Porträt von Ann-Katrin Weidling, Geschäftsführerin von WEICO.
05.08.2022    Mark Simon Wolf
  • Drucken
Anzeige

Zur Person

Ann-Katrin Weidling

ist seit 2020 Geschäftsführerin von WEICON. Sie leitet gemeinsam mit ihrem Vater Ralph die Geschicke des Münsteraner Herstellers von Kleb- und Dichtstoffen.

DUP Unternehmer-Magazin: Wie haben Sie als weltweit agierendes Industrie-Unternehmen die Corona-Pandemie erlebt?

Ann-Katrin Weidling: Unser Business hat sich trotz der herausfordernden Zeiten enorm gut entwickelt. Bereits vor der Pandemie haben wir viel in das Thema Digitalisierung, beispielsweise in den Ausbau unserer E-Commerce-Aktivitäten, investiert. Und das hat sich im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt gemacht. Das wichtigste Learning für uns aus der Corona-Krise: Flexibilität ist wichtig. Eine Messe fällt aus? Gut, dann bieten wir eben einen digitalen Messestand an. Kundinnen und Kunden-Besuche sind nicht möglich? Na schön, dann gibt es eine Online-Schulung. Solche Maßnahmen ersetzen zwar nicht den persönlichen Kontakt, zeigen aber, dass wir alle Hebel in Bewegung setzen, um trotzdem für unsere Kundinnen und Kunden da zu sein.

Welche Faktoren bedingen eine derartige Flexibilität in schwierigen Phasen?

Weidling: Indem wir stets offen für Veränderungen sind, neugierig und innovativ bleiben sowie den Mut haben, als mittelständisches Industrieunternehmen neue Wege zu gehen. Unsere E-Commerce-Abteilung haben wir vor zweieinhalb Jahren aus dem Nichts heraus gegründet – ohne sonderlich viel Ahnung davon zu haben. Mittlerweile sind knapp 20 Mitarbeitende allein am Standort in Deutschland in der Abteilung beschäftigt. Denn eins ist klar: Im Bereich Onlinehandel darf man auf keinen Fall den Anschluss verlieren, auch wenn der stationäre Handel für uns nach wie vor sehr wichtig ist und auch bleiben wird. 

Neben Mut zur Veränderung und innovatives Denken, welche anderen Eigenschaften sind entscheidend?

Weidling: Unsere größte Stärke ist unser Aktivismus und unser unbändiger Wille, WEICON weltweit immer weiter voranzubringen. Wir haben uns noch nie auf unseren Erfolgen ausgeruht. Wir wachsen schnell und wenn man will, ist das auch irgendwo eine Schwäche. Denn einem nützen die größten Ideen und Ambitionen nichts, wenn man sie mit den vorhandenen Ressourcen nicht umsetzen kann. Je größer beispielsweise das E-Commerce-Geschäft wird, desto mehr Lager- und Versandkapazitäten braucht es. Hier wird sich aber in Zukunft etwas tun.

Wenn Sie „alle Hebel in Bewegung setzen“, was macht Ihre Servicekultur aus?

Weidling: Gibt es zum Beispiel Fragen zu Produkten, eilige Lieferungsaufträge oder ein kniffliges Anwendungsproblem, sind wir sofort zur Stelle. Unsere Kundinnen und Kunden erreichen uns ganz klassisch über den Außendienst, per Mail oder Telefon sowie online – aber auch über unseren WhatsApp Service. Selbst per Brieftaube wäre für uns okay …

Sie nutzen als mittelständisches Industrie-Unternehmen Whatsapp im Kundenservice?

Weidling: Ja, seit knapp drei Jahren gehören wir zu den ersten B2B-Unternehmen, die den Messenger-Giganten WhatsApp als zusätzliches Angebot für die Kommunikation nutzen. Die Idee dazu kam von unserer Marketingleitung. Dort, wo andere mittelständische Industrieunternehmen vielleicht sagen würden, dass es nicht zu ihnen passt, probieren wir es aus. Bis heute fahren wir sehr gut mit dieser Denkweise. Wir sind immer und überall für unsere Kundinnen und Kunden erreichbar. Was nach einem nullachtfünfzehn Werbeslogan klingt, wird bei WEICON tatsächlich gelebt – und das weltweit.

