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25.02.2021    Martin Hintze
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DWS-Fondsmanager im Interview

„Nachhaltigkeit und Rendite sind kein Widerspruch“

Paul Buchwitz, Fondsmanager des DWS Invest SDG Global Equities, räumt mit Vorurteilen gegenüber nachhaltigen Investments auf. Er erklärt, warum der Bildungsmarkt ein zentraler Bestandteil seines Ansatzes und für Kapitalanleger spannend ist.

Kaum ein anderes Thema bewegt die Fondsindustrie derzeit so sehr wie Nachhaltigkeit. Für DWS-Fondsmanager Paul Buchwitz ist es wichtig, die Investitionen aber nicht nur auf Umwelt- und Klimaschutz zu beschränken. Sein Fokus liegt auf den UN-Nachhaltigkeitszielen und damit auch auf einem so wichtigen Thema wie Bildung.

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Zur Person

DWS-Fondsmanager Paul Buchwitz

Paul Buchwitz

managt den DWS Invest SDG Global Equities, der inzwischen die Marke von 1 Milliarde Euro Fondsvolumen geknackt hat

Seit mehr als einem Jahr hält uns die Coronakrise in Atem. Wie wirkt sich das auf Themen wie Umwelt- und Klimaschutz aus?

Paul Buchwitz: Am Ende dürfte die Pandemie auf die Entwicklung der Nachhaltigkeit einen positiven Einfluss haben. Übrigens ganz im Gegensatz zur Finanzkrise. Auch damals standen Themen wie Ökologie, Solar- und Windenergie bereits im Fokus. Das ebbte jedoch im Verlauf der Krise ab. Diesmal ist es anders. Nachhaltigkeit wird als ein Weg aus der Krise begriffen. Mehr als drei Billionen US-Dollar werden weltweit in Form von Hilfsprogrammen für einen grünen Aufschwung zur Verfügung gestellt. Es wird zu einer der größten Verschiebungen in der Kapital-Allokation seit Jahrzehnten kommen.

Inwieweit unterscheidet sich Ihr Fonds, der DWS Invest SDG Global Equities, nicht nur im Namen, sondern auch im Ansatz von dem geläufigeren Kürzel ESG?

Buchwitz: Bei ESG steht E für Environment, also Umwelt. S für Social, sprich das Soziale, und G für Governance, die gute Unternehmensführung. Das ist die klassische Herangehensweise. Dabei wird in erster Linie die operative Ebene des Unternehmens betrachtet und geschaut, inwiefern es nachhaltig wirtschaftet. Hält sich das Unternehmen an die Umwelt- und Sozialstandards? Wird es verantwortungsvoll geführt? Ziel ist, in Unternehmen zu investieren, die Vorreiter sind. Das ist auch die Basis unseres Investmentansatzes. SDG erweitert dies noch und stellt die Social Development Goals, also die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, in den Mittelpunkt. Dabei prüfen wir nicht nur, wie die Unternehmen wirtschaften, sondern auch, was sie herstellen.

Eines der UN-Nachhaltigkeitsziele ist Bildung. Was macht diesen Bereich für Ihren Fonds spannend?

Buchwitz: Das Thema Bildung liegt mir persönlich am Herzen. Hinzu kommt, dass der Bereich tendenziell unterschätzt wird und unterinvestiert ist. Dabei ist der globale Bildungsmarkt mit rund sechs Billionen US-Dollar Umsatz im Jahr ungefähr so groß wie der Automobilsektor. Das entspricht etwa sechs bis sieben Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Die Marktkapitalisierung macht weltweit jedoch nur ein Prozent aus. Das wird sich in Zukunft ändern. Der Markt wächst um fünf bis sechs Prozent im Jahr.

Warum fristet der Bildungsbereich bislang ein Nischendasein bei Investoren?

Buchwitz: Einerseits ist der Sektor etwas ins Hintertreffen geraten, weil Nachhaltigkeit in der Öffentlichkeit meist auf den Umweltaspekt beschränkt wird. Die Pandemie hat uns aber vor Augen geführt, wie wichtig das Thema digitale Bildung ist – Stichwort Homeschooling. Auch am Kapitalmarkt gibt es eindeutige Hinweise für einen Schub. 2020 gab es 16 Börsengänge in dem Sektor; viele weitere stehen in den Startlöchern. Venture-Capital-Investments verdoppelten sich im Jahr 2019 auf etwa 16 Milliarden US-Dollar.

Neben dem Homeschooling gehört auch das lebenslange Lernen zu den Trends am Bildungsmarkt. Wie spiegelt sich das in Ihrem Portfolio wider?

Buchwitz: Richtig. Durch den demografischen Wandel und die fortschreitende Automatisierung der Arbeitsplätze gibt es einen großen Bedarf an Fortbildungen. China beispielsweise will bis zum Jahr 2050 70 Prozent des Pro-Kopf-Inlandsprodukts der entwickelten Länder erreichen. Das bedeutet, dass die Arbeitnehmer umschulen müssen. Weg von der Werkbank hin zu anderen Berufen – Dienstleistung statt Produktion. Das betrifft potenziell 30 Prozent der Arbeitnehmer, also rund 220 Millionen Menschen. In anderen Ländern beobachten wir ganz ähnliche Entwicklungen. Zudem verkürzt sich die Halbwertszeit des Wissens, das wir etwa an Universitäten gelehrt bekommen, zusehends, weil sich die Welt schneller verändert, gerade im Technologiebereich. Die Universitäten reagieren darauf mit kürzeren Kursen wie Programmier-Bootcamps. Wir investieren zum Beispiel in Unternehmen, die solche Lösungen anbieten.

Wo werden die großen Trends im Bildungsbereich gesetzt?

Buchwitz: Wir beobachten unterschiedliche Trends in unterschiedlichen Ländern. In Asien wird nicht nur der Markt für Umschulungen wachsen. Ein weiteres großes Thema ist der Nachhilfeunterricht, gerade in China. In Ländern wie Japan und Korea nehmen mittlerweile 70 bis 80 Prozent aller Grundschüler Nachhilfeunterricht. In China sind es etwa 26 Prozent – Tendenz stark steigend. Gamification, also die spielerische Wissensvermittlung, ist ein weiterer Wachstumsmarkt. Und: Mit digitalen Bildungsangeboten lassen sich Kosten senken. Das spielt besonders in den USA eine große Rolle, wo sich die Studiengebühren von 1998 bis 2018 beinah verdoppelt haben. In Europa sehen wir eher die alte Welt. Klassische Bildungsverlage versuchen jetzt, sich zu digitalisieren. Aber auch unter ihnen finden sich spannende Kandidaten.

Als Fondsmanager betonen Sie natürlich die Chancen. Bei Anlegern hält sich jedoch die Meinung, dass man bei nachhaltigen Investments auf Performance verzichtet.

Buchwitz: Ja, das ist noch in manchen Köpfen drin. Mittlerweile hat sich dieses Narrativ aber komplett geändert. Heute gilt: Unternehmen, die nachhaltiger werden, bieten die Chance einer überdurchschnittlichen Entwicklung. Das Jahr 2020 hat gezeigt, dass diese Kombination sehr gut funktioniert. Die Mehrheit der Nachhaltigkeitsfonds – egal ob passiv oder aktiv – konnten den breiten Markt schlagen. Wenn sich der Trend fortsetzt, wird auch das Vorurteil verschwinden.

25.02.2021    Martin Hintze
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