Eine Person steht vor einer Gruppe von Menschen und leitet diese mit Handzeichen und direkter Ansprache an.
20.10.2023    Magda Lehnert
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Selbst seit drei Jahrzehnten C-Level-Manager für verschiedene Konzerne und mittelständische Unternehmen, hat Peter Roos in seiner Laufbahn „nahezu alles erlebt, was man als Mensch und Führungskraft erleben kann“, wie er sagt.

Mit seinem Buch „Mission Leadership – Die 10 entscheidenden Merkmale erfolgreicher C-Level-Karrieren“ (Verlag Vahlen, 284 S., 39,80 Euro) reicht er die Essenz seines Erfahrungsschatzes an etablierte Führungskräfte, Unternehmerinnen und Unternehmer, Personalverantwortliche und Mitglieder von Aufsichtsgremien weiter.

Zur Person

Peter Roos, Porträt

Peter Roos

ist seit knapp 30 Jahren als Geschäftsführer für verschiedene Unternehmen tätig. Seit 2014 leitet er zusammen mit Inhaber und Gründer Klaus Gronewald die KG Media Factory mit ihren acht Standorten

Wie muss sich Führung verändern, wenn sie der VUCA-Welt, also Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Mehrdeutigkeit, und den Maximen von New Work gerecht werden will?

Peter Roos: Führung ist stets auch ein Spiegelbild von organisationskulturellen, gesellschaftlichen und politischen Veränderungen. Derzeit befinden wir uns inmitten eines „perfekten Sturms“: Wir hatten anstrengende Coronajahre, haben Krieg in Europa, und die wirtschaftliche Lage ist prekär. Da kommt es jetzt vor allem darauf an, menschlich zu führen. Achtsamkeit, Empathie, Zugewandtheit – all das wird in Zukunft wichtiger denn je.

Dazu kommt, dass klassische Kenntnisse der BWL und analytisches sowie fachliches Know-how im Zuge der Digitalisierung mehr und mehr von Maschinen und KI übernommen werden. Bedeutet im Umkehrschluss: Führung muss sich vor allem um die „Humanisierung“ der Unternehmen kümmern.

Was heißt das genau?

Roos: Nehmen wir nur die VUCA-Thematik: Die Arbeits- und Geschäftswelt ist kompliziert, schnell, zwiespältig und unvorhersehbar geworden. Das heißt, selbst bei Erfolg blicken Unternehmen einer unsicheren Zukunft entgegen. Führungskräfte müssen deshalb Ungewissheit gut aushalten können – um nicht zu sagen: Sie müssen sich in Krisen pudelwohl fühlen.

Denn wenn Unternehmen Unheil droht, braucht es eine Chefetage, die ihren Mitarbeitenden Halt, Orientierung und Zuversicht geben kann. Und das erfordert ein hohes Maß an Beziehungsintelligenz, also die Fähigkeit, spürbare und vor allem wertschätzende und vertrauensvolle Verbundenheit mit Mitarbeitenden, Kunden und Gesellschaft herzustellen.

Welche Schlüsselqualifikationen und Eigenschaften müssen erfolgreiche C-Level-Leader heute also mitbringen?

Roos: Um es etwas zugespitzt auf den Punkt zu bringen: Die Zeit der harten Hunde ist vorbei. C-Level-Leader sind heutzutage gleichermaßen anpassungsfähige wie befähigende Typen, deren Mindset darauf abzielt, eine Unternehmenskultur zu erschaffen, die Vielstimmigkeit, Gleichstellung, Teilhabe, ehrliche Botschaften und offenen Dialog ermöglicht.

Wer in der Top-Riege Erfolg haben will, muss sich also neben Fleiß, Wille und Begeisterungsfähigkeit vor allem durch hohe Lernbereitschaft, Mut, Selbstreflexion, emotionale und soziale Intelligenz sowie ein sinnorientiertes, wertebasiertes und sicheres, zugleich aber auch bescheidenes Auftreten bewähren.

Worin sehen Sie aktuell die größte Herausforderung bei der Transformation des C-Level-Managements?

Roos: Ich denke, es geht vor allem darum, neue Denkweisen und Haltungen in der C-Suite zu verankern. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Werte und Klimaschutz zunehmend wichtiger werden, müssen Top-Führungskräfte eine verantwortungsbewusste, sinnstiftende und nachhaltige Unternehmenskultur fördern, jedoch ohne dabei den „Executive Punch“ zu verlieren.

Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft, sich auf eine eigene innere Transformation einzulassen, denn Fach- und Methodenkompetenz sind natürlich wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche C-Level-Karriere, aber nicht wirklich ausschlaggebend. Stattdessen entscheiden komplementäre Schlüsselkompetenzen, sprich: Empathie, Achtsamkeit, Demut, Selbstreflexion oder die individuelle Resilienz, darüber, ob Managerinnen und Manager bei der Transformation von Unternehmen, Wirtschaft und Gesellschaft eine führende Rolle spielen oder nicht.

Die Generationen Z und Y haben gänzlich unterschiedliche Erwartungen und Ansprüche an ihre Arbeit. Bedeutet das nicht auch, dass die Führung von Mitarbeitenden der Gen Z ganz anders aussehen muss als die der Gen Y?

Roos: Ja und nein! Was beide Generationen verbindet, ist, dass sie Teil eines Paradigmenwechsels sind, bei dem Geld, Macht und Status im Kontext von Arbeit immer mehr an Stellenwert verlieren. Auch wird es zunehmend schwieriger, jüngere Menschen überhaupt für Verantwortungsübernahme zu begeistern.

Was die Führung anbelangt, glaube ich, dass jeder Mensch, egal welche Diversitätsausprägung er mitbringt – sei es die Generationszugehörigkeit mit ihren Merkmalen, Herkunft, Religion, Geschlecht und andere –, eine sehr individuelle und situative Führung braucht. Das ist herausfordernd, birgt aber auch eine Menge Chancen. Wichtig bei der Führung solch heterogener Teams sind ein funktionierendes Diversity- und Inklusionsmanagement sowie erfahrene Leader mit inklusiven Kompetenzen, die die Vielstimmigkeit auch wirklich zulassen und wertschätzen können.

Worin unterscheidet sich Ihr Buch „Mission Leadership“ von anderen zum Thema?

Roos: Leserinnen und Leser sagen, es sei vor allem das hohe Maß an Authentizität. In meinem Buch wird nicht theoretisiert, hier werden leicht verständliche, praxiserprobte, also umsetzbare Empfehlungen in Sachen Leadership, Management und Persönlichkeitsentwicklung ausgesprochen – unterlegt mit den neuesten Erkenntnissen aus der Forschung. Und wer sich für mein Buch entscheidet, profitiert gleich doppelt: Da Karriereerfolg stets mit Führungserfolg einhergeht, ist „Mission Leadership“ beides – praktischer Karriereratgeber und Handbuch für gute Führung und Unternehmertum in einem.

20.10.2023    Magda Lehnert
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