Illustration des Geschäftsführers von Futurice Gian Casanova.
25.07.2022
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Zur Person

Gian Casanova

ist seit 2013 Managing Director bei Futurice. Vorher war er in Beratungspositionen in verschiedenen Unternehmen, wie SOFTlab, MD Consulting & Informationsdienste oder GIGATRONIK tätig.

Wie hat sich Ihr Unternehmen in den letzten Monaten entwickelt?

Gian Casanova: Als Digitalberatung waren wir während der Pandemie in einer vergleichsweise komfortablen Situation. Unternehmen mussten viele Prozesse über Nacht digitalisieren und waren dabei auf Hilfe von Experten angewiesen. Zudem konnten wir als Organisation recht einfach auf Remote Work umstellen. Spätestens die Pandemie hat uns allen aber aufgezeigt, dass vermeintlich stabile Prozesse und Geschäftsmodelle jederzeit ins Wanken geraten können – und das von einem auf den anderen Tag. Unternehmen müssen deshalb deutlich flexibler werden, um in Zukunft schneller auf Krisen und gesellschaftliche Veränderungen reagieren zu können.

Was ist der Motor des Wachstums von Futurice?

Casanova: Gerade im Beratungsumfeld hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel geändert. Kunden präferieren immer mehr eine Komplettlösung aus einer Hand. Das hat unter anderem Strategieberatungen unter Zugzwang gesetzt, über die Beratung hinaus auch verstärkt Projektumsetzungen anzubieten. Auf der anderen Seite kaufen große Unternehmen Digitalagenturen auf, um so auch Beratungsleistungen anbieten zu können. Bei Futurice setzen wir schon lange auf diesen ganzheitlichen Ansatz. Wir begleiten unsere Kunden von der ersten Idee über die Entwicklung bis zum finalen und nachhaltigen Outcome und darüber hinaus. Im Gegensatz zu anderen Agenturen oder Unternehmen, für die dieser ganzheitliche Ansatz Neuland ist, haben wir ihn von Anfang an verinnerlicht und haben uns um ihn herum weiterentwickelt – die perfekte Basis, um weiterhin international zu wachsen und eine der führenden digitalen Beratungen in Europa zu werden.

Was tun Sie, um die Innovationskraft im Unternehmen zu fördern?

Casanova: Innovationen sind unser „täglich Brot“. Als Digitalberatung verbessern wir gemeinsam mit unseren Kunden Prozesse und entwickeln neue Geschäftsmodelle, digitale Services und Produkte. Wichtig ist uns dabei, dass sich jede einzelne Mitarbeiterin und jeder einzelne Mitarbeiter in den Innovationsprozess einbringen kann. Wer eine Möglichkeit findet, einen Ablauf oder ein Produkt zu verbessern, der muss das nicht zwingend in einem aufwändigen Abstimmungsprozess genehmigen lassen. Wir setzen auf die Eigenverantwortung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Bei vielen Prozessen können sie selbst entscheiden, an wen Verbesserungen kommuniziert werden müssen. Solche vereinfachten Abläufe fördern die Innovationskultur ungemein und sorgen immer wieder für Neuerungen, die es sonst nicht gegeben hätte.

Was zählen Sie zu den Schwächen und was zu den Stärken Ihres Unternehmens?

Casanova: Eine unserer größten Stärken ist mit Sicherheit, dass wir als Innovationstreiber auch unsere eigenen Prozesse – hauptsächlich aufgrund der neuen Erkenntnisse und Erfahrungen durch die Arbeit für und mit unseren Kunden – jederzeit hinterfragen und auf die Probe stellen. In Kombination mit dem Expertenwissen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können wir Arbeitsabläufe so dauerhaft optimieren und sind zusätzlich fachlich jederzeit den gesellschaftlichen Trends voraus. Eine weitere Stärke und gleichzeitig einer unserer Grundwerte ist zudem unsere Transparenz. Deshalb trauen wir uns eine Schwäche preiszugeben: Wir sind in den letzten Jahren als Unternehmen sehr schnell gewachsen. Obwohl wir stetig unsere Herangehensweisen und Prozesse hinterfragen, standen wir durch das schnelle Wachstum irgendwann kurz davor, an unsere Grenzen zu stoßen. Das bedeutet für uns: Wir müssen aktuell einige Zeit investieren, um unsere Strukturen neu anzupassen. Größere Teams haben eine andere Dynamik und wir müssen auch hier die richtige Balance finden zwischen effizienten Prozessabläufen und genügend Flexibilität und Freiraum für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wie gestalten Sie Ihre Digitalisierungsstrategie?

Casanova: Als Digitalberatung stellt sich für uns bei Futurice die Frage nach der Wichtigkeit der Digitalisierung schon gar nicht mehr. Wir beschäftigen uns vielmehr mit der Frage, wie Prozesse bestmöglich, messbar und nachhaltig digitalisiert werden können, um unsere Kunden für die Zukunft der Arbeitswelt zu rüsten. Dementsprechend müssen wir als Unternehmen der gesellschaftlichen Entwicklung auch immer mindestens einen Schritt voraus sein, wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Neben der Expertise unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, durch die wir eigene Innovationen vorantreiben, besuchen wir dafür zudem zahlreiche Events und tauschen uns auf Veranstaltungen mit anderen Expertinnen und Experten aus. Im Arbeitsalltag setzen wir darüber hinaus schon lange auf neue Arbeitsweisen wie die Nutzung einer Kollaborationsplattform oder flexible Arbeitsmöglichkeiten.

