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14.10.2021    Hendrik Lange
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Forscher fanden heraus: Ein bewussterer Umgang mit Smartphone, Tablet und Social Media kann gelernt werden. Doch Achtung: Für digitales Fasten gilt das Gleiche wie für eine Diät im echten Leben: Es droht ein Jojo-Effekt. Deshalb ist beim Digital Detox die richtige Strategie entscheidend. 

Digital Detox und digitale Entschlackung: Was heißt das eigentlich?

Digitales Fasten – das nehmen sich viele Menschen regelmäßig vor. Laut Definition bezeichnet dies den mentalen und körperlichen Verzicht auf die exzessive Nutzung von Smartphone & Co. Mindestens aber verbirgt sich dahinter der Wunsch vieler Menschen mit digitalen Endgeräten bewusster umzugehen. Doch eine Vielzahl von Apps und Social-Media-Kanälen sowie der Druck, immer online sein zu müssen, erschweren digitales Fasten im Alltag schwer.

Ohne Smartphone fühlen sich immer mehr Menschen abgehängt. Gleichzeitig wollen wir dem Alltag bewusst entfliehen, einfach mal offline zu sein und abschalten können. Kein leichtes Unterfangen – und ein Thema, dass mittlerweile Psychologen und Psychotherapeuten beschäftigt.

Doch wie schafft man es, auch als Digital Native ohne Internet auszukommen und tatsächlich ein Digital Detox hinzubekommen?  David Greenfield vom Center for Internet and Technology Addiction hat sich mit diesem Phänomen des ständigen „Online-Seins“ beschäftigt.

Die Zieldefinition: Wer oder was soll entgiftet werden? 

Das Internet ist voll von Tipps für Digital Wellbeing und digitales Fasten. Doch was hilft wirklich?  Studien  zeigen, dass jeder Mensch durchschnittlich fast 100 mal am Tag sein Smartphone entsperrt und dieses mehr als drei Stunden täglich nutzt.

Damit Digital Detox wirklich funktioniert können diese vier Tipps helfen.

  • Erster Tipp: Wie bei allen Entgiftungen muss man sich die Frage stellen, was überhaupt entgiftet werden soll. Es bringt wenig auf Tablet, Smartphone, PC und Laptop gleichzeitig verzichten zu wollen. Eine sorgsame Analyse des Problems ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche digitale Entgiftung. Am Anfang sollten die Ziele nicht zu hoch gesteckt werden. Wer sich zu Beginn darauf konzentriert, zunächst die Nutzung einer bestimmten App oder einer Social-Media-Plattform bewusst einzuschränken, ist erfolgreicher – und bricht den Versuch der digitalen Entgiftung nicht so schnell ab.

Die Kunst der Ablenkung: Schlechte Angewohnheiten lassen sich nicht so einfach beseitigen

  • Zweiter Tipp: Eine schlechte Angewohnheit lässt sich nur schwer abtrainieren. Das gilt analog wie digital gleichermaßen. Heißt: Wer häufiger mal offline sein will, der sollte sich vorher überlegen, was er in dieser Zeit stattdessen machen will. Es könnte zum Beispiel auch helfen, eine Spiele-App durch eine Gesundheits-App zu ersetzen. Wichtig ist zu verinnerlichen: Bei jeder Umgewöhnung im Leben braucht der Körper einen anderen Reiz als Ersatz, eine Alternative. Sonst dominieren weiter Instagram & Co.

Warum Radikalkuren weder analog noch digital funktionieren

  • Dritter Tipp: Keine Radikalkuren. Es ist zwar verlockend, auf Social Media komplett zu verzichten, sich bei Instagram und Twitter abzumelden und den Kolleginnen im Büro auf E-Mails und über Teams nicht mehr zu antworten. Die Erfahrungen zeigen aber, dass die Entzugserscheinungen schnell da sind. Das Ergebnis gleicht dem einer Diät im analogen Leben: Schnell gibt man sich wieder seinen digitalen Lastern hin; der Versuch des Digital Detox ist gescheitert. Auch auf Reisen mal alles abzuschalten, hilft nur begrenzt. Nach dem Urlaub ist man schnell wieder mit den gleichen Apps und Social-Media-Kanälen beschäftigt und surft am Computer auf den gleichen Internet-Seiten. Umso wichtiger ist es, einen persönlichen Digital-Detox-Plan zu haben.

Achtung, gratis: Welche Fallen bei Smartphone und E-Mails lauern 

  • Vierter Tipp: Alles, was gratis ist, muss raus. Eine einfache Taktik, die erfolgreich sein kann. Denn die meisten Handy-Anwendungen, die kostenfrei sind, sind häufig Werbung oder wollen etwas verkaufen. Dafür bezahlen wir mit unserer Aufmerksamkeit. Doch das macht uns träge – und verhindert eine digitale Entgiftung.

Digital Detox in der Zukunft: Wie wir uns fürs Morgen wappnen können

Fazit: Digital Detox ist ein Thema, das in einer zunehmend digitalisierten Welt immer wichtiger werden wird. Und: Es ist definitiv keine leichte Aufgabe. Ein Leben ganz ohne Internetverbindung – egal mit welchem Device – ist nicht mehr denkbar. Für viele ist und bleibt das Smartphone nun einmal ein wichtiger Begleiter im Privat- und Berufsleben.

Und trotzdem: Wer es schafft, sich die individuell passende optimale Digital-Detox-Strategie zurechtzulegen und seine Ziele nicht aus den Augen verliert, wird einen bewussteren, weniger stressigen Alltag haben. Und das ganz ohne online den Anschluss zu verlieren.

 

14.10.2021    Hendrik Lange
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