Vordenker Porträt Dr. Boysen
25.07.2022    Daniela Schäfer
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Zur Person

Dipl.-Ing. Dr. rer. pol. Werner Boysen

betreibt die Unternehmensberatung Dr. Boysen Management + Consulting. Der Maschinenbau- und Elektrotechnikingenieur hat in Betriebswirtschaft promoviert. Vor seiner Selbstständigkeit war Dr. Boysen 13 Jahre lang in Fach- und Führungspositionen in Industrieunternehmen tätig.

Wie blicken Sie auf die vergangenen zwei Jahre zurück? Welches Learning nehmen Sie aus der Coronakrise für Ihr Unternehmen mit?

Dr. Werner Boysen: Zu Beginn der Maßnahmen gegen die Coronaausbreitung war das Geschäft mit Restrukturierungsmandaten erstaunlicherweise komplett rückläufig, weil gesetzliche Insolvenzanmeldefristen ausgesetzt waren und angeschlagene Unternehmen sich mit Kurzarbeitergeld offenbar gut halten konnten. Ich habe mein Geschäft sofort auf andere Schwerpunkte umgestellt: Ich unterstütze ausländische Gesellschaften mit meinem Team dabei, im deutschen Markt Fuß zu fassen, und vermittle Unternehmen.

Parallel habe ich im Coronajahr 2021 unter www.consultingcheck.com eine virtuelle Managementberatung geschaffen und in den Markt eingeführt. In Zeiten mit Kontaktbeschränkungen kann diese webbasierte Anwendung Fach- und Führungskräften in ihren Managementherausforderungen effizient helfen.

Was macht Ihr Unternehmen erfolgreich?

Boysen: Beweglichkeit, Professionalität und Konsequenz. In dynamisch-komplexen Zeiten ist es wichtig, sich immer wieder auf Neues einzulassen – aber nicht blind, sondern auf fundierter Entscheidungsbasis, und dann aber mit vollem Einsatz. consultingcheck ist ein Beispiel dafür: Die innovative Anwendung ist eine Antwort auf die Unsicherheit in der Wirtschaft. Sie gibt Fach- und Führungskräften in einem virtuellen, strukturierten Dialog Orientierung. Keiner konnte vor einem Jahr sagen, ob so eine Anwendung überhaupt von Nutzern angenommen würde. Ich habe das trotzdem gemacht, weil ich an diesen innovativen Ansatz geglaubt habe. Während der Umsetzung war Achtsamkeit und Agilität gefragt, um die Erwartungen der Kunden möglichst gut zu treffen.

Wie schaffen Sie es, als Unternehmen neugierig und innovativ zu bleiben?

Boysen: Mein Team und ich arbeiten immer parallel an ganz unterschiedlichen Themen und müssen uns schnell einfinden und unsere Kunden weiterführen. Das prägt. Wir nehmen dabei viele Ideen auf, tauschen uns darüber aus und filtern sie sorgfältig in einem abgestuften Innovationsprozess. Unsere Klienten erwarten von uns Out-of-the-box-Lösungsansätze, die funktionieren. Dafür ist die Fähigkeit zu freiem, unvoreingenommenem Denken und eine Portion Mut erforderlich. Ich fördere Neugier und Innovationsfähigkeit durch eine Arbeitsatmosphäre, die kreatives Arbeiten begünstigt, und lasse Kollegen hinreichend Freiheit in der Umsetzung.

Welche Rolle spielt dabei das Thema Digitalisierung?

Boysen: Ich habe erkannt, dass ich selbst nicht mehr an vorderster Front der Digitalisierung sein kann. Wollte ich das, würden viele andere Interessen und Fähigkeiten zurückstehen, mit denen ich mit meiner Erfahrung nützlich sein kann. Ich muss funktionale Anforderungen und Konzepte zur Digitalisierung verstehen, aber nicht selbst tief in der IT stecken. Dafür gibt es hervorragende Spezialisten, die aufgrund ihres Lebensalters mit der IT aufgewachsen sind. Wichtig ist, diese Spezialisten sinnvoll zu briefen und sie mit Business-Profis zusammenzuführen.

Was ist die größte Stärke des Unternehmens? Trauen Sie sich, eine Schwäche preiszugeben?

Boysen: Die größte Stärke meines Unternehmens ist seine Flexibilität, mit der wir zu jeder Zeit auf die Besonderheiten von wechselnden Mandaten reagieren können. Wir betreiben Projektgeschäft. Das ist etwas ganz anderes als ein laufendes Zuliefergeschäft.

