Unternehmer geht auf einen Schriftzug zu:
22.03.2021    Anna Kaiser und Jana Tepe
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Kolumne von Anna Kaiser und Jana Tepe, Tandemploy

Interne Kurzeinsätze: Gig Economy – aber menschenfreundlich!

Die „Gig Economy“ verbinden viele mit Freelancern, die – oft schlecht bezahlt – wertvolle Arbeit für Unternehmen machen. Wendet man das Konzept der „Gigs“ jedoch intern an und vergibt Arbeitspakete an qualifizierte Mitarbeitende, können sie die Organisation nachhaltig transformieren. Eine riesige Chance für Organisationen, nicht nur in Krisenzeiten. 

Gig Economy, was war das nochmal? Die Analogie zum musikalischen Gig passt tatsächlich ziemlich gut. Ähnlich wie Künstlerinnen und Künstler sich von Auftritt zu Auftritt hangeln, bis der große Durchbruch kommt, arbeiten sich Freiberuflerinnen und Freiberufler sowie Selbstständige von Auftrag zu Auftrag. Die Grundidee hat Potenzial, könnte sie doch ein selbstbestimmtes Leben und Arbeiten von Menschen fördern. Jedoch wird sie von vielen großen Plattformanbietern nicht gut umgesetzt. Im Gegenteil: Uber, AirBnB und diverse Lieferdienste fordern zwar quasi-unternehmerisches Handeln von den Menschen, die für sie arbeiten, bieten ihnen aber keinerlei Sicherheit oder eine Perspektive, am Unternehmensgewinn zu partizipieren.

Kolumne von Anna Kaiser und Jana Tepe

Gig Economy als Antwort auf die Flexibilisierung der Wirtschaft

Doch es geht auch anders und besser. Die Gig Economy ist letztendlich Ausdruck unserer veränderten, von Digitalisierung geprägten Arbeits- und Lebenswelt. Wo langfristige Strategien nicht mehr funktionieren, wo sich das Umfeld, in dem Organisationen agieren, binnen weniger Tage ändern kann, sind flexible Strukturen und kleine Arbeitspakete gefragt, die kurzfristig an Menschen mit passenden Kompetenzen und freien Kapazitäten vergeben werden können. Klassische Unternehmen können also viel von den Plattformen lernen, gerade in puncto Flexibilität, und gleichzeitig mit dem einzelnen Menschen hinter dem Arbeitspaket verbunden blieben. Sprich: Unternehmen haben die Chance, sich die Vorteile der Gig Economy zu eigen zu machen und das, was schlecht läuft, draußen zu lassen. Wie kann das gelingen?

Projekte und Kurzeinsätze: Unterschiedliche Wege aus der Krise

Bislang sind meist Projekte die kleinsten, flexibelsten Einheiten in Unternehmen. Aufgaben, die das Arbeiten abseits bestehender Prozesse und die Freiraum sowie Interdisziplinarität erfordern, werden an Projektteams übergeben. Mit Betonung auf „Teams“, denn meist benötigen Projekte eine Reihe ganz unterschiedlicher Fähigkeiten, die für die Dauer des Vorhabens zusammengewürfelt werden.

Porträt von Anna Kaiser und Jana Tepe

Anna Kaiser und Jana Tepe sind die Gründerinnen von Tandemploy, einem vielfach ausgezeichneten Berliner Tech Start-up, das mit smarter Software und viel Herz die Arbeitswelt verändert. Großkonzerne wie Mittelständler nutzen die Talent-Marktplatz-Software von Tandemploy, um ihre digitale Transformation voranzutreiben – mit neuen Arbeitsmodellen, Lernformaten und einem Wissenstransfer auf Augenhöhe und ganz ohne Abteilungsgrenzen

Noch näher dran am Prinzip des „Gigs“ sind „Short Assignments“. Anders als bei Projekten wird für diese Kurzeinsätze oft nur ein ganz bestimmtes Skillset gebraucht, welches sich in einer, maximal zwei Personen vereinen lässt. Im Sinne eines  menschenfreundlichen Gegenentwurfs zur Plattform-Ökonomie vergeben Unternehmen die Gigs aber nicht über einen anonymen Mittler an Externe, sondern werden selbst zum Marktplatz der Fähigkeiten und suchen gezielt nach passenden Kandidatinnen und Kandidaten innerhalb der Belegschaft.

Gerade in Krisenzeiten, wenn Neueinstellungen ausgesetzt sind, sind Gigs eine wunderbare Möglichkeit, um gezielt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Aufgaben zu betrauen, die das Unternehmen für die Zeit nach der Krise fit machen. Ein gutes Beispiel sind Digitalisierungskonzepte, die bei vielen Firmen gerade ganz oben auf der Agenda stehen. Mit Hilfe neuer HR-Tools lassen sich qualifizierte Mitarbeitende für den Gig mit wenigen Klicks finden. Unternehmen gewinnen dabei gleich in fünffacher Hinsicht, denn:

  1. Sie betrauen jemanden mit der Aufgabe, der oder die bereits mit dem Unternehmen, dessen Kultur und dessen Produkten vertraut ist.
  2. Sie fördern die persönliche und fachliche Weiterentwicklung der Kollegin oder des Kollegen.
  3. Sie spüren Kompetenzen in der Organisation auf, von denen sie noch nichts wussten.
  4. Sie motivieren Mitarbeitende, sich außerhalb ihres Kernbereichs einzubringen.
  5. Nicht zuletzt sparen sie wertvolle Zeit und Geld.

 

Fazit: Was die Gig Economy nicht geschafft hat, können Unternehmen mit internen Gigs nun viel besser machen: Strukturen aufbauen, die ihren Mitarbeitenden zum großen Durchbruch verhelfen – mit maximaler Gestaltungskraft, maximaler Motivation und maximaler Freude an der Arbeit.

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22.03.2021    Anna Kaiser und Jana Tepe
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