Porträt von Dr. Timothy Mende von Kumi Health
18.02.2022    Mark Simon Wolf
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Zur Person

Dr. Timothy Mende

hat 2014 Kumi Health gegründet und ist seither auch Geschäftsführer. Zuvor war der Arzt als Strategieberater für die Boston Consulting Group tätig

Wie steht es um die digitale Transformation des deutschen Gesundheitswesens und welche Rolle spielt dabei Ihr Unternehmen Kumi Health?

Timothy Mende: Die Krankenhäuser in Deutschland brauchen dringend einen Digitalisierungsschub. Das ist für Branchenkenner ein offenes Geheimnis. Die Coronapandemie hat das nun auch für die breite Öffentlichkeit deutlicher denn je zum Vorschein gebracht. Gleichzeitig aber hat das im Herbst 2020 von der ehemaligen Bundesregierung verabschiedete Krankenhauszukunftsgesetz – kurz KHZG – die Digitalisierungsvorhaben der Krankenhäuser beschleunigt. Das war eine entscheidende Weichenstellung für uns. Mit der digitalen Kommunikations- und Kollaborationsplattform Kumi erfüllen wir den Fördertatbestand 4 des KHZG und profitieren daher von diesen Entwicklungen.

Deswegen haben wir uns auch für 2022 das Ziel gesetzt, die Prozesse mit unserem digitalen Entscheidungsunterstützungssystem zu strukturieren. Dadurch können wir die Behandlungserfolge für die Patientinnen und Patienten weiterhin nachhaltig verbessern. Grundlage für diesen Weg ist es, unsere bestehenden Kundenbeziehungen zu stärken und neue aufzubauen. Nur so werden wir in der Lage sein, gemeinsam mit unseren Partnern das Krankenhaus-Ökosystem der Zukunft entwickeln zu können. Den deutschen Krankenhäusern steht ein Kulturwandel bevor.

Smarte Prozesslösungen sind das eine. Was bietet Kumi sonst noch an?

Mende: Kumi ist mehr als eine reine „Software-Company“. Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben einen medizinischen Hintergrund. Das übergeordnete Ziel unserer Fachkräfte ist es, den Klinikalltag in der Art zu verbessern, dass die jeweiligen medizinischen Teams wieder mehr Zeit für ihre Patientinnen und Patienten haben. Dafür müssen wir unseren Kunden sehr genau zuhören und auch von unserer Seite viel Zeit investieren. Das geht über die bloße Produktimplementierung hinaus. Wie bereits erwähnt: Der Erfolg unseres eigenen Unternehmens geht immer auch mit einer sehr guten Kundenbeziehung einher.

Welchen Stellenwert haben Innovationen innerhalb des Digital-Health-Sektors und wie gelingt es Ihnen, die Innovationskultur intern zu fördern?

Mende: Unser Geschäftsmodell der Digital Health basiert auf ständigen Innovationen. Das spiegelt sich auf unserer digitalen Kommunikations-und Kollaborationsplattform Kumi am besten wider. Für digitale Updates verfolgen und analysieren wir außerdem die neuesten Tech-Trends. Dieses Wissen fließt dann wiederum in unsere Arbeit mit den Krankenhäusern und in die Patientenversorgung. Für unsere interne Kommunikation arbeiten wir zudem schon lange mit Prozessmanagement- und Chat-Tools. Generell ist es für einen digitalen Dienstleister unabdingbar, innovative Technologien in die eigene Unternehmenskultur zu integrieren.

Innovation gelingt also nur mithilfe eines digitalen Mindsets? Wie erprobt ist diese Kombination in Ihrer Praxis?

Mende: Ohne die Digitalisierung gäbe es Kumi nicht. Wir bieten aktuell das einzige digitalisierte Entscheidungs-Unterstützungssystem für Kliniken an, das eine umfassende, auf klinischen Standard-Pfaden basierende digitale Behandlungsplanung ermöglicht. Damit sind wir in der Lage, die Gesamtheit des stationären Patientenkollektivs einer Fachabteilung aufzubereiten und abzubilden. Wir verfügen über eine ganze Bibliothek von digitalisierten Behandlungspfaden. Diese können dann ohne Substanz- oder Informationsverlust an die individuellen Bedingungen des jeweiligen Krankenhauses angepasst werden.

Hierzu bekommen wir sehr gutes Feedback von unseren Kundinnen und Kunden. Das macht uns natürlich sehr stolz und spornt uns gleichzeitig an. Wir wollen auch in den kommenden Jahren so viele Krankenhäuser wie möglich mit digitalen Prozessen dabei unterstützen, ihre Kliniken zukunftsfähig zu machen. Dafür entwickeln wir unsere Software stetig weiter, da sich natürlich auch die Anforderungen ändern.

Stichwort Recruiting: In welchen Bereichen suchen Sie vorzugsweise neue Mitarbeitende?

