Porträt von Danny Wolf, Geschäftsführer von Best Place Immobilien
29.07.2022    Mark Simon Wolf
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Zur Person

Danny Wolf

ist Geschäftsführer von Best Place Immobilien und hat das Berliner Unternehmen 2014 in Berlin gegründet. Zuvor war er in der Projektentwicklung bei Stofanel Investment tätig.

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Mit Best Place Immobilien realisieren und vermarkten Sie Immobilienprojekte in Deutschland und Spanien. Wie würden Sie den aktuellen Status quo der Branche beschreiben?

Danny Wolf: Ebenso wie andere Wirtschaftsbereiche steht auch die Immobilienbranche vor enormen Herausforderungen. Die Coronapandemie bleibt weiterhin das bestimmende Thema. Hinzu kommen Krieg, nur wenige Flugstunden von Berlin entfernt, steigende Kreditzinsen und eine hohe Inflation – das alles trübt als weitere Faktoren die generelle Stimmung.

Welchen Einfluss hatte die Coronapandemie auf Ihr Geschäft?

Wolf: Während der Pandemie mussten wir innerhalb kürzester Zeit auf die veränderten Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden sowie ergänzende Beratungsmöglichkeiten eingehen. Das hat uns aber auch gezeigt, wie wichtig es ist, dass ein Unternehmen in allen Bereichen seine Beweglichkeit und Innovationskraft behält. Die Pandemie war dahingehend besonders im Bereich Digitalisierung ein Beschleuniger, dank dessen auch wir in den vergangenen zwei Jahren neue Wege gegangen sind. Theoretische Überlegungen haben wir getestet und in unseren Alltag implementiert. Wir alle haben in dieser Zeit gelernt, dass man in unerwarteten Krisenzeiten eine schnelle Strategie und neue Weg entwickeln muss.

Welche digitalen Maßnahmen haben Sie in dieser Zeit umgesetzt?

Wolf: Als vertriebsorientiertes Unternehmen haben wir mit Ausbruch der Coronapandemie innerhalb kürzester Zeit unsere Arbeitsweise angepasst und zum Beispiel Besichtigungen über digitale Live-Streams angeboten. Dies war für uns etwas vollkommen Neues. Fragen zur Immobilie wurden in der im Video implementierten Chat-Funktion beantwortet – teilweise leicht verzögert. Außerdem haben wir während der Coronazeit unseren neuartigen Showroom konzipiert. Mit Screen Walls, Multi-Touch-Tables in der Größe eines Esstisches, den 3D-Modellen all unserer Objekte und dem ebenfalls neuen Content-Management-System, kurz CMS, können wir unsere Projekte visuell erlebbar machen.

Wie hat dieser Digitalisierungsschub Ihren Service für Ihre Kundinnen und Kunden verändert?

Wolf: Wir haben zum Beispiel unser Customer-Relationship-Management in das CMS integriert, damit der Kontakt zu unseren Kundinnen und Kunden nach einer Online-Anfrage so schnell wie möglich erfolgt und sie dadurch die gewünschten Informationen zu einem Projekt erhalten. Das ermöglicht ein noch effizienteres Qualitätsmanagement. Diese digitalen Bausteine werden von uns zukünftig noch weiterentwickelt und ergänzt – die Digitalisierung ist schließlich ein fortwährender Entwicklungsprozess. Das zeigt sich übrigens auch bei einem früher sehr etablierten System, das während der vergangenen drei Jahren sein Comeback gefeiert hat …

Welches meinen Sie?

Wolf: Den QR-Code, den vor Corona kaum jemand in unserer Branche genutzt hat. Heute haben wir zu jedem Projekt und für jede buchbare Dienstleistung wie beispielsweise individuelle Beratungs- und Telefontermine oder den Shuttle-Service einen QR-Code.

Wie gelingt es Ihnen neben den digitalen Neuerungen, mit Ihrem Service den Unterschied auszumachen?

Wolf: Ich verstehe unseren Service als ganzheitliches Konzept, das sich in meinem Unternehmen von der ersten Kontaktaufnahme über das Beratungsgespräch bis zum Kaufprozess und darüber hinaus erstreckt. Immobilien sind sehr erklärungsbedürftige Produkte. Außerdem variiert die Lebens- und Einkommenssituation jeder unserer Kundinnen und jedes Kunden. Daher schulen wir unsere Mitarbeitenden darin, sehr individuell auf die Interessentinnen und Interessenten einzugehen, ihnen genau zuzuhören. Als zusätzlichen Service können sich unsere Kundinnen und Kunden von unserem Shuttle-Service zu Hause abholen, gemeinsam mit uns zum Projekt bringen und wieder zurückfahren lassen. Die Unterlagen reichen wir bereits im Vorfeld ein und im Anschluss des Termins nehmen wir uns immer noch Zeit, um offene Fragen zu klären.

Was sind typische Beispiele für Fragen nach einem Termin?