Mich zeichnet aus, dass ich als Ingenieur und promovierter Betriebswirt über eine breite fachliche Basis verfüge. Bei der Suche nach guten Lösungen hilft mir aber auch, dass ich sowohl wissenschaftlich fundiert arbeite als auch in die betriebliche Praxis gehe und das Zusammenspiel der Funktionen mittlerweile schnell erkennen kann.

Als eine Schwäche würde ich meinen Anspruch an die Umsetzungsgeschwindigkeit beschreiben. Manche Dinge brauchen einfach ihre Zeit, und das zu akzeptieren, fällt mir oft schwer.

Was macht Ihr Unternehmen bei Bestandskunden besonders erfolgreich?

Boysen: Meine Klienten schätzen, dass wir in unseren Mandaten ganzheitliche Zusammenhänge nicht nur sehen, sondern Stellhebel für ganzheitlich angelegte Maßnahmenpakete schaffen, die zu echten Verbesserungen führen – und nicht zu punktuellen Scheinlösungen, die Probleme sogar verschärfen. Dafür müssen Klienten bereit sein, den Scope für Mandate zu erweitern. Wenn sie die Dynamik, die daraus entsteht, einmal erlebt haben, kommen sie bei neuen Herausforderungen gern wieder.

Was ist Ihr Erfolgsfaktor, um Neugeschäft zu gewinnen?

Boysen: Marktpräsenz und Weiterempfehlungen. Ich bewege mich in vielen für die Auftragsakquisition relevanten Kreisen, lasse mich auf Managementkongressen als Vortragender sehen, produziere Podcasts zu fachlichen Themen und publiziere in anerkannten Verlagen und Fachjournalen. Ich denke, dass es diese Mischung von Aktivitäten ist, die immer wieder zu interessanten Mandaten führen. Eine notwendige Voraussetzung ist natürlich die Qualität unserer Arbeit. Für diese Qualität und das besondere Extra, das Klienten von uns erwarten dürfen, setze ich mich persönlich ein.

Welche Rolle spielt für Sie das Thema Service im Unternehmensalltag?

Boysen: Service-Kultur ist für mich das laufende Management von Erwartungen und der laufende aktive Abgleich mit Möglichkeiten. Leben ist Veränderung, Projekte sind es auch. Veränderte Rahmenbedingungen, die zu veränderten Erwartungen führen, nicht zu ignorieren, sondern sie zu erkennen und anzunehmen, das ist für mich Service-Kultur. Service-Kultur ist nichts Statisches, das einmal definiert wird und dann steht, sondern ein hochdynamischer Prozess.

Wie setzen Sie den Servicegedanken in der Praxis konkret um?

Boysen: Viele unserer Klienten befinden sich in herausfordernden Situationen, die sie auch außerhalb der normalen Arbeitszeiten stark beschäftigen. Also sind wir selbstverständlich auch außerhalb der eng gefassten Arbeitszeiten für unsere Klienten erreichbar. Die Anforderungen an den Service gehen von unseren Klienten aus. Oft wird weitere Expertise gebraucht, um Aufgabenstellungen gut zu bewältigen. Dann bringen wir diese Expertise aus unserem Netzwerk in unsere Projekte ein. Wichtig ist das Ergebnis, das wir für unsere Klienten erreichen.

Was tun Sie, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren? Was bieten Sie aktuellen und zukünftigen Mitarbeitenden?

Boysen: Ganz wichtig ist, dass wir unseren Mitarbeitenden die Mitarbeit in attraktiven Kundenprojekten ermöglichen, in denen sie sich persönlich und fachlich gut entfalten können. Ich setze mich persönlich für eine wertschätzende Führung und Zusammenarbeit ein. Wir brauchen Mitarbeiter, die nicht nur motiviert sind, sondern auch Teams bei unseren Klienten motivieren und mit Kreativität und Engagement weiterführen. Dafür erhalten meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von mir nicht nur Anleitung und Coaching, sondern auch große Freiheiten in der Gestaltung ihrer Arbeit.

Gibt es eine Maßnahme, die Sie mit Stolz erfüllt?

Boysen: Stolz macht mich, wenn Mitarbeiter selbst erfolgreich werden. Eine ehemalige Mitarbeiterin, die bereits während ihrer Oberstufenzeit ein Praktikum bei mir absolviert und während ihrer gesamten Studienzeit bei mir gearbeitet hat, ist heute erfolgreiche Unternehmerin. Sie hat in Berlin ein innovatives Start-up gegründet, das sie systematisch ausbaut.

25.07.2022    Daniela Schäfer
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