven Analyse der bestehenden Prozesse und Strukturen, die anschließend Stück für Stück verbessert werden können. Es geht also nicht um eine vollständige Veränderung des Kerngeschäfts, sondern um Fragen, wo sich dieses sozialer und ökologischer ausrichten lässt.

14.06.2021    Christian Buchholz
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