Mende: Wir stellen derzeit in fast allen Bereichen ein. Großes Interesse haben wir immer an Mitarbeitenden, die einen medizinischen Hintergrund haben und deren Fachwissen auch in der Praxis anwendbar ist. Dadurch können wir erstens unser Produkt verbessern und zweitens auch dessen Implementierung in den medizinischen Alltag versierter vornehmen. Auch im Umgang mit Kunden macht sich ein breites Fundament an medizinischem Fachwissen bezahlbar. Als HealthTech-Company können wir außerdem Software-Entwickler sehr gut gebrauchen. Das gilt auch für sogenannte Sales Customer Clinical Success Manager. Diese Mitarbeitenden von uns sind vor Ort mit den Krankenhäusern im Gespräch und beraten die Kunden proaktiv. Durch unser stetiges Wachstum haben wir in fast allen Bereichen Bedarf an motivierten Fachkräften. Die Hauptsache ist aber, dass sie Leidenschaft für das Thema Healthcare mitbringen.

Auf welche konkreten Maßnahmen greifen Sie im Recruiting zurück?

Mende: Um die richtigen Kandidatinnen und Kandidaten für uns zu gewinnen, setzen wir auf Transparenz, Nahbarkeit und strukturierte Prozesse. Wir möchten Bewerberinnen und Bewerbern unseren Arbeitsalltag, bei uns Kumiverse genannt, so zeigen, wie er tatsächlich ist. Dafür lassen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf unserer Karriereseite oder über soziale Medien wie Instagram, LinkedIn oder XING zu Wort kommen. Dort schildern sie, wie sie die Firmenkultur wahrnehmen, was sie täglich beschäftigt oder wie sie ihren eigenen Recruiting-Prozess erlebt haben. Die Kandidatinnen und Kandidaten sollen dadurch einen realistischen Eindruck von uns gewinnen und sich danach – im besten Fall – bewusst für uns entscheiden. Auf beiden Seiten muss die Überzeugung vorhanden sein, dass die Zusammenarbeit funktionieren wird. Grundsätzlich achten wir darauf, dass wir immer schnelle Rückmeldung an die Interessenten geben.

Der berüchtigte „War For Talents“ hat alle Branchen erfasst. Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal gegenüber Ihrer Konkurrenz?

Mende: Kumi durchläuft aktuell eine sehr spannende Phase: Wir sind ein Start-up auf dem Weg zu einem agilen Unternehmen, das die Digitalisierung in den Krankenhäusern aktiv mitgestaltet. Auf diese Entwicklung kann jedes Teammitglied Einfluss nehmen und seine eigenen Ideen einbringen. Einerseits bieten wir dadurch die Flexibilität eines Start-ups, leben flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege. Andererseits verfügen wir über mehr als siebe Jahre Erfahrung mit spezieller digitaler Expertise. Das schätzen unsere Kunden sehr an uns. Wir wissen genau, wie die Digital-Health-Branche tickt und was die Teams in den Krankenhäusern brauchen, um ihre Prozesse digital zu optimieren. Diesen digitalen Wandel begleitet Kumi und ist somit mehr als nur der Anbieter einer standardisierte Software. An dieser vielfältigen Herausforderung kann bei uns jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter wachsen.

Die Verpflichtung neuer Talente ist die eine Sache. Wie binden Sie Ihre Mitarbeitenden auch langfristig ans Unternehmen?

Mende: Kumi ist japanisch und heißt übersetzt „Team“. Diesen Gedanken leben wir in allen Bereichen: Das fängt mit einem wertschätzenden Umgang untereinander an und geht bis zur besonderen Hands-on-Mentalität, die jede und jeden mitreißt. Bei uns herrscht zudem eine sehr offene Fehlerkultur. Wer nachfragt, erhält bei uns sofort Unterstützung. Nur so lernen wir voneinander und ermutigen unsere Mitarbeitenden, sich aktiv einzubringen. Diese Gestaltungsfreiheit gepaart mit unserem Credo, Kumi als Teamaufgabe zu sehen, macht unsere Unternehmenskultur aus. Unser Motto „Always give first“ hängt bei uns nicht nur an der Wand, sondern wird auch wirklich von gelebt.

Neben den großen Benefits sind auch oft die Kleinigkeiten entscheidend: Sei es ein Kollege, der vorbeikommt und den Lieblings-Müsliriegel vorbeibringt. Oder ein offenes Ohr am Arbeitsplatz für das Kollegium. Darüber hinaus gibt es natürlich auch Firmen-Events, wie etwa den regelmäßigen „Social Hangout“ am Freitagnachmittag. Oft haben solche Initiativen auch einen spontanen Charakter, eben weil die Mitarbeitenden wissen, dass diese Aktionen zur Kultur gehören: Zum Beispiel das Weihnachtsbaumschmücken in jedem Büro, das jährliche Kumiverse-Festival oder auch der morgendliche Auftritt unseres firmeninternen DJs. Der sorgt in unseren Meetings für gute Stimmung.

18.02.2022    Mark Simon Wolf
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