IT-Fachkräftemangel spitzt sich zu
21.01.2022    Olivia Schlumm
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Lieferengpässen bei Halbleitern, der Inflation und immer neuen Corona-Infektionswellen zum Trotz: Den Unternehmen aus dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) geht es aktuell deutlich besser als Firmen in anderen Branchen. Der Bitkom-ifo-Digitalindex lag im Dezember 2021 bei 24,0 Punkten – und damit um 17 Punkte höher als das Geschäftsklima der Gesamtwirtschaft. Das entspricht einem ähnlich hohen Niveau wie vor Beginn der Coronapandemie Anfang 2020.

Und die gute Stimmung soll anhalten: Der Branchenverband Bitkom prognostiziert, dass der deutsche Markt für IT, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik in diesem Jahr um 3,6 Prozent auf 184,9 Milliarden Euro wachsen wird. Damit setzt sich das Wachstum ähnlich wie 2021 fort: Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz auf dem ITK-Markt um 3,9 Prozent auf 178,4 Milliarden Euro.

New Work spiegelt sich in Umsätzen wieder

Treiber des Wachstums war zuletzt vor allem der Bereich Informationstechnik. Dort knackten die Umsätze 2021 erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro. Laut Bitkom-Berechnungen wird dieser Sektor auch in diesem Jahr überdurchschnittlich wachsen – um voraussichtlich 5,9 Prozent auf 108,6 Milliarden Euro.

„Das Wachstum in der Informationstechnik spiegelt den Trend zu neuen Arbeitsplatzkonzepten wie Homeoffice und hybrides Arbeiten, die sich in der Pandemie durchgesetzt haben und auch darüber hinaus bestehen werden. Besonders hochwertige Technik steht weit oben auf der Einkaufsliste. Dabei verhindern Lieferengpässe eine noch bessere Bilanz“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

IT-Fachkräftemangel bleibt ein Problem

Langfristig das größte Hemmnis für die gesamte ITK-Branche ist allerdings der IT-Fachkräftemangel. „Im IT-Bereich verzeichnen wir erstmals einen Umsatzrekord. Insgesamt besteht insbesondere Nachfrage nach Digitalisierungs-Dienstleistungen. Dabei bremst der IT-Fachkräftemangel den Fortschritt. Die Lage ist alarmierend“, fasst Bitkom-Präsident Achim Berg die Situation zusammen.

1,25 Millionen Menschen sind derzeit in Deutschland in der Branche tätig; 2022 werden vermutlich 39.000 neue Stellen entstehen. „Die ITK-Branche schafft jedes Jahr Zehntausende neuer Jobs. Sogar im Corona-Krisenjahr 2020 hat die Zahl der Arbeitsplätze zugelegt. In den vergangenen fünf Jahren sind mehr als 150.000 Jobs neu dazu gekommen“, sagt Berg. Andererseits seien derzeit 96.000 Stellen für IT-Fachkräfte unbesetzt.

Dieser Mangel an digital kompetentem Personal hat Folgen: „Zu wenig Personal bremst die Digitalisierung in Deutschland. Dadurch geht Potenzial verloren, denn die Pandemie treibt die Digitalisierung an“, betont Berg. Und daher bleibt Deutschland trotz des Wachstums der Branche im weltweiten Vergleich ein Nachzügler; die USA und China sind und bleiben Vorreiter. Deutschlands Anteil an den weltweiten ITK-Ausgaben liegt bei nur 3,9 Prozent. Zum Vergleich: Auf den US-amerikanischen ITK-Markt entfallen 36 Prozent, auf China 11,8 Prozent.

21.01.2022    Olivia Schlumm
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