20.02.2020    Miriam Rönnau
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Trend: Smartglasses

Augmented Reality gehört die Zukunft

Wie lange wird das Smartphone noch genutzt? Tragen wir demnächst alle Smartglasses? In welchen Bereichen die Brille zum Einsatz kommt und welche Bedenken damit einhergehen, weiß AR-Experte Christian Grohganz.

Ganz klar: Das Smartphone war ein Disruptor. Doch derzeit melden sich immer mehr Experten zu Wort, die überzeugt sind: Bald hat das Smartphone ausgedient. Gerüchten zufolge will Apple bereits ab 2021 das erste Modell auf den Markt bringen, das Potenzial zum iPhone-Ersatz hat: Smartglasses. -„Der Zehnjahresplan ist eindeutig – weg vom Smartphone hin zum Augmented-Reality-Device“, ist sich Christian Grohganz von der Digital-Tech-Agentur weltfern interactive sicher. Er erklärt, was von der neuen Technologie zu erwarten ist.

Christian Grohganz

ist Geschäftsführer der Agentur weltfern interactive. Er verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Bereich Digital Business und setzt den Fokus unter anderem auf neue Technologien, E-Commerce und Innovationen in Unternehmen

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Welche Potenziale bieten Virtual Reality, kurz VR, und AR, also Augmented Reality?

Christian Grohganz: VR wird im B2C-Bereich noch einige Jahre brauchen, bis es massentauglich wird. 2020 wird es hier einen großen Vorstoß im Entertainmentbereich geben, dennoch dauert es noch mindestens fünf Jahre, bis die Massenrelevanz der Technologie wie beim Smartphone erreicht wird. Im B2B-Bereich bietet VR vor allem beim E-Learning viele Möglichkeiten. Bei Schulungen etwa können Mitarbeiter Situationen simulieren, die im echten Leben zu riskant wären. Noch spannender wird es im Bereich AR, also bei der Vermischung von Realität und computergenerierten Objekten. Einiges davon ist schon heute in Smartphones vorhanden. Doch mit den Smartglasses, an denen große Player wie Apple oder Google bereits arbeiten, können Nutzer alles direkt vor ihren Augen sehen. Die große Welle kommt bald. Die Brillen werden dann stylischer und alltagstauglicher. Das ist eine Chance für Unternehmen, sich als Vorreiter zu positionieren – etwa im Marketing oder E-Commerce.  

Sie sprechen auch von einem Web 3.0. Was ist das?

Grohganz: Schon jetzt gibt es das WebXR, über das sich web-basierte VR- und AR-Anwendungen aufrufen und entwickeln lassen. Um beim Beispiel E-Commerce zu bleiben: Konsumenten können sich dadurch nicht nur über ein 2-D-Bild oder -Video etwa Kleidung ansehen, sondern das Modell live durch den Raum spazieren lassen. Wir haben etwa auch schon verschiedene E-Commerce-Apps entwickelt, über die Konsumenten Schuhe direkt online anprobieren können.

Ihre Agentur legt den Schwerpunkt darauf, Unternehmen bei der Einführung neuer Technologien zu unterstützen. Raten Sie diesen explizit zu AR?

Grohganz: Wir sind in drei Bereichen tätig: Digitalisierung, digitale Transformation und digitale Kommunikation. Die Ent­scheidung, welche Technologie die beste für das Unternehmen ist, hängt dabei immer vom konkreten Fall ab. Wir schauen uns ganz genau an, was digital bereits vorhanden ist und was optimiert werden kann. Wir sagen nie: „Diese eine Technologie ist die beste.“ Bei dem einen Unternehmen funktioniert VR besonders gut, bei dem anderen ist es aber vielleicht auch eine Verbindung von mehreren Technologien.

Es gibt Experten, die fürchten die Folgen von VR und AR. Zum Beispiel weil die Technologie Suchtpotenzial aufweist. Was halten Sie von solchen Sorgen?

Grohganz: Es gibt nicht genügend Studien, die belegen, dass VR süchtig macht. Es war doch schon immer so, dass Menschen bei der Einführung von neuen Technologien Bedenken hatten. Die erste kommerzielle Eisenbahn führte zu einem regelrechten medialen Shitstorm. Warum? Weil die Geschwindigkeit angeblich den menschlichen Kör­per zerfetzen würde. Die Höchstgeschwin­­dig­keit betrug damals 35 Stun­denkilometer. Nun stellen Sie sich einmal vor, man hätte deshalb auf den Einsatz dieses Verkehrsmittels verzichtet.

20.02.2020    Miriam Rönnau
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