Gastbeitrag

Technologie

Warum der ROI von KI-gestützter Cybersicherheit höher ist, als Unternehmen denken

Mit der Weiterentwicklung KI-gestützter Cyberangriffe wird auch die Rolle der Künstlichen Intelligenz im Bereich der Cyberabwehr immer wichtiger. Für Unternehmen ist es zunehmend unerlässlich, hier zu investieren.

Ein Vorhängeschloss, das über einer Platine schwebt, als Symbol für KI-gestützte Cybersicherheit

27.03.2025

Denn KI automatisiert die Bedrohungserkennung und -prävention. KI-gestützte Cybersicherheitslösungen überwachen kontinuierlich den Netzwerkverkehr und das Benutzerverhalten, blockieren den Zugriff auf verdächtige Domains, setzen die Passwörter aller potenziell kompromittierten Konten zurück und senden Echtzeitwarnungen an das Security Operations Center (SOC). Über prädiktive Analytik erkennt die Künstliche Intelligenz mögliche nächste Schritte der Angreifer und ermöglicht es dem Sicherheitsteam, die Abwehrmaßnahmen entsprechend anzupassen.
 
Diese Entwicklung geht mit einem Anstieg der Ausgaben für Cybersicherheit einher. Im Jahr 2023 gaben Unternehmen 24 Milliarden US-Dollar aus, bis 2030 wird ein Anstieg auf 133 Milliarden US-Dollar erwartet. Doch sind Investitionen in KI-Lösungen ihren Preis wert?

Eine Investition in die Zukunft

Ransomware ist eine der kostspieligsten Cyberbedrohungen für Unternehmen. Laut einer Studie von Cybereason wurden 63 Prozent der befragten deutschen Unternehmen in den letzten 24 Monaten mehrfachen Ransomware-Angriffen ausgesetzt. Doch die wahren Kosten einer Cyberattacke gehen weit über das gezahlte Lösegeld hinaus. Neben dem direkten finanziellen Schaden entstehen weitere Kosten wie durch Imageschäden oder Umsatzeinbußen aufgrund von vorübergehenden Geschäftsschließungen. 46 Prozent der betroffenen Unternehmen schätzen den Gesamtschaden auf 1 bis 10 Millionen US-Dollar, 16 Prozent sogar auf mehr als 10 Millionen US-Dollar.
 
Im Falle von Ransomware-Angriffen ist der ROI (Return on Investment) von KI-gestützten Cybersicherheitslösungen schnell erreicht. Wie aber können Unternehmen die Rentabilität der Investitionen in solche Lösungen allgemein am besten messen?
 
In der Vergangenheit beruhte die Berechnung des ROI im Bereich der Cybersicherheit hauptsächlich auf der Schätzung vermiedener Kosten durch ausgebliebene Sicherheitsvorfälle. Mit der Integration von Künstlicher Intelligenz hat sich dies grundlegend verändert. Denn KI-basierte Lösungen bieten verbesserte Möglichkeiten zur Bedrohungserkennung und -prävention. Die bloße Betrachtung des Ausbleibens von Vorfällen für den ROI ist hier nicht ausreichend, da sie die betriebliche Effizienz und die langfristigen Vorteile von KI nicht berücksichtigt.

Neue Metriken zur ROI-Berechnung von KI-basierter Cybersicherheit

Mit folgenden Kennzahlen können sich Unternehmen einen umfassenden Überblick über den Wert von KI-gestützten Cybersicherheits-Investitionen verschaffen und fundiertere Entscheidungen hinsichtlich ROI treffen:

  • Reduzierung von Falschmeldungen
    KI-Systeme reduzieren die Anzahl falscher Sicherheitswarnungen in der Regel drastisch. So können Sicherheitsteams ihre Aufmerksamkeit auf echte Bedrohungen konzentrieren. Ein geringerer Anteil an False Positives bedeutet mehr Effizienz bei der operativen Umsetzung von Cybersicherheitsmaßnahmen.
  • Schnellere Reaktionszeiten bei Vorfällen
    Automatisierte Prozesse durch Künstliche Intelligenz sparen wertvolle Zeit des Sicherheitspersonals, die für strategischere Aufgaben genutzt werden kann. Zwei Kennzahlen sind hier entscheidend: die durchschnittliche Reaktionszeit (Mean Time to Respond, MTTR), die misst, wie schnell ein Sicherheitsvorfall behoben wird, sowie die durchschnittliche Zeit bis zur Erkennung (Mean Time to Detect, MTTD). Je kürzer diese Zeiten, desto schneller wird auf Bedrohungen reagiert.
  • Verbesserte Genauigkeit der Bedrohungsaufklärung
    KI-Systeme können Muster erkennen und Anomalien identifizieren, die Sicherheitspersonal aufgrund der schieren Menge möglicherweise nicht erkennt. Künstliche Intelligenz hilft Unternehmen damit unter anderem auch dabei , gesetzliche Sicherheitsanforderungen besser zu erfüllen. Der IBM-Bericht "Cost of a Data Breach 2024" zeigt, dass Unternehmen mit umfassendem KI-Einsatz in ihren Sicherheitsworkflows durchschnittlich 2,2 Millionen US-Dollar im Jahr an Kosten im Zusammenhang mit Datenschutzverletzungen einsparen.

Der unterschätzte Mehrwert von KI-gestützter Cybersicherheit

Der wahre ROI von KI-gestützter Cybersicherheit erweist sich in der Praxis als deutlich höher als zunächst angenommen. Während viele Unternehmen bei ihren Investitionsentscheidungen primär die Vermeidung von Schäden durch Cyberangriffe betrachten, zeigt sich der tatsächliche Mehrwert erst durch eine ganzheitliche Betrachtung. Die Ausgaben für KI-gestützte Cybersicherheit amortisieren sich wesentlich schneller, wenn man ihre positiven Auswirkungen auf die betriebliche Effizienz berücksichtigt – sei es durch die drastische Reduzierung von Falschmeldungen, die deutlich schnelleren Reaktionszeiten bei Vorfällen oder die verbesserte Präzision bei der Bedrohungserkennung.

Patrick Buchholz

ist Corporate Account Manager bei Cybereason, hat technische Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin studiert. Heute kombiniert er hochtechnologische Lösungen mit sozialer Verantwortung, um den Cyberraum vor Bedrohungen zu schützen. Er ist Co-Moderator des Podcasts 'Zerteilte Zukünfte', in dem er über Technologie, Kultur und Themen wie generative KI und Web3 spricht.