Vordenker Porträt Organic Garden
30.09.2022    Daniela Schäfer
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Zur Person

Martin Wild

ist CEO von Organic Garden. Mit 18 Jahren gründete er einen Onlineshop für Consumer Electronics, den er 2007 verkaufte. Nach einem Sabbatical in Florida baute er das E-Commerce-Geschäft bei MediaMarktSaturn auf und war dort zunächst Vice-President, dann Chief Digital und schließlich Chief Innovation Officer. Im Jahr 2020 gründete er Organic Garden gemeinsam mit Holger Stromberg und Martin Seitle.

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Was ist das Erfolgsrezept für Ihr Business?

Martin Wild: Wir können nur langfristig wachsen, wenn wir unsere Kunden von unserer Ernährungsphilosophie überzeugen: eine regionale und ökologisch vertretbare Ernährung, bei der pflanzliche Lebensmittel mindestens 85 Prozent der Nahrung ausmachen; tierische Elemente „nur“ maximal 15 Prozent. Seit Jahren sieht man: Der Trend geht bereits in diese Richtung und entspricht der inneren Überzeugung vieler Menschen. Dieses wachsende Bewusstsein wissen wir zu nutzen, wir müssen sie nur noch „umbegeistern“, ihnen also eine wirkliche Ernährungsperspektive bieten. Diese erreichen wir durch unsere ganzheitliche Herangehensweise definitiv.

Wie bleiben Sie als Unternehmen neugierig und innovativ und was tun Sie im Management, um das zu fördern?

Wild: Als Start-up setzen wir natürlich auf Innovation, flache Hierarchien und maximale Mitarbeiterbeteiligung. Jeder im Team kann Ideen einbringen und auch Verantwortung für die Umsetzung übernehmen. Das ganze zusammen mit einer offenen Fehlerkultur auf allen Ebenen.

Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

Wild: Wir sind allgemein eine sehr digitale Company und haben den Anspruch eher voranzugehen, als den Anschluss zu suchen. Allein schon unsere zukünftigen Hightech-Farms werden durch Vernetzung und Automatisierung der zugehörigen Module neue Maßstäbe setzen, die im Verbund so einzigartig sind. Insgesamt setzen wir überall dort auf digitale Technologien und Tools, wo es uns sinnvoll erscheint respektive einen echten Mehrwert bietet.

Wie hat sich Ihr Business in den letzten Monaten entwickelt? Gibt es ein besonderes Learning aus der Coronakrise?

Wild: Seit der Unternehmensgründung haben wir eigentlich durchweg mit der Coronakrise zu kämpfen. All unsere Produkt-Launches und Eatery-Eröffnungen sind unter mehr oder weniger strengen Pandemiebedingungen erfolgt. Dass da nicht immer alles lief, wie geplant, lässt sich nicht von der Hand weisen: unter anderem gab es krankheitsbedingte Mitarbeiterausfälle, Nachfrageschwankungen oder kurzfristige Verschiebungen. Mein Learning daraus: Agilität und Anpassungsfähigkeit an immer wieder neue Situationen sind wichtiger denn je. Das müssen wir langfristig beibehalten.

Was ist die größte Stärke der Company? Trauen Sie sich auch eine Schwäche preiszugeben?

Wild: Partnerschaften und Wissenstransfer sind unglaublich wertvoll, besonders wenn man sich in solch einem komplexen Umfeld wie Ernährung bewegt. Wir sind hier sehr gut aufgestellt, durch interne und externe Experten, Zulieferer und Partnerunternehmen, die langfristig mit uns zusammenarbeiten werden. Falls wir wirklich eine Schwäche haben, sind es vermutlich unsere Ambitionen: Wir haben für ein Start-up unserer Größe sehr viele „Bälle in der Luft“, sind also in verschiedensten Bereichen gleichzeitig aktiv. Noch mag es hier und da willkürlich erscheinen, aber all diese Bereiche passen zusammen. Denn: Wir möchten nachhaltig etwas verändern und bewegen uns entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Lebensmitteln.

Was tun Sie, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren? Gibt es eine Maßnahme, die Sie mit Stolz erfüllt?

Wild: Wir haben eine greifbare Vision, an der unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter maßgeblich teilhaben. Und das jeden Tag. Das motiviert und führt uns ein langfristiges Ziel für das eigene Handeln vor Augen. Daneben möchten wir unseren Mitarbeitern aber auch einen extrinsischen Anreiz bieten, Organic Garden voranzubringen, zum Beispiel in Form von Mitarbeiter-Aktienprogrammen. Machen wir einen guten Job, profitiert unser Team aktiv davon.

Was macht Ihr Unternehmen bei Bestandskunden besonders erfolgreich?

Wild: Unsere Kunden kommen wieder, weil es ihnen schmeckt. Und Geschmack ist in unserem Fall natürlich sehr wichtig: Erst machen wir unseren Kunden bewusst, dass unsere Produkte gesund für den Menschen und die Umwelt sind. Dabei setzen wir auf Vertrauensaufbau und Verlässlichkeit. Unsere Kunden können sich immer darauf verlassen, dass all unsere Produkte in Einklang mit unseren Werten entwickelt und produziert werden. Zum guten Gewissen kommt dann noch der gute Geschmack. Danach haben sie eigentlich keinen Grund mehr, ungesunde oder schlechter schmeckende Konkurrenzprodukte zu kaufen.

Und wie gewinnen Sie Neugeschäft?

Wild: Sicherlich auch durch das „Unbekannte“. Wenn wir ungewöhnliche Produkte wie Ingwershots, knallig pinkes Rote-Beete-Dressing oder Algencookies anbieten, dann sind viele Kunden erst einmal neugierig. Das zieht an. Gepaart mit klaren Botschaften, zum Beispiel zu Inhaltsstoffen oder Healthy Benefits unserer Produkte, gewinnen wir die Kunden für uns. Dabei setzen wir auf aktive Wissensvermittlung und Transparenz: Viele unserer Kunden möchten wissen, was sie zu sich nehmen. Das fördern wir und geben ihnen so ein gutes Gewissen, egal für welche unserer Produkte sie sich entscheiden.

Was tun Sie, um den Service für Ihre Kundinnen und Kunden zu verbessern?

Wild: Auch hier leben wir eine offene Fehler- und Feedbackkultur. Wir führen regelmäßig Umfragen in unseren Stores zur Kundenzufriedenheit durch, sowohl zu unseren Produkten, als auch zum Service. So können wir aktiv auf unsere Community reagieren, auch wenn mal etwas nicht so gut gelaufen ist. Wir lernen direkt am Kunden, jeden Tag.

30.09.2022    Daniela Schäfer
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