Frauen in Führungspositionen
24.06.2024    Christian Buchholz
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Herzstück der Initiative Women into Leadership ist ein ausgeklügeltes Mentoring-Programm. Wie das talentierten Frauen dabei hilft, auf der Karriereleiter nach oben zu kommen, erläutern die IWiL- Vorstandsmitglieder Sabine Hansen, Nicole Riggers und Dr. Werner Grünewald.

Zur Person

ist Gründerin der Initiative Women into Leadership (IWiL) sowie Gründerin von She4Her Leadership Consulting

Sabine Hansen

ist Gründerin der Initiative Women into Leadership (IWiL) sowie Gründerin von She4Her Leadership Consulting

Zur Person

Nicole Riggers ist Mitglied des IWiL-Vorstands und Gleichstellungsbeauftragte bei der IKB Deutsche Industriebank

Nicole Riggers

ist Mitglied des IWiL-Vorstands und Gleichstellungsbeauftragte bei der IKB Deutsche Industriebank

Zur Person

Dr. Werner Grünewald ist im IWiL-Vorstand zuständig für das Fi- nancial & Operation Management sowie Geschäftsführender Gesellschafter der Grünewald Invest

Dr. Werner Grünewald

ist im IWiL-Vorstand zuständig für das Financial & Operation Management sowie Geschäftsführender Gesellschafter der Grünewald Invest

Warum ist es in Zeiten des Fachkräftemangels denn wichtig, dass es die Initiative Women into Leadership gibt?

Sabine Hansen: Unsere Initiative ist ein starkes Zeichen nach innen und außen, dass Vielfalt in Führung nicht nur ein Schlagwort, sondern eine strategische Initiative seitens der beteiligten Unternehmen ist. IWiL bietet ein hoch qualifiziertes Netzwerk von Persönlichkeiten, die ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre Reputation einbringen, um Top-Führungspotenziale auf ihrem Weg nach oben via Mentoring zu begleiten.

Was genau will Ihre Initiative erreichen, wenn es um Diversität in Unternehmen geht?

Hansen: Diversität und damit eine Veränderung in der Arbeits- und Führungskultur eines Unternehmens funktioniert nur, wenn es vom Top-Management als strategisches Ziel verfolgt wird und es geeignete Programme wie eben IWiL gibt, die dies schließlich umsetzen. Durch den selektiven Auswahlprozess und die Beteiligung der Unternehmen an unserem Programm können wertvolle Rückkopplungen aus der Arbeitswelt in das Mentoring umgesetzt und so passgenau Talente auf ihrem Karriereweg weiterentwickelt werden.

Zu Ihren Mentoren gehören auch Männer. Welchen Mehrwert bieten sie für Ihr Mentoring-Programm?

Nicole Riggers: Männer spielen für uns aus mehreren Gründen eine wichtige Rolle: Sie steigern die Diversität und ermöglichen eine vielfältige Gruppendynamik. Dies fördert den Austausch unterschiedlicher Erfahrungen und Einsichten. Männer fungieren, wie erfolgreiche Frauen, als Role-Models für andere männliche Mentoren, die sich ebenfalls in unserem Programm einbringen wollen. Für uns ist die Einbeziehung aller Geschlechter das Fundament, denn wir können nicht fordern, dass Frauen mit einbezogen werden, wenn wir Männer außen vor lassen. Wir wollen ganz klar die Gleichstellung der Geschlechter unterstützen und möchten nachhaltig dazu beitragen, Vorurteile und Stereotype abzubauen. Darüber hinaus profitieren unsere Mentees von den Netzwerken, die männliche Mentoren mitbringen. Männer als IWiL- Mentoren tragen dazu bei, ein inklusiveres Umfeld zu schaffen, sodass sich das volle Potenzial unseres Cross- Mentoring-Programms entfalten kann.

Ihr Mentoring-Programm wurde von der Deutschen Gesellschaft für Mentoring, kurz DGM, zertifiziert. Warum ist Ihnen diese Zertifizierung wichtig?

