Wie Fortschritt unser Leben verlängert

Ist es möglich, Krankheiten zu behandeln, bevor sie überhaupt entstehen? Welche Forschungsansätze könnten in der Praxis schon bald Leben retten? Und welche Rolle spielt eigentlich der Mensch – also die Ärztin oder der Arzt – in einem Gesundheitswesen, in dem immer innovativere Technologien in der Behandlung zum Einsatz kommen? Beim BIG BANG HEALTH-Festival zeigten Expertinnen und Experten, wie die Medizin von Morgen funktioniert.

Krebsbehandlung

Der Mensch macht den Unterschied

Medizintechnik wird immer innovativer. Davon profitieren Patientinnen und Patienten, etwa bei einer Strahlentherapie im Rahmen der Krebsbehandlung. Doch wie steht es um die Menschlichkeit, wenn die Behandlung immer digitaler wird?

Den Menschen nicht vergessen – das ist das Credo, nach dem der Mediziner Professor Dietrich Grönemeyer ar­beitet. In der heu­tigen Zeit, in der das Leben auf Geschwindigkeit ausgerichtet ist, bedarf es in der Medizin aus seiner Sicht vor allem eines: sich Zeit zu nehmen – Zeit für die Diagnostik, die Therapie und vor allem für die Person hinter der Krankheit. 

Dany Michalski ist eine dieser Personen. 2011 bekam sie erstmals die Diagnose Brustkrebs; 2021 kam der Krebs zurück. Sie ist jemand, der die Therapie hinterfragt und genau verstehen möchte. „Ich habe meinem Arzt Christian Weißenberger Fragen gestellt, die hat niemand zuvor gestellt“, sagt die 46-jährige Moderatorin und lacht.

Technik ist in der Therapie nicht alles

Laut Robert Koch-Institut erkranken jährlich etwa 500.000 Menschen in Deutschland neu an Krebs, allein 70.000 von ihnen an Brustkrebs. Krebs ist eine System­erkrankung. „Er greift nicht nur die Systeme Körper, Geist und Seele an, sondern auch den Job, die Familie, den Freundeskreis“, sagt ­Carsten Witte, Psycho-Onkologe im Zentrum für Strahlentherapie in Freiburg. 

Doch zugleich gilt inzwischen zum Glück auch: „Die fortschrittlichen Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten der Strahlentherapie bieten derzeit so gute Chancen in der Behandlung von Krebserkrankungen wie noch nie“, sagt Dr. Christian Weißenberger, Leiter des Zentrums für Strahlentherapie in Freiburg. Die Medizintechnikunternehmen seien sehr innovativ und brächten vielfältige und gute Hilfsmittel hervor, die aber allein keine Medizin gestalten können. 

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Mehr im Video! Schauen Sie sich jetzt den Panel-Talk mit Dany Michalski und Dr. Christian Weißenberger beim BIG BANG HEALTH zur Rolle der Ärztin beziehungsweise des Arztes sowie der Kommunikation in einer Krebstherapie an

Erst der echte Mensch im weißen Kittel kann aus den Behandlungsmöglichkeiten eine erfolgreiche Therapie mit Ausblick auf Genesung gestalten. Denn was neben der Hightech-Medizin nicht vergessen werden darf, ist die Menschlichkeit. „Um erfolgreich behandeln zu können und die Patientin respektive den Patienten zurück in ein gesundes Leben zu führen, bedarf es einer liebevollen Medizin“, sagt Grönemeyer.

Schlüsselfaktor Kommunikation 

Die bleibe aber oft auf der Strecke. Gründe dafür sind nicht nur Personalmangel. Auch Subventionierungen im Medizinbereich und fehlende Kommunikationskompetenzen beeinträchtigen die Behandlung. „Eine rhetorische Ausbildung im Medizinstudium fehlt“, so Witte. Dabei braucht es einen Austausch auf Augenhöhe mit dem Arzt unbedingt, um die Patient-Journey so positiv wie möglich zu gestalten.

„Die Vorbereitung auf die psychische Belastung und die therapeutische Begleitung während der Krebstherapie sind sehr wichtig“, sagt Witte und plädiert für eine Rhetorik-Pflichtprüfung im mündlichen Examen. So könne die Kommunikation zwischen Arzt und Patient verbessert werden – zum Wohle des Betroffenen. Denn: „In der Medizin kommt es oftmals zu einer Massenabfertigung. Diese negative Drift muss unbedingt gestoppt werden“, so Weißenberger.




Videocredit: Getty Images/selected-takes

Bildcredits: Big Bang Health/Michael Schwettmann, Getty Images/seb_ra

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