Employer-Branding stärkt die Anziehungskraft von Unternehmen
04.11.2021
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Nähern wir uns der Bedeutung des Begriffs „Attraktivität“ einmal über seinen lateinischen Ursprung: „Attrahere“ steht für „an sich ziehen“. Es geht also um Anziehungskraft. Und in Zeiten zunehmenden Fach­kräftemangels, digitalisierungsgetriebener Umwälzungen und veränderter Anforderungen, die neue Generationen selbstbewusst erfüllen, beschäftigt immer mehr Arbeitgeber die Frage, wie sie für Mitarbeitende attraktiv sein können. Dabei wird so manche Begrifflichkeit miss­interpretiert.

So leben New Work beispielsweise die Unternehmen, die ihrer Belegschaft einen Kicker bereitstellen. Employer-Branding betreiben solche, die ihre Mitarbeitenden täglich mit frischem Obst versorgen. Und Benefits wie etwa die zwei K (Kohle und Karre) müssen Talente doch überzeugen – das hat schließlich jahrzehntelang bestens funktioniert. 

Für New Work reicht kein Tischkicker

Leider nur ist es nicht ganz so einfach. Bei New Work braucht es das volle Commitment von Management und Belegschaft, um die sinnstiftende Funktion der Arbeit in den Mittelpunkt zu stellen – und Themen wie Freiheit und Selbstständigkeit nicht nur an Bürowände zu schreiben, sondern auch zu leben. Employer-Branding wird immer noch zu oft auf bunte Bilder und flotte Sprüche reduziert. Dabei sollte es um das gehen, was im Innersten zusammenhält: die Unter­nehmenskultur. Und: Angesichts zunehmender Individualisierung lassen sich mithilfe klassischer Benefits nicht mehr alle Mitarbeitenden gleichermaßen erreichen. Es braucht im Jahr 2021 einfach mehr Kreativität.

Aber aufgrund welcher Faktoren ist oder wird ein Arbeitgeber denn attraktiv? Diese Frage ist pauschal leider nicht zu beantworten, denn ein Unternehmen kann und muss als Arbeitgeber nicht allen gefallen. Bestimmte Faktoren dienen als Filter. Ihre Anzahl jedoch ist nahezu unerschöpflich. Daher folgt hier der Versuch einer groben Orientierung. Die am häufigsten genannten Erfolgsfaktoren der Arbeitgeberattraktivität lassen sich in drei Themengebiete unterteilen:

  • Berufliche Aspekte: Inhalte der Arbeitstätigkeit, Arbeitsbedingungen, Arbeitskollegen, Vorgesetzte, Aufstiegsmöglichkeiten, Gehalt, Benefits, Selbstverwirklichung, Verantwortung, Autonomie
  • Arbeitsbedingungen: Standort, Arbeitsbelastung, Work-Life-Balance, Arbeitsplatzsicherheit, Arbeitswegdauer, Reisemöglichkeiten
  • Image: Reputation des Arbeitgebers, Ansehen des Jobs, Nutzen für die Gesellschaft

Arbeitgeber sollten sich bewusst sein, dass die Kombination unterschiedlicher Attraktivitätsfaktoren die Basis für das Finden und Binden von Mitarbeitenden ist. Wichtig: Neben übergeordneten Einflüssen wie etwa dem Image der jeweiligen Branche können auch aktuelle Ereignisse wie die gegenwärtige pandemische Lage Einfluss auf die Attraktivität haben. Tendenziell dürften etwa Unternehmen, die vollumfänglich zur physischen Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz zurückkehren, künftig das Nachsehen haben.

Kurzum: Arbeitgeber sollten gezielt die wichtigsten Attraktivitätsfaktoren in der Belegschaft identifizieren und entwickeln. Diese können als Bestandteil des Markenkerns das Profil schärfen und dafür sorgen, sich erfolgreich bei den relevanten Zielgruppen in Position zu bringen – also: anziehend zu sein.

Zur Person

Marcus Merheim New-Work-Experte

Marcus Merheim

ist Gründer von hooman EMPLOYER MARKETING, einer auf Arbeitgebermarken spezialisierten Unternehmensberatung. Insgesamt hat Merheim mehr als zehn Jahre HR-Erfahrung und war zuvor bei der DEBA als Director Marketing & Growth und bei XING E-Recruiting im strategischen Marketing tätig

Kolumnen, Kommentare und Gastbeiträge auf DUP-magazin.de geben ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
04.11.2021
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