Ein Chef, der die digitale Transformation managen muss
16.09.2020    Manuel Kunst
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Digitale Transformation

Digitale Transformation: Einfach mehr reden

Flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren, wird in der digitalen Transformation allen Branchen abverlangt. Egal welche Größe ein Unternehmen aufweist, die richtige Kommunikation von Zielen und Werten ist deshalb eine zentrale Führungsqualität. Dies gilt gerade jetzt in der Krise.

Ob Start-up, Familienunternehmen oder global Player: Vorausschauend planen und der Wille, neue Wege einzuschlagen, sind Grundvoraussetzungen für langfristigen Erfolg. Die digitale Transformation und auch Corona zwingen viele Führungskräfte, bestehende Businessmodelle zu überdenken. Strukturen aufzubrechen ist jedoch nicht leicht und muss auf allen Ebenen passieren, um Mitarbeitende in den Transformationsprozess einzubinden. Im DUB Digital Business Talk zum Thema „Innovation“ diskutieren Führungskräfte über Transparenz in der Unternehmenskultur.

Am DUB Digital Business Talk nahmen teil:

Moderation: Thomas Eilrich, Chefredakteur des DUB UNTERNEHMER-Magazin

Offenes Ohr

„An dem Produkt selbst hat sich durch Corona nicht viel getan“, sagt Gunnar Anger. Er ist Geschäftsführer von Parcellock. Das Hamburger Start-up organisiert und vermarktet mit dem ParcelLock-System einen Zugang zu Paketkästen, Paketstationen und Paketkastenanlagen für den Empfang und Versand. Da das Geschäftsmodell schon vor der Krise digital ausgerichtet war, hat der digitale Push eher in der internen Kommunikation stattgefunden.

Laut Anger mangelt es der Unternehmenskultur hierzulande nicht an Ideen, aber es hapert an der Umsetzung: „Die Aufgabe einer guten Führungskraft ist es, die Schwächen und Stärken ihres Teams zu erkennen und entsprechend zu nutzen.“ Auf Veränderungen am Markt solle man flexibel reagieren können und das gelinge nur im Austausch. Wichtig sei dafür ein offenes Ohr und Vertrauen in die Belegschaft.

Perfekter Zeitpunkt

Viel Konversation, konkrete Zielsetzung und Risikobereitschaft haben Unternehmen wie die GROB-WERKE zum Erfolg geführt. Der international agierende Werkzeugmaschinenhersteller ist vor allemfür Anlagen, die für die Herstellung von Verbrennungsmotoren benötigt bekannt. Zuletzt stellte sich der Konzern aber auch auf elektronische Autos ein. „Es wurden große Bemühungen unternommen, um den perfekten Zeitpunkt der Umorientierung einzuleiten“, sagt Christian Müller, Chief Sales Officer der GROB-WERKE. „Wir haben eine Abteilung, die sich nur mit dem Thema Strategie auseinandersetzt. Anhand von Kundenbefragungen, Markt- und Wettbewerbsanalysen sowie Innovationsstudien haben wir das ideale Zeitfenster gewählt, um den größtmöglichen Impact zu erreichen.“

Allerdings sei eine umfassende Informationsgrundlage Voraussetzung für eine digitale Transformation, um alle weiteren Schritte in die Wege zu leiten. „Dementsprechend braucht ein Unternehmen mit circa 6.600 Mitarbeitern Ehrlichkeit, Transparenz und Begeisterung, um neue Richtungen einzuschlagen. Und diese Tugenden müssen auch von der Chefetage vorgelebt werden.“ Denn Bereits jetzt bestreiten die GROB-WERKE 40 Prozent ihres Umsatzes mit der Anlagenherstellung für die Produktion von Elektromotoren.

Neue Spielregeln

Eine große Veränderung des Alltags mussten Pflegedienste auf sich nehmen, wie Dr. Ulrich Krantz, Vorsitzender des Vorstandes des Familienunternehmens K & S – Dr. Krantz Sozialbau und Betreuung, berichtet. Da Senioren zu den gefährdeten Personengruppen gehören, mussten besondere Sicherheitsvorkehrungen her. „Für viele Bereiche werden ganz neue Spielregeln festgelegt. Dass jedes Bundesland eigene, teils sehr unterschiedliche Hygienevorschriften aufweist, erschwerte die Situation.“ Bei einem Unternehmen mit bundesweit 50 Standorten ist die Umsetzung eine Mammutaufgabe. Für Krantz ist in der Krise die richtige Kommunikation eine zentrale Führungsqualität: „In dieser Situation braucht man gute Moderationsfähigkeiten, um Entscheidungen der Politik aufzunehmen, zu bewerten, an seine Mitarbeiter weiterzugeben und umzusetzen.“

Außerdem braucht es Innovation in der Pflegedienst-Branche schon durch die veränderten Bedürfnisse der Bewohner. War beispielsweise vor zehn Jahren die Bereitstellung von W-LAN keine Selbstverständlichkeit, ist dies heute Standard in jedem Pflegeheim. Der Einsatz von Robotik steht Krantz jedoch skeptisch gegenüber: „Vielleicht als unterstützendes Element, aber die menschliche Komponente ist und bleibt ein essenzieller Teil eines Pflegeheims.“

16.09.2020    Manuel Kunst
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