Illustration: Autos der Zukunft und Versicherungen
06.10.2021    Arne Gottschalck
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Autonomes Fahren? Kommt. Hochgeschwindigkeitshandel an der Börse? Geht. Homeoffice? Na klar. Mit leistungsfähiger Technologie kann so mancher Sektor von der rechten auf die Überholspur ziehen. Vor allem, wenn Unternehmer über ihr eigentliches Kerngeschäft hinausdenken.  

Dieses Kerngeschäft besteht im Fall der Versicherungen derzeit darin, Menschen abzusichern. Genauer gesagt: Es gilt, sie vor den finanziellen Folgen des Falls der Fälle zu schützen. Sei es der Wasserrohrbruch oder eben die Gefahr, ein langes Leben nicht finanzieren zu können. Soweit, so analog. Doch diese Ausgangssituation ist eine Steilvorlage für den massiven Einsatz von Technologie.

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Versicherungen setzen auf Tech-Investitionen

Die Gründe liegen auf der Hand. Es sind die Daten – gerade bei Versicherungen. „Die waren schon immer da“, sagt Tom Alby, Chief Digital Transformation Officer bei Euler Hermes. „Was neu ist: Dass wir viel mehr Machine Learning haben oder Algorithmen, die für jeden zugänglich sind.“ Daten, das digitale Gold? Im Fall der Versicherungen schon. Tatsächlich zeigen Studien, welche Auswirkungen der kluge Umgang mit Daten und Digitalisierung hat. Auf 425 Milliarden Euro zum Beispiel beziffert das Beratungshaus KPMG sektorübergreifend das zusätzliche Wertschöpfungspotenzial in Deutschland allein bis 2025. Entsprechend würden 80 Prozent der Versicherungen in Europa planen, ihre Tech-Investitionen aufzustocken. Tech als Turbo? 

Ganz so würde es Martin Gräfer, Vorstand der Versicherung die Bayerische nicht fassen: „Technologie allein ist mir viel zu sehr dieses Bit-Thema. Sie ist aber ein effizientes Transportmittel für gute Ideen.“ Entscheidend sei die Frage, was dem Kunden nützt, dessen Leben vereinfacht. „Heute sieht man immer noch, dass Papierformulare einfach durch ein PDF ersetzt werden. Das ist doch keine Digitalisierung. Meine Kinder beispielsweise telefonieren gar nicht mehr, aber Sprachnachrichten nutzen sie. Das wäre doch ein Mehrwert, etwa um eine Adressänderung einzugeben.“

Weniger repetitive Tätigkeiten, mehr Digitalisierung

Das ist Wasser auf die Mühlen von Tobias Wann, CEO von Xempus. Das Unternehmen bietet eine digitale Schnittstelle zwischen Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Vermittler und Produktanbieter bei der betrieblichen Vorsorge. „Wo Zeit geschaffen wird, entsteht ein Mehrwert. Es geht nicht um die Kosten, die man damit möglicherweise sparen kann, sondern um die Chancen, die dank Technologie entstehen. Bei uns nutzen wir sie etwa, um repetitive Tätigkeiten zu vereinfachen.“ Davon profitieren zunächst die Mitarbeiter – aber nicht nur die. 

„Standardänderungen – etwa von Adressen – macht kein Mitarbeiter gern“, sagt Oliver Suhre, Geschäftsführer von Monuta. Das Unternehmen ist auf Sterbegeldversicherungen spezialisiert. „Inzwischen lässt sich das aber auch technisch lösen. Das schafft uns Zeit. Zeit für längere Telefonate mit unseren Kunde etwa über Leistungsfälle, die bei uns ja immer mit einem Todesfall verbunden sind.“ 

Der Kurs ist für Suhre klar: „Im Standardbereich wird sich vieles ändern; vieles werden Maschinen übernehmen. Aber gleichzeitig wird die Betreuung an vielen Stellen komplexer. Ich sehe da eine Verschiebung.“ Eine Verschiebung vielleicht sogar hin zu ganz neuen Aufgaben.

Die Bayerische etwa experimentiert mit Schadensminderung oder gar -verhinderung. „Wir haben 1.000 Kunden ein Grohe-Gerät hingestellt, dass Wasserleitungen auf einen drohenden Wasserrohrbruch untersucht“, sagt Gräfer. Ein neuer Ansatz für Versiche­rungen? Tatsächlich prognostiziert zum Beispiel eine Deloitte-Untersuchung, schon 2024 stamme ein gutes Drittel des Versicherungsvolumens der Premium­anbieter aus ganz neuen Angeboten. Der Digitalisierung sei Dank.

06.10.2021    Arne Gottschalck
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