drei Stühle stehen nebeneinander; zwei sind blau und einer ist gelb; Symbolbild für vakante Stellen und Fachkräftemangel
01.11.2023
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Überall wird nach Wegen gesucht, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Nahezu jede Branche ist mittlerweile davon betroffen. Im Zuge des demografischen Wandels hat sich die durchschnittliche Vakanzzeit seit 2011 verdoppelt. Aktuell beträgt sie 155 Tage – Tendenz steigend.

Das Ergebnis ist ein Überschuss an zu besetzenden Stellen und ein immer härterer Kampf um die wenigen Fachkräfte. Gerade für Mittelständler ohne gut aufgestellte Personalabteilung ist das eine echte Herausforderung.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wird es für Unternehmen daher noch wichtiger sein, die folgenden drei Challenges zu meistern: Talente auf sich aufmerksam machen, sie überzeugen und halten. Doch wie kann das gelingen? Ich habe drei einfache Tipps für Sie.

Tipp 1: Verfassen Sie ein Jobangebot statt einer Stellenausschreibung

Wer bewirbt sich eigentlich bei wem? Den meisten Unternehmen ist längst klar, dass sie es sind, die sich vorstellen und die überzeugen müssen. Das spiegelt sich allerdings nicht in den Stellenanzeigen wider, die noch immer genau so aufgebaut sind wie vor 20 Jahren.

Oft hilft schon eine Umstrukturierung der Anzeige. Wichtig ist es, dabei auch die Ansprache an die neue Situation und an die Zielgruppe anzupassen, um attraktive individuelle Angebote zu überbreiten.

Ein gutes Jobangebot sollte die folgenden Fragen beantworten:

  • Warum ist das Unternehmen für die Zielgruppe attraktiv?
  • Was bietet es potenziellen Mitarbeitenden?
  • Welche Benefits gibt es, die für die Zielgruppe relevant sind?
  • Wie ist die Unternehmenskultur und welche Werte vertritt die Firma?
  • Wie sind die Rahmendaten – also Arbeitszeiten, Flexibilität, Gehalt, Zusatzleistungen, Boni et cetera?

Transparenz, Authentizität und Zugewandtheit sowie ein möglichst barrierefreier Bewerbungsprozess gehören ebenfalls zum Erfolgsrezept. Denn wenn umfangreiche Unterlagen gefordert werden, schreckt das Kandidaten ab. Dann wird die Bewerbung auf später verschoben und zwischen den anderen Angeboten womöglich vergessen.

Unternehmen sollten daher überprüfen, welche Unterlagen und Informationen wirklich noch aussagekräftig und notwendig sind, um die Absprungrate zu Beginn des Bewerbungsprozesses zu verringern.

Tipp 2: Finden Sie die richtigen Benefits für Ihr Unternehmen

Passende individuelle Benefits sind heute wichtige Argumente, um Fachkräfte im Unternehmen zu halten und potenzielle Mitarbeitende anzuziehen. Benefits können viele Formen annehmen. Dazu gehören beispielsweise Gesundheitsprogramme, moderne Arbeitsplatzausstattungen, Bonuszahlungen und Weiterbildungsangebote. Sie sollten grundsätzlich immer passend zum Unternehmensprofil entwickelt werden.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, das richtige Paket aus Zusatzleistungen und Benefits für die eigenen Mitarbeitenden zu identifizieren. An dieser Stelle hilft es, wenn die Unternehmensführung die Angestellten und deren Erwartungen gut kennt. Indem man diese durch Umfragen oder ein Projektteam einbezieht, lassen sich Fehleinschätzungen vermeiden.

Tipp 3: Vergessen Sie nicht die Mitarbeitenden, die Sie bereits haben

Im Kampf um neue Talente wird in vielen Unternehmen vergessen, sich um die eigenen Mitarbeitenden zu kümmern. Der Frage, wie zufrieden diese sind, sollten sich Führungskräfte aus mehreren Gründen stellen:

  • Die meisten Menschen wollen heute bei einem Unternehmen arbeiten, in dem sie sich wohlfühlen und das dieselben Werte vertritt wie sie selbst. Die Unternehmenskultur und das Employer Branding haben daher massiv an Bedeutung gewonnen. Die Stimmung innerhalb der Belegschaft hat eine nicht zu unterschätzende Strahlkraft. Nicht selten kennt man sich innerhalb einer Branche; Social Media und Bewertungsportale haben die Transparenz noch erhöht. Im besten Fall können zufriedene Mitarbeitende Botschafter des Unternehmens sein und neue Fachkräfte anziehen.
  • Jedes Unternehmen muss sich gut positionieren. Wichtig für potenzielle Kandidaten ist dabei vor allem die Abgrenzung zur Konkurrenz. Das geht bei ähnlichen Jobbeschreibungen am besten über die Werte und die Kultur des Unternehmens. Das setzt aber voraus, dass man die Bedürfnisse der eigenen Mitarbeitenden kennt und ernst nimmt.
  • Je weniger Stellen ein Unternehmen neu besetzen muss, desto besser. Denn wenn das Gewinnen neuer Fachkräfte immer aufwendiger wird, ist es sinnvoll, die Fluktuation möglichst gering zu halten. Darüber hinaus spielen die passiven Kandidaten eine immer größere Rolle: Ein Großteil der Fachkräfte sucht nicht aktiv, sondern wird abgeworben. Sie sollten bedenken: Auch die eigenen Mitarbeitenden erhalten Angebote. Sind sie mit ihrem Job unzufrieden, besteht die Gefahr, dass sie abwandern. Sind sie allerdings zufrieden und loyal, bleiben sie und stärken die eigenen Reihen.

Die eigenen Mitarbeitenden sind ein wertvolles Gut

Unternehmen müssen ihre zukünftigen und aktuellen Mitarbeitenden als wertvolles Gut anerkennen. Das funktioniert, wenn man ihre Individualität wahr- und ernstnimmt.

Die richtigen Mitarbeitenden können der wichtigste Wettbewerbsvorteil sein – sei es, wenn in schweren Zeiten Loyalität gefragt ist oder Kunden mit Leistung und Qualität überzeugt werden müssen. Nur durch Wertschätzung und Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der eigenen Angestellten können Arbeitsplätze entstehen, die langfristig für beide Seiten zufriedenstellend sind.

Zur Person

Stephanie Krüger arbeitet bei der Agentur HRtbeat

Stephanie Krüger

ist seit Januar 2022 Head of Talent Acquisition bei der HR-Agentur HRtbeat. Sie ist Expertin für Recruitingthemen und verbindet unternehmerisches Denken und Businessverständnis mit einer sehr hohen Kunden- und Mitarbeiterorientierung

Kolumnen, Kommentare und Gastbeiträge auf DUP-magazin.de geben ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
01.11.2023
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