VAN HAM Kunstauktionen GmbH & Co. KG Vordenker 2022
11.07.2022    Holger Reher
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Zur Person

Markus Eisenbeis

Hat das Kölner Kunstauktionshaus VAN HAM 1999 von seiner Mutter Carola van Ham übernommen und zu einem international anerkannten Unternehmen entwickelt.

Wie haben sich Ergebnis und Umsatz in den letzten drei Jahren von 2019 bis 2021 entwickelt?

Markus Eisenbeis: Von 2019 zu 2021 stieg das Gesamtjahresergebnis um rund 15 Prozent, von € 35 Mio. auf € 40,1 Mio.

Was ist Ihr Erfolgsrezept? Was ist der Motor für Ihr Wachstum?

Eisenbeis: Digitalisierung! Neben den traditionellen LIVE-Auktionen bietet VAN HAM seit 2017 reine Online-Auktionen an. In diesem Bereich haben wir stark zugelegt, so dass wir inzwischen wöchentliche ONLINE ONLY-Auktionen anbieten und uns damit als Marktführer in Deutschland etabliert haben.

Zudem ist VAN HAM das erste deutsche Auktionshaus, das sich an den neuen Bereich der NFTs gewagt hat und 2021 erfolgreich sechs hybride NFTs versteigert hat. Zudem führt VAN HAM seit 2021 einen eigenen Online-Shop, in dem man rund um die Uhr Kunst kaufen kann.

Flexibilität – VAN HAM ist immer in der Lage, kurzfristig große Sammlungen anzunehmen und zu veräußern. Durch diese flexible Reaktionsfähigkeit haben wir uns in den letzten Jahren einen Namen insbesondere für große Privat- und Firmensammlungen sowie Insolvenzmassen gemacht.

In wenigen Worten: Wie sieht Ihre Digitalisierungsstrategie aus?

Eisenbeis: VAN HAM ist und wird auch in Zukunft offen für digitale Innovationen sein und seinem Ruf als „Innovationstreiber der Branche“ (Manager Magazin) gerecht werden. Bereits vor der Pandemie haben wir eine vollständige digitale Plattform entwickelt, über die wir unsere LIVE-Auktionen selber ins Internet übertragen, Online-Kataloge publizieren, Gebote annehmen sowie reine ONLINE ONLY-Auktionen durchführen können. In der Pandemie wurde der Bereich Entwicklung & IT ausgebaut, um hier schneller und effizienter neue Projekte umzusetzen. Auch weitere digitalen Projekte wie der Online-Shop „VAN HAM Art Store“ und die NFT-Auktionen werden nun gezielt betreut und weiter vorangetrieben.

Was macht Ihr Unternehmen bei Kunden besonders erfolgreich?

Eisenbeis: Wir können jedem Kunden ein individuelles Konzept zum idealen Verkauf seiner Kunst anbieten – egal ob hochkarätiges Einzelstück oder umfangreiche Kunstsammlung – unser Angebot reicht von den traditionellen LIVE-Auktionen bis zu den wöchentlichen ONLINE ONLY-Auktionen. Gerade hier finden die Käufer mehr als nur ein digitales Angebot – denn bei uns sitzt hinter der Technik immer ein Mensch, den man direkt kontaktieren kann. Außerdem arbeiten wir weiterhin aus als Generalisten, wenn auch mit klarem Schwerpunkt auf Kunst des 20. Und 21. Jahrhunderts. Das bedeutet, egal wie eine Sammlung zusammengesetzt ist: Wir können sie vollständig vermarkten.

Welche Rolle spielt Service in Ihrem Business?

Eisenbeis: Da wir in unserer Branche sehr individuell auf unsere Kunden eingehen müssen, spielt Service bei uns bedeutende Rolle, denn Service schafft Vertrauen. Uns werden Objekte von hohem Wert anvertraut – sowohl von monetärem als auch emotionalen Wert. Da kommt es vor allem auf den richtigen und vollumfänglichen Service an.

Was tun Sie, um den Service zu verbessern?

Eisenbeis: Wir betrachten immer wieder aufs Neue, wie die Bedürfnisse unserer Kunden sich verändern und wie wir uns dem anpassen müssen. Dieses Angebot findet digital und analog statt, manchmal in Verbindung miteinander.

Wir haben unser Business aber auch vertikal erweitert, in dem wir unseren Kunden jetzt auch ein sogenanntes Art Storage anbieten können. Solch ein individuelles Kunstdepot mit angepassten Serviceleistungen bietet kein anderes Auktionshaus in Deutschland.

Nennen Sie ein Beispiel wie Ihr Unternehmen Service lebt.

