Animation von Menschen auf einer digitalen Oberfläche.
04.07.2022    Christian Buchholz
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Daimler Benz, Lufthansa, Continental, Deutsche Telekom: Die beruflichen Stationen von Thomas Sattelberger sind beeindruckend. Ab Mitte der 1970er-Jahre gehörte er zu den bekanntesten und umtriebigsten Managern in der deutschen Industrie. Dann wechselte er in die Politik. Seit 2015 ist er Mitglied der FDP; seit 2017 sitzt der Wahl-Münchner im Bundestag und macht sich für die Themen Digitalisierung, Technologie und Chancengleichheit stark. Seit Dezember 2021 ist er parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesbildungsministerin sowie Beauftragter für Transfer und Ausgründungen aus der Wissenschaft.

Trotz seiner 73 Jahre kennt er sich mit Spitzentechnologie und der Start-up-Szene so gut aus wie wohl kaum jemand sonst im politischen Berlin. Sattelberger glaubt daran, dass die „Deep Tech Hidden Champions“ als erfolgreiches Geschäftsmodell 2.0 für Deutschland taugen.

Zur Person

Porträt von Thomas Sattelberger.

Thomas Sattelberger

sitzt für die FDP im Bundestag und ist parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium

Warum sollten sich Politik und Wirtschaft stärker auf das Thema Deep Tech konzentrieren?

Thomas Sattelberger: Ich komme aus der Welt des Maschinenbaus und weiß daher: In Deutschland können wir Maschinen – und wir können zunehmend auch Daten. Das heißt, wir können eigentlich cyberphysische Systeme. Das ist eine wichtige Chance, denn es gibt wenige Länder auf der Welt, die beides können – sowohl Maschinen als auch Daten. Aber: Derzeit nutzen wir die ganzen Daten kaum oder viel zu wenig.

Welches Potenzial birgt Deep Tech für den Wirtschaftsstandort Deutschland?

Sattelberger: Mit Deep Tech kann Deutschland in der Welt wieder wettbewerbsfähig werden, anstatt nur eine verlängerte Werkbank zu sein. In Deutschland ist der Mittelstand ein wesentlicher Motor für unsere Wirtschaft. In der neuen Generation sehe ich das Potenzial für viele „Deep Tech Hidden Champions“. Natürlich freue ich mich über millionen- und milliardenschwere Unternehmen. Aber der strategische Fokus müsste auf den „Deep Tech Hidden Champions“ liegen, um die Wertschöpfung in der Breite auch in Zukunft abzusichern.

Welche technologischen Chancen bieten sich durch Deep Tech?

Sattelberger: Eine große Chance besteht darin, dass wir Militärtechnologie und zivile Technologie wieder zusammen denken können – also den Dual-Use. Denn das hat für mich zutiefst mit Deep Tech zu tun. Ich war mal fünf Jahre bei Daimler Benz Aerospace beschäftigt. Nichts, was wir dort entwickelt haben, war nicht sowohl zivile als auch militärische Spitzentechnologie. Zwischenzeitlich änderte sich das. Aber durch den Krieg in der Ukraine überdenken wir unseren naiven Pazifismus wieder.

Sie setzen sich für einen schnelleren Transfer von Forschungsinnnovationen zu Geschäftsideen für die Wirtschaft ein. Wie wollen Sie das erreichen?

Sattelberger: Anders als zum Beispiel in den USA sind europäische Transferstellen noch zu wenig professionalisiert. Die Politik ist gefordert, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Wir wollen deshalb Ende des Jahres die „Deutsche Agentur für Transfer und Innovation“ gründen, die regionale Innovationsökosysteme mit angewandter Forschung stärken soll. Im Fokus stehen Hochschulen mit hoher Anwendungsorientierung.

04.07.2022    Christian Buchholz
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