Was macht Ihr Unternehmen bei der Bestandskundschaft besonders erfolgreich?

Casanova: Der Kern unseres Erfolges ist: Wir arbeiten nicht für unsere Kunden, wir arbeiten mit unseren Kunden. Was im ersten Moment wie eine Floskel klingt, setzen wir im Arbeitsalltag konsequent um. Wir sind dauerhaft im Austausch mit unseren Kunden und erarbeiten mit ihnen gemeinsam neue Lösungen. Denn gerade bei neuen Anwendungen oder Prozessen ist wichtig, von Beginn an auch die Einführung und Etablierung im Unternehmen im Blick zu haben. Dafür ist vor allem die Einschätzung der späteren Nutzerinnen und Nutzer relevant. Dieser Fokus auf die Umsetzung im Arbeitsalltag sorgt für langfristige Zufriedenheit mit einer neuen Lösung und lässt Neukunden zu Bestandskunden werden.

Was ist Ihr Erfolgsfaktor, um Neugeschäfte zu gewinnen?

Casanova: Schon jetzt stellt der Fachkräftemangel die Wirtschaft vor große Herausforderungen. Durch den Renteneintritt der Babyboomer in den kommenden Jahren wird sich die Situation noch weiter verschärfen. Wir helfen Unternehmen, ihre Prozesse zu digitalisieren und dadurch auch zu automatisieren. Das macht Arbeitsabläufe effizienter und hilft unseren Kunden dabei, trotz des Mangels an Arbeitskräften weiterzuwachsen. Besonders wichtig ist uns dabei auch, dass unsere Anwendungen und Produkte für die Menschen entwickelt und designt werden, die sie am Ende nutzen. Der „Aha“-Moment, wenn User realisieren, dass eine Anwendung für sie funktioniert und ihr Arbeitsleben einfacher macht, ist die Basis unseres Erfolgs.

Was tun Sie, um den Service zu verbessern?

Casanova: Unser Ansatz bei Futurice zum Thema Service: Der Kunde soll im besten Fall gar nicht merken, dass die Entwicklungsphase einer Anwendung vorbei ist. Statt Service auf Abruf bei auftretenden Problemen versuchen wir auch nach der Fertigstellung, Software und Prozesse stetig zu verbessern und auf den neuesten Stand zu bringen. Die Arbeitsweise und das Know-how bleiben gleich – nur der Zeitaufwand wird etwas heruntergefahren. Dieser Fokus auf die Weiterentwicklung einer Anwendung statt auf die Wartung beugt zudem präventiv Störungen vor. Der Arbeitsaufwand ist am Ende des Tages also nicht höher, der Kunde hat ein Produkt, das jederzeit „up to date“ ist und der Service bleibt jederzeit auf einem hohen Niveau.

Wie leben Sie eine Service-Kultur in Ihrem Unternehmen?

Casanova: Unser Kunde Bosch Power Tools steht vor der Herausforderung, neben dem eigentlichen physischen Produkt zusätzliche Digital Services als Mehrwert für den Kunden anzubieten. Dazu haben wir eine Plattform entwickelt, auf der Daten verschiedener Dienste in Echtzeit miteinander ausgetauscht werden können und so eine nahtlose und effiziente Nutzererfahrung ermöglicht wird. Die grundsätzliche Frage war dabei, wie man verschiedene interne und externe Interessengruppen dazu motivieren kann, diese Plattform auch zu nutzen. In engem Austausch mit Bosch haben wir eine Lösung gefunden: die Bereitstellung von Digitalen Services, die einen Mehrwert für die verschiedenen Benutzergruppen bringen. Einzelne Vorgänge können dadurch bis zu über 30 Prozent schneller abgewickelt werden.

Was tun Sie, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren? Gibt es eine Maßnahme, die Sie mit Stolz erfüllt?

Casanova: Neben einem ansprechenden Gehalt und zahlreichen Benefits gibt es in unseren Augen drei weitere wesentliche Aspekte, die ein Unternehmen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer interessant machen: spannende Aufgaben und Projekte mit einem entsprechenden Purpose, die Möglichkeit sich persönlich weiterzuentwickeln und dazuzulernen sowie eine angenehme, diverse Arbeitskultur und -atmosphäre. Für uns bei Futurice ist es deshalb enorm wichtig, diese Themen ernst zu nehmen und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so das bestmögliche Arbeitsumfeld zu bieten. Konkrete Maßnahmen sind etwa ein Onboarding-Camp für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das in der Nähe unseres Hauptsitzes in Helsinki stattfindet, regelmäßige Events sowie ein gemeinsames wöchentliches Essen, das extra für uns gekocht wird. Darüber hinaus veranstalten wir Aktionen wie die Mental Health Week, um die mentale Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch weiter zu stärken.

25.07.2022
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