Gezeichnete Illustration zum Thema Open Source: Eine Frau sitzt am Schreibtisch und aus dem Bildschirm ragt ein Roboter hervor.
03.05.2024    Christian Buchholz
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Open Source ist ein wesentlicher Baustein von immer mehr Unternehmensstrategien. Davon profitiert auch Red Hat, eine amerikanische Softwarefirma und ein weltweit führender Anbieter von solchen IT-Lösungen für Unternehmen. Warum nicht nur kleine und mittelständische Unternehmen von Offenheit und Kollaboration profitieren, dadurch flexibler sowie agiler werden, erklären Dinko Eror, Vice President EMEA Central Region bei Red Hat, sowie sein Kollege Gregor von Jagow, Country Manager Deutschland, im Interview.

Open Source bezeichnet die Philosophie und Praxis in der Softwareentwicklung, bei der der Softwarequellcode frei zugänglich ist und von einer Gemeinschaft von Programmierern gemeinsam weiterentwickelt werden kann.

Im Gegensatz zu proprietärer Software, deren Nutzung und Weiterverbreitung durch einen Anbieter stark eingeschränkt ist und die kommerziell vertrieben wird, ermöglicht Open Source eine transparente Zusammenarbeit. Dadurch fördert sie Innovationen.

Diese offene Herangehensweise hat sowohl technologische als auch wirtschaftliche Auswirkungen, da Unternehmen von der gemeinsamen Entwicklung profitieren und auf stabile, flexible Lösungen zugreifen können, ohne an einzelne Anbieter gebunden zu sein.

Zur Person

Portraitfoto Dinko Eror Red Hat

Dinko Eror

ist Vice President EMEA Central Re­gion bei Red Hat. In dieser Position entwickelt er langfristige EMEA Wachstumsstrate­gien für das Unternehmen

Zur Person

Portraitfoto Gregow von Jagow von Red Hat

Gregor von Jagow

ist Senior Director und Country Manager Deutschland bei Red Hat. Er hat umfassende Software- und Vertriebserfahrung

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Wie hat sich die Bedeutung von Open Source in den Unternehmensstrategien in den vergangenen Jahren verändert?

Dinko Eror: Open Source bietet die Chance zur Zusammenarbeit von unglaublich vielen Menschen. Keine Gemeinde in Deutschland, kein Mittelständler und auch nicht die großen Unternehmen können den Digitalisierungsprozess selbst bewerkstelligen.

Da der Bedarf an Digitalisierung extrem wächst, wird es immer schwieriger, ausreichend qualifizierte Menschen zu finden, die das organisieren. Bei Red Hat glauben wir deshalb an die Idee der Kollaboration. Wir sehen bereits eine deutliche Entwicklung hin zur sogenannten Plattformökonomie – zum Beispiel in der Automobilindustrie, im Gesundheitswesen oder in der Finanzbranche. Weitere Bereiche werden und müssen folgen.

Wie kann Open Source Unternehmen dabei helfen, flexibler und agiler zu sein?

Eror: Wir glauben, dass Software die Sonne der modernen Gesellschaft ist. Aber wir glauben noch mehr an eine offene Kultur, daran, dass Wissensprozesse digitalisiert werden können und die Kultur der Mitarbeitenden abgebildet werden kann.

Bei Open Source und dem damit verbundenen Open Decision Framework geht es darum, dass die beste Idee gewinnt. Ich glaube, die Menschen sind smart genug, um diese auch zu erkennen. Sollte das nicht gelingen, wird abgestimmt. Führungskräfte haben dann die Aufgabe, die Diskussion zu steuern, Ideen reinzubringen, die das Unternehmen nach vorn bringen. Aber wir können die Diskussionsplattform auf keinen Fall ausblenden. Das ist genau das, was Open Source ausmacht.

Gregor von Jagow: Durch die aktuellen Krisen müssen sich Unternehmen auf viele neue Rahmenparameter einstellen. Gleichzeitig sind sie gezwungen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, weil sich der Bedarf am Markt verändert. Deshalb ist das Thema Innovationskraft auch so wichtig, und es erfordert, dass sich jedes Unternehmen mit der Transformation auseinandersetzt, um weiter wettbewerbsfähig zu sein. Dabei kann der Open-Source-Ansatz definitiv helfen.

Wie finden kleine und mittlere Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung die Open-Source-Tools, die zu ihnen passen und ihnen helfen?

von Jagow: Jeder Mittelständler kann jetzt schon auf die Open-Source-Community zurückgreifen, die Produkte gibt es ja mit einem freien Quellcode. Jeder kann sich also das zusammenstellen, was er braucht. Die Schwierigkeit ist allerdings, das im produktiven Geschäftsbetrieb zu managen und sicherzustellen, dass das Geschäft weiterläuft.

Genau das ist die Aufgabe und der Service von Red Hat. Wir haben auf Basis unserer Erfahrungen, die wir in Zusammenarbeit mit Großkunden und mittelständischen Unternehmen gesammelt haben, ein gutes Verständnis dafür entwickelt, welche Lösung für welches Unternehmen optimal passt. Wir integrieren dann unterschiedliche Projekte, schließen diese zusammen, erweitern sie und haben am Ende ein Paket, das „Enterprise Ready“ und für unsere Kunden einsetzbar ist.

In Zeiten von Cyberangriffen stellt sich die Frage: Wie sicher ist Open-Source-Software in Unternehmensumgebungen?

Eror: Früher hat man sich gefragt: Wenn der Code offen einsehbar ist, ist er dann auch sicher? Das hat sich längst komplett in die andere Richtung gedreht. Weil bei Open-Source-Lösungen länder-, kultur- und unternehmensübergreifende Software entwickelt wird, wird der Code auch auf Herz und Nieren geprüft. Dadurch entsteht ein Level an Sicherheit, das ein alleinstehendes Unternehmen bei der Softwareentwicklung gar nicht gewährleisten könnte – ein echter Vorteil.

Welche Bedeutung hat Künstliche Intelligenz für die Zukunft von Red Hat?

Eror: Basierend auf unseren Linux-Lösungen, die KI viel schneller und besser machen, haben wir ein neues Geschäftsmodell entwickelt. Im Mai 2023 haben wir bereits eine Open-Source-Plattform für Künstliche Intelligenz eingerichtet. Damit sind wir Vorreiter.

Welche anderen Technologietrends bestimmen neben KI die Open-Source-Community?

von Jagow: Wir sehen eine Entwicklung hin zu Low Code und No Code. Früher brauchten Unternehmer Vollblutingenieure und Programmierer, die Softwarelösungen auf sehr proprietären Systemen und nur für ein spezielles System entwickelt haben. Das ist mit dem Ansatz des Cloud-Native Developments anders.

Hier wird Software agil in der Cloud entwickelt. Dabei muss noch nicht relevant sein, für welches Ziel sie bestimmt ist. Mit Low Code und No Code können Menschen, die dichter am Unternehmen dran sind, direkt mit in den Entwicklungsprozess eingreifen. Durch die Verschmelzung von Development, Security und Operations sehen wir viele Veränderungen. Dort sind wir auch mit unserer Plattform stark unterwegs.

03.05.2024    Christian Buchholz
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