Wolf: Das lässt sich nicht verallgemeinern, aber oftmals sind es individuelle Wünsche: Zum Beispiel zu Pkw-Stellplätzen oder individuellen Ausstattungsmöglichkeiten. Wir kümmern uns darum, dass ein Kunde dann beispielsweise zwei Parkplätze nebeneinander bekommt, unsere Bemusterungsabteilung die gewünschten Badezimmerarmaturen findet oder die Kundin ein individuell zugeschnittenes Angebot unserer Finanzabteilung erhält. Wir haben für alle Themen rund um den Immobilienkauf entsprechende Expertinnen und Experten. Damit bleibt kein Wunsch unerfüllt.

Sie haben Best Place Immobilien 2014 gegründet, welche Strategie verfolgen Sie in puncto Neukundengeschäft?

Wolf: Unser Erfolgsfaktor war und ist unser Service und Fachwissen, mit dem wir entsprechend der Lage, der Nachfrage, der Machbarkeit und der Marktsituation bei jedem Projekt das beste Ergebnis erzielen. Hierzu bieten wir zahlreiche Dienstleistungen für Bestandshalter und Projektentwickler an, die von der Ankaufberatung bis hin zur Optimierung von Grundrissen bei Neubauprojekten reichen. Somit leisten wir bereits in einer sehr frühen Phase strategische Unterstützung, um am Ende die Vermarktung des Projektes zu übernehmen. Unser Anspruch als Vertriebsunternehmen ist es, sowohl beim Vermarktungsstart schnell und präzise zu agieren als auch dafür zu sorgen, dass mit dem gleichen Engagement für die letzte Einheit der passende Käufer gefunden wird. Ob gute oder schwierige Phasen, wir versuchen immer ein verlässlicher Partner zu sein. Dieser Anspruch ist ein Grund für unseren Erfolg.

Stichwort internes Klima: Wie würden Sie die Unternehmenskultur bei Best Place Immobilien beschreiben?

Wolf: Als mittelständisches Unternehmen haben wir flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege. Dies führt zu einer Arbeitskultur ähnlich der eines Start-ups, in der Eigeninitiative und proaktives Verhalten gelebt und besonders wertgeschätzt werden. Das bedeutet allerdings, dass Mitarbeitende, die sich eher in bürokratischen Strukturen wohlfühlen, bei uns nicht immer fündig werden. Aber auch in diesem Bereich mussten wir in den letzten Jahren dazulernen, denn wir möchten durch Vielfalt wachsen. Hier die richtige Balance zu finden, ist durchaus eine Herausforderung. Ob Gespräche mit Mitarbeitenden, Team-Events, Schulungen oder neue Onboarding-Prozesse: Unser Management befasst sich sukzessive mit dem Thema Arbeitskultur und schaut weit über den Tellerrand hinaus. Für mich ist dieser Bereich extrem wichtig, um eine nachhaltige und ehrliche Arbeitgebermarke aufzubauen.

Wie gelingt es Ihnen, sich in Zeiten mangelnder Fachkräfte, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren?

Wolf: Wir geben unseren Mitarbeitenden durch immer neue Aufgabenbereiche die Möglichkeit, ihre Stärken zu entdecken. Außerdem möchten wir künftig den Fokus noch stärker auf Aus- und Weiterbildung rücken. Ferner gibt es bei uns Jobs jenseits klassischer Stellenbeschreibungen, es herrscht eine lockere Atmosphäre und die Geschäftsführung sitzt nicht in einem „Elfenbeinturm“, sondern ist immer ansprechbar. Ich glaube, diese Vorteile sind in den vergangenen Jahren in der öffentlichen Wahrnehmung eher in den Hintergrund getreten. Jeder wirbt heute mit Benefits wie Getränken, Vorsorge-Angeboten, Urlaubstagen und flexiblen Arbeitszeiten. Meine Überzeugung ist jedoch, dass für Mitarbeitende die Stimmung am Arbeitsplatz, das Team und die persönliche Entwicklung im Mittelpunkt stehen sollten. Diese eher klassischen Werte im Rahmen von Employer Branding jung und frisch zu vermarkten, daran arbeiten wir und gehen auch in diesem Bereich neue Wege. Wir wollen nicht nur Arbeitgeber, sondern Partner sein.

Zum Abschluss: Verraten Sie uns eine Schwäche oder Bereiche, in denen Sie noch Optimierungsbedarf haben?

Wolf: Als recht junges Unternehmen haben wir selbstverständlich auch Schwächen: Aufgrund unseres extrem dynamischen Wachstums und der Fokussierung auf den Vertrieb wurden Themen wie Arbeitgebermarke, Recruiting-Prozesse aber auch soziale Verantwortung und gesellschaftliches Engagement oftmals nur halbherzig angegangen. Hier gibt es noch Luft nach oben. Aber immerhin fördern wir nun schon seit bereits zwei Jahren Nachwuchssportlerinnen und -sportler und unterstützen gemeinnützige Organisationen. Darüber hinaus haben wir uns das Thema Personalmanagement auf die Agenda für 2022 und 2023 gesetzt. In der Arbeitswelt des New Work nach Corona ist es mein Ziel, Mitarbeitenden berufliche Chancen zu bieten, die zu uns als Unternehmen aber auch zu ihren ganz persönlichen Lebensstilen passen.

29.07.2022    Mark Simon Wolf
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