Riggers: Unser Anspruch ist höchstmögliche Quali- tätssicherung für unsere Mitgliedsunternehmen, sprich deren Mentees und für unsere persönlichen Mitglieder, zu gewährleisten. Die Re-Zertifizierung durch die DGM stellt sicher, dass unser Cross-Mentoring-Programm hohe Qualitätsstandards erfüllt. Dadurch schaffen wir Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Unser standardisierter, skalierbarer Prozess führt zu einem konsistenten, hoch- wertigen und nachhaltigen Erfahrungsniveau für alle Beteiligten. Wir setzen auf Professionalisierung, um die Bedeutung unseres Cross-Mentoring-Programms für nachhaltiges Leadership-Management zu unter-streichen.

Warum ist es entscheidend, dass sich nicht nur Frauen mit Diversity-Themen auseinandersetzen?

Riggers: Es ist entscheidend, dass sich nicht nur Frauen, sondern alle Geschlechter und Bevölkerungsgruppen mit Diversity-Themen auseinandersetzen, denn Vielfalt betrifft uns alle. Diversity-Themen betreffen nicht nur Frauen, sondern alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Ethnizität, sexueller Orientierung oder Hintergrund. Jede und jeder sollte ein Interesse daran haben, eine inklusivere und somit gerechtere Gesellschaft zu schaffen. Wir brauchen verschiedene Perspektiven, denn wenn wir nur eine bestimmte Gruppe mit einbeziehen, werden andere wichtige Perspektiven und Erfahrungen fehlen. Es ist relevant, dass eine Vielzahl von Stimmen und Erfahrungen gehört wird, um ganzheitliche Lösungen zu finden. Indem sich Menschen verschiedener Geschlechter und Hintergründe gemeinsam mit Diversity-Themen befassen, kann dies zu einem größeren Verständnis, Solidarität und gemeinsamen Bemühen führen, um gesellschaftlich nachhaltige Veränderungen zu erreichen.

Diversity und Inklusion sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Jede und jeder spielt eine Rolle, um Ungleichheiten abzubauen und eine gerechtere Welt zu schaffen. Indem sich alle einbringen, können wir effektivere Fortschritte erzielen. Insgesamt ist die Einbeziehung aller Geschlechter und Identitäten in die Diskussion über Diversity von entscheidender Bedeutung für IWiL. Wir wollen mit unserem Cross-Mentoring-Programm eine Basis für eine integrative und gerechtere Gesellschaft schaffen.

Welche Probleme sehen kleine und mittlere Unternehmen beim Thema Diversität vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der Digitalisierung und des Fachkräftemangels?

Dr. Werner Grünewald: Kleine und mittlere Unter- nehmen haben große Schwierigkeiten, überhaupt ihren Fachkräftemangel zu decken. Neben vielfach geringe- rer grundsätzlicher Attraktivität ist die Flexibilität bei Arbeitszeitmodellen gerade für Arbeitnehmerinnen meist ein Hemmschuh bei der Fachkräfte-Akquisition. Auch eine konsequente Digitalisierung scheitert oft an fehlenden Fachkräften, aber auch an grundsätzlich fehlender Arbeitgeberattraktivität. Ein Cross-Mentoring-Programm schafft zunächst Aufmerksamkeit. IWiL verhilft insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen durch eine professionelle Social-Media-Strategie zu einer besseren Sichtbarkeit am Arbeitsmarkt, für weibliche, aber auch für männliche Personen. Zudem ist der persönliche Austausch zwischen Mentoren und Mentees im immer größer werdenden IWiL- Netzwerk für alle Beteiligten ein wertvolles Format, um auch für das eigene Unternehmen neue Impulse mitzunehmen und umzusetzen.

Was bringt Unternehmen die Teilnahme an einem Programm wie IWiL in Bezug auf Nachhaltigkeit?

Grünewald: Für Unternehmen wird das Thema ESG immer wichtiger. Gerade im Hinblick auf die soziale Komponente kann ein Programm wie IWiL bei den Themen Employer-Branding und interne Weiterent- wicklung von weiblichen Führungskräften wichtige neue Impulse setzen. Auf weibliche Führungskräfte kann nämlich nicht verzichtet werden. Außerdem kann ein Cross-Mentoring-Programm im Hinblick auf die Unternehmensreputation und die zukünftige Finanzierungsfähigkeit gegenüber externen Stakeholdern wertvolle Dienste leisten. Schon heute geben große Finanzierer teilweise nur an solche Unternehmen Kredite und Finanzierungen, die ein konsequentes ESG- Programm vorweisen können.

24.06.2024    Christian Buchholz
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