Grüne Technologie: Eine technische Skizze von Windrädern
04.05.2021    Martin Hintze
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CEO TALK: #WePowerment

Green Tech: Deutschland im Dornröschenschlaf

Spätestens seit dem Beschluss des Green Deals der EU steht fest: Die Unternehmen müssen ihren Fokus auf den Klimaschutz legen. In Teil zwei des „CEO Talks: #WePowerment“ sind sich Experten einig: Green Tech made in Germany könnte der nächste Exportschlager werden. Doch der Weg ist noch weit.

Das Ziel ist gesetzt: Bis 2030 will die EU die CO2-Emissionen um mehr als die Hälfte reduzieren. Im Jahr 2050 soll dann die Klimaneutralität erreicht sein. So sieht es der Green Deal vor, auf den sich das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten nach zähem Ringen geeinigt haben. „Über die Details kann man streiten. Wichtiger ist, dass der Green Deal die Richtung und ein ambitioniertes Ziel vorgibt“, sagt Fabian Kienbaum, CEO der Beratung Kienbaum Consultants International und Host des „CEO Talks: #WePowerment“.

In der Coronakrise hätten Verbraucher und Unternehmer ihr Handeln kritisch hinterfragt, so Kienbaum. „Wir erleben gerade einen epochalen Wandel: Weg vom Finanzkapitalismus hin zum Impact-Kapitalismus.“ Der Grundgedanke, nicht mehr nur nach Profitmaximierung zu streben, sondern Umwelt und Gesellschaft als wesentliche Stakeholder zu begreifen, habe sich inzwischen manifestiert.

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Diese Neuausrichtung von Unternehmen fordern auch Investoren ein. „In Green Tech, also umweltfreundliche Technologien, fließen exorbitante Summen. Bei Investoren herrscht ein extremer Druck, sich an ESG-Kriterien zu orientieren“, stellt der Kienbaum-Chef fest. Diese Abkürzung steht mit „E“ für Environment, also Umwelt, „S“ für Social, also das Soziale und „G“ für Governance, die Prinzipien der guten Unternehmensführung.

Am „CEO TALK: #WePowerment“ von Kienbaum und DUP UNTERNEHMER nahmen teil:

Host: Fabian Kienbaum, CEO, Kienbaum Consultants International

Moderation: Fanny Rosenberg, verantwortliche Redakteurin Video-Journalismus, DUP UNTERNEHMER-Magazin

„Green Tech made in Germany” hat nach Meinung des Unternehmensberaters gute Chancen, der nächste Exportschlager zu werden. Doch dafür müssen viele Unternehmen noch einen weiten Weg beschreiten. Für die Wirtschaft geht es Schlag auf Schlag: „Auf die Coronapandemie folgt direkt das Thema Nachhaltigkeit“, sagt Bettina Rotermund von Siemens Advanta, eine Siemens-Tochter, die sich auf Beratung von Unternehmen in Bereichen wie dem Internet der Dinge und Industrie 4.0 spezialisiert hat.

Ausgaben für Nachhaltigkeit zahlen sich schnell aus

Die Digitalisierung von Prozessen in Unternehmen ist eine Voraussetzung um nachhaltiger zu wirtschaften. Doch es gebe große Unterschiede zwischen einzelnen Branchen, analysiert die Expertin. So hat beispielsweise die Medizintechnik einen enormen Sprung nach vorn getan, während die Finanzbranche noch in vielen Bereichen mit sich hadert. „Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck“, sagt Rotermund. „Viele Unternehmen wissen jedoch nicht, wo sie anfangen sollen.“

Es brauche mehr Aufklärungsarbeit, denn Nachhaltigkeit und Geschäftserfolg schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: „Das Investment für Nachhaltigkeit amortisiert sich mit Einsparungen ziemlich schnell“, sagt Rotermund. Im „Fach Digitalisierung“ würde sie Deutschland nur die Schulnote 3 geben. „Deutschland wacht viel zu langsam auf. Ich würde mir mehr Initiative von der Bundesregierung wünschen. Viele Mittelständler können und wollen nicht mehr warten.“

Streaming-Dienst DAZN kündigt Nachhaltigkeitskonzept an

Junge Unternehmen, die nicht erst alte Strukturen aufbrechen müssen, haben es da leichter. Besonders, wenn sie bereits ein digitales Produkt anbieten. Zu ihnen gehört auch DAZN. Beim Sport-Streaming-Dienst spielt das Thema Nachhaltigkeit eine zunehmend wichtige Rolle. „Unternehmen werden Vorteile verpassen, wenn sie nicht nachhaltig agieren“, sagt Thomas de Buhr, der die Geschäfte von DAZN in Deutschland, Österreich und der Schweiz leitet. „Ein Fußballclub, der sich nachhaltig aufstellt, gewinnt mehr Partner.“ Auch DAZN würde sich seit mehr als einem Jahr intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und bald Maßnahmen öffentlich machen, kündigt de Buhr an. „Der Verzicht auf Flugreisen, neue Klimaanlagen oder Videokonferenzen: auch mit kleinen Dingen kann jeder Unternehmer zum Klimaschutz beitragen“, sagt der DAZN-Manager.

Der Mittelständler Lindig Fördertechnik arbeitet ebenfalls daran, seinen CO2-Ausstoß zu ermitteln und einen Fahrplan zur Senkung der Emissionen aufzustellen. Neben dem Kerngeschäft, dem Handel von Gabelstaplern und Lagertechnik, treibt Gesellschafter Sven Lindig die Entwicklung von Umwelttechnologien voran. Dazu gehören Beteiligungen an Start-ups aus dem Bereich Green Tech – unter anderem aus dem Bereich klimaneutrale Flugzeuge.

Eine Frage der Unternehmenskultur

Eine wichtige Voraussetzung für den Wandel der Unternehmen in Richtung Nachhaltigkeit und Digitalisierung ist, dass die Beschäftigten den Wandel mitgestalten können. „Von Begriffen wie ‚Mitarbeiter ins Boot holen‘ halte ich nichts“, sagt Lindig. „Entscheidungen sollten dort getroffen werden, wo die Menschen näher am Problem sind. Der Versuch, eine Unternehmenskultur aktiv zu gestalten ist so sinnvoll, wie Pudding an die Wand zu nageln.“ Kienbaum stimmt dem zu: „Wenn es uns gelingt, die Menschen bestmöglich in Entscheidungen einzubinden und ihnen Verantwortung zu übergeben, werden wir das Transformationsjahrzehnt zu einem goldenen machen.“

04.05.2021    Martin Hintze
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