Eisenbeis: Ein kleines, praktisches Beispiel: Um die Werke der Auktion während der Vorbesichtigung besser zugänglich zu machen, gibt es seit Kurzem Schilder mit QR-Code neben den Gemälden, durch die mal schnell in den Online-Katalog mit allen Informationen zu dem Kunstwerk gelangt. So erspart sich der Kunde das Suchen im gedruckten Katalog und kann bei Interesse direkt ein Gebot für das Los abgeben.

Neben solch kleinen Tools zeigt der Umgang mit Sammlungen und Nachlässen deutlich, wie wir Service leben: indem wir allen Belangen rund um die Kunst versuchen individuell gerecht zu werden. Dies gelingt durch unsere breite vertikale Aufstellung. Der Service beginnt bei der Bewertung der Kunst, geht weiter bei dem Transport und der fachgerechten und manchmal auch längerfristigen Einlagerung. Weiter geht es mit der inhaltlichen Aufarbeitung der Werke, der intensiven Recherche, Austausch mit externen Gutachtern sowie der Erstellung von Sammlungskatalogen. Letztlich bieten wir neben der reinen Vermarktung auch die Sonderleitungen, wie zum Beispiel die Vorfinanzierung der Erbschaftssteuer.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung beim Service?

Eisenbeis: Durch die Digitalisierung können wir unseren Kunden mit vielen kleinen Innovationen noch mehr Serviceleistungen bieten:

– Wir zeichnen sämtliche Werke mit Barcodes aus für eine optimale Lagerverwaltung.

– Wir zeichnen Print-Anzeigen oder unsere Kunstwerke in der Vorbesichtigung mit QR-Codes auf, damit die Kunden direkten Zugriff auf unseren Online-Katalog haben.

– In unseren Online-Katalogen stellen wir zahlreiche Zusatzbilder pro Objekt und auch Videos zur Verfügung. Zuverlässige Zustandsberichte geben einen umfassenden Eindruck von allen Objekten. Sie bilden eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage für unsere Käufer, ohne dass sie zur Vorbesichtigung nach Köln kommen müssen.

– Wir nutzen KI in Form von Bilderkennung, um unseren Kunden schon beim ersten Beratungsgespräch schnell die Angaben aus Werkverzeichnissen zu zeigen und realisierte Preise auf dem Auktionsmarkt präsentieren zu können. Über diese Entwicklung sind wir besonders stolz, da nicht einmal die Häuser Christie‘s und Sotheby‘s über solch eine Technologie verfügen.

– Jeder Kunde kann bei uns über die Homepage einen Abholtermin für seine Käufe buchen, um Wartezeiten zu vermeiden.

Was tun Sie, um eine Service-Kultur zu etablieren und zu verbessern?

Eisenbeis: Jeder Mitarbeiter wird professionell in Sachen Kommunikation und Service geschult. Durch den Ausbau des digitalen Angebots wurde ein Online-Service-Team aufgebaut, das direkt für unsere Kunden zur Verfügung steht.

Was ist die größte Stärke der Company? Trauen Sie sich eine Schwäche preiszugeben?

Eisenbeis: Eine unserer Stärken liegt darin, dass wir ein breites Portfolio bieten mit Experten aus allen Bereichen der Kunst, des Kunstgewerbes sowie für Schmuck & Uhren. Heterogene Sammlungen können hier unter einem Dach begutachtet und verkauft werden. Als inhabergeführtes Unternehmen können wir zudem schnell und flexibel auf individuelle Bedürfnisse eingehen und wichtige Themen werden dann auch schnell zur Chefsache.

Als Schwäche könnte man die vielen Nebenspielorte bezeichnen, die manchmal von unserer eigentlichen Kernkompetenz – der Kunstauktion – ablenken. Doch auch Themen wie Künstlernachlässe – vertreten durch die VAN HAM Art Estate – als auch die Herausgabe von bedeutenden Werkverzeichnissen im hauseigenen Verlag VAN HAM Art Publications, gehören zu unseren Tätigkeiten. Für uns hört der Umgang mit der Kunst nicht bei der Auktion auf, sondern wir schauen auch immer wieder über unseren Tellerrand hinaus.

Was sehen Sie die Zukunft der Arbeit? Gibt es eine Maßnahme, die Sie mit Stolz erfüllt?

Eisenbeis: VAN HAM steht technischen Neuerungen immer offen gegenüber und versucht diese schnell ins Unternehmen zu integrieren, wie die zuvor genannte KI zur schnellen und effizienten Bilderkennung. Zusammen mit der modernen und einladenden Architektur finden sich die Mitarbeiter in einem ansprechenden und fortschrittlichen Arbeitsumfeld wieder.

11.07.2022    Holger Reher
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