Zur Servicekultur gehört dann wohl auch, dass Sie weltweit Kundinnen und Kunden spontan mit pünktlichen Lieferungen versorgen. Wie gewährleisten Sie das?

Weidling: Hier erneut ein Beispiel: Einer unserer Kunden in Spanien brauchte zeitnah eine Vielzahl unserer Produkte für eine Montage in Südafrika. Das Problem: Dieser Kunde selbst hatte im eigentlichen Tagesgeschäft allerdings nichts mit Exporten zu tun: Wie bekommt er die Ware nun mal eben 11.000 Kilometer transportiert, inklusive der Berücksichtigung von Gefahrgutauflagen? Über unsere Niederlassungsbetreuung in Deutschland haben wir zwischen unseren Standorten in Spanien und Südafrika vermittelt. Kurzerhand konnten wir so von Südafrika aus die Ware pünktlich liefern. Solch knifflige Versandgeschichten gibt es öfter bei uns und die Kundinnen und Kunden sind jedes Mal begeistert, wenn wir hier schnelle Unterstützung leisten können.

Wie reagieren Sie, wenn dann doch mal etwas schief geht?

Weidling: Servicekultur bedeutet für uns zuhören. Äußern unsere Kundinnen und Kunden Vorschläge oder Kritik, nehmen wir diese sehr ernst. Wir sind bekannt dafür, dass wir sehr eng mit ihnen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten, um immer die optimale Lösung zu finden.

Qualität im Service ist das eine, wie steht es um das personelle Fundament bei WEICON?

Weidling: Der Motor für unseren Erfolg ist ganz klar unser Team. Denn auch wenn es abgedroschen klingt: Ein Unternehmen ist nur so gut wie seine Mitarbeitenden. Und mit Stolz kann ich sagen, dass unsere Mitarbeitenden jeden Tag alles geben, um WEICON erfolgreich zu machen – sei es durch innovative Produktentwicklungen, intensive Beratung unserer Kundinnen und Kunden oder schnelle Versandabwicklung. Beispielsweise könnten wir dem erhöhten Bestellaufkommen durch den ausgebauten Online-Handel nicht nachkommen, wenn unsere Mitarbeitenden im Warenlager nicht so fleißig an einem Strang ziehen würden.

Wie äußert sich das in der Praxis?

Weidling: Nehmen Sie zum Beispiel unsere Kompetenz im Bereich Klebetechnik: Klar, wir sind nicht das einzige Unternehmen, das Klebstoffe und andere Spezialprodukte für die Industrie herstellt. Wir konkurrieren sogar mit einigen großen Playern, deren Namen bekannt sind. Aber: Wir sind das Unternehmen am Markt, das den größten Anteil von klebtechnischem Fachpersonal in seinen Reihen hat und somit jede Menge Know-how bietet. Das hat viele Kundinnen und Kunden dazu gebracht, auf WEICON und nicht auf den Wettbewerb zu vertrauen.

 

Wie lotsen Sie Fachkräfte zu WEICON, Stichwort Employer Branding?

Weidling: Wir nehmen ganz gezielt den Input für Veränderungen von unseren Mitarbeitenden entgegen. Das heißt, wir hören ihnen zu, wenn sie Ideen haben und lassen sie bei wichtigen Entscheidungen mitbestimmen. Darüber hinaus bieten wir unseren Mitarbeitenden auch neben Gleitzeit, Homeoffice und flexibler Urlaubsplanung jede Menge Benefits an. Dazu zählen eine eigene Physiotherapie, eine Minigolfanlage oder neuerdings auch ein Schwimmteich. Besonders stolz sind wir aber auf eine andere Maßnahme: Seit Anfang Juli arbeiten wir mit einer digitalen Plattform für mentales Wohlbefinden zusammen. Dort bekommen unsere Mitarbeitenden kurzfristig Unterstützung von qualifizierten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und Coaches – sei es in Form von Gruppensessions, Einzelgesprächen oder Webinaren. Mit dem Angebot möchten wir mentale Gesundheit am Arbeitsplatz zur Priorität erklären.

05.08.2022    Mark Simon Wolf
  • Drucken
Zur Startseite