Skizzierung eines Smart Buildings
09.04.2021    Karina Engelking
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Bauen und wohnen

Leben wir bald in Smart Buildings?

Laut Bundesregierung müssen Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 66 Prozent sinken. Nur so können die Klimaziele erreicht werden. Experten zeigen im DUB Digital Business Talk auf, wie energieeffizientes Sanieren und Bauen sowie Smart Buildings dabei helfen können, klimaschädliche Treibhausgase zu reduzieren. 

In Kürze 

  • Es ist wichtig, die Lebenszyklen von Möbeln bis hin zu Gebäuden zu verlängern.
  • Nachhaltige Einzellösungen müssen durch Partnerschaften zusammengeführt werden.
  • Kreislaufwirtschaft und erneuerbare Energie bieten Konzernen die Chance Klimaneutralität zu erlangen.
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„Die digitale Steuerung, Vernetzung, Kontrolle und intelligente Automatisierung der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) sowie die damit verbundene Datensammlung werden mit dem Begriff intelligentes Gebäude beziehungsweise Smart Building umschrieben“, heißt es in einer neuen Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft. Ein Zukunftsmodell mit viel Potenzial für das Erreichen der Klimaziele. Denn die Bau- und Gebäudewirtschaft ist für satte 38 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich.

Was sind die größten Klimasünder in Gebäuden?

Am DUB Digital Business Talk nahmen teil:

Moderation: Thomas Eilrich, Chefredakteur, DUB UNTERNEHMER


„Etwa 60 Prozent des Energieverbrauchs fließt in die Heizung von privaten Gebäuden“, sagt Professor Bernhard Lenz. Das liegt auch am Trend zu größerer Wohnfläche pro Bewohner. „Obwohl wir effizienter werden, steigt der Energieverbrauch“, so Lenz. Das Ziel sollte daher lauten: Gleicher Komfort auf weniger Wohnfläche, so dass Rebound-Effekte vermieden werden.

Was zusätzlich fehle, sei laut Lenz die Berechnung der Grauen Energie eines Gebäudes. Das ist die Energie, die bereits in der Konstruktion von Dachziegel bis Dämmung aufgebracht wurde, erklärt er. Für einen nachhaltigen Effekt gilt es, diesen hohen Prozentsatz an Energie zu berücksichtigen. Je nutzungsflexibler die Bauten, indem sie zum Beispiel Metamorphosen von Office zu Wohnen durchleben, desto länger der Lebenszyklus.

Langlebigkeit ist auch für Raphael Baumann von Faiture Home & Living von großer Bedeutung: „Am Ende des Tages geht es darum, dass der Endverbraucher das Produkt so lange wie möglich behält.“ Denn ganze 10,5 Milliarden Tonnen Möbel landen jährlich in Deutschland im Müll und werden im selben Maße ersetzt. Deswegen setzt Baumanns Marketplace auf nachhaltige Möbel. Corona habe in diesem Bereich viel getan, weil die Menschen sich mehr mit dem eigenen Lebensraum auseinandersetzen, berichtet der Mitgründer des Start-ups.

Welche Voraussetzungen brauchen Smart Buildings?

David B. Hofmann, Vorsitzender des Ressorts Smart World beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), zeigt Herausforderungen auf. Die BVDW-Studie zeigt: Es gibt keine einheitliche Wahrnehmung von „Smartness“.  Wo fängt es an, wo hört es auf und wie misst man ohne diesen Rahmen Entwicklungen? Das führe bei allen Marktteilnehmern – vom Architekten bis zum Gebäudeausrüster – zum Inseldenken um die eigenen Lösungen. Für die Umsetzung von Smart Buildings fehle es an der Vernetzung von Anbietern, der Grundtechnologisierung von Haushalten als auch an Incentives und Verpflichtungen für Vermieter. Diese Voraussetzungen für Energieeffizienz lägen auf Ebene von Städten und Kommunen.

Als Big Player im Living-Bereich kann IKEA viel bewegen. Der schwedische Großkonzern macht das, indem er der Fokus auf erneuerbare Energien richtet, berichtet Katarzyna Dulko-Gazyna, Nachhaltigkeitsmanagerin von IKEA. In elf Ländern bietet das Möbelhaus Photovoltaik- und Solaranlagen bereits an. Partnerschaften mit Technologie-Unternehmen machen das möglich, so Dulko-Gazyna. Die Unsicherheit der letzten Monate habe in Deutschland zu einer erhöhten Nachfrage nach Selbstversorger-Technologien geführt. Über die wahrgenommene Sicherheit hinaus, sorgen sie für eine Verkleinerung des CO2-Fußabdrucks sowie finanzielle Einsparungen und sie bilden den Grundstein bei der Aufrüstung zu Smart Buildings.

Nachhaltigkeit muss nicht mehr kosten

Bereits seit einer Dekade gestaltet Dulko-Gazyna die Nachhaltigkeitsstrategie von IKEA und sagt darüber: „Große Tanker brauchen lange Sicht.“ Der Möbelgigant visiert dabei die Kreislaufwirtschaft an. In diesem regenerativen System werden die Langlebigkeit und Wiederverwendung von Ressourcen in den Vordergrund gestellt. Als „Zweite Chance“ ist der Ansatz für Kunden bereits im Einsatz, erzählt die Dulko-Gazyna. Kunden können gut erhaltene Möbel gegen einen Gutschein tauschen.

Was IKEA bereits auszeichnet, strebt Raphael Baumann für die Zukunft von Faiture an: Skalierbarkeit des Businesses. Nur so könne man nachhaltige Produkte wirklich wettbewerbsfähig machen. Und nur so könne auch das Öko-Premium – gemeint sind die Mehrkosten durch nachhaltige Materialien und Produktion – für den Kunden wegfallen.

Wann leben wir in Smart Cities?

David B. Hofmann vom BVDW sieht auf die nächsten 30 Jahre drei Effekte: „Erstens ein rasantes, mit hohen Investitionen verbundenes Wachstum beim nachhaltigen und energie-autarken Wohnen. Zweitens wird der Generationenwandel vor allem den urbanen Raum verstärkt nachhaltig gestalten. Und drittens: Es gibt 22 Millionen Gebäude; 19 Millionen befinden sich in Privatbesitz und haben eine Lebensdauer von 80 Jahren. Folglich werden wir in unserer Lebenszeit keinen transformativen Wandel im Bereich Smart Building mehr erleben.“

Auch Professor Lenz ist Realist, doch sieht er zugleich das weltweite Potenzial für neue Projekte. Unter anderem in Asien und entlang des Persischen Golfs entstehen neue Strukturen in Form ganzer Städte. Hier kann in den kommenden Jahren Optimierung stattfinden und aufzeigen, wie viele Smart Buildings zu den Smart Cities der Zukunft werden.

09.04.2021    Karina Engelking
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