Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender der Uniklinik Schleswig-Holstein
31.05.2022
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Zur Person

Professor Jens Scholz

Der Anästhesiologe ist seit 2009 Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Zuvor war er am Universitätsklinikum Eppendorf tätig

Was ist aus Ihrer Sicht aktuell die größte Herausforderung in der Universitätsmedizin?

Jens Scholz: Universitätsmedizin – das ist der Dreiklang aus maximaler Krankenversorgung, Forschung und Lehre. Das ist also die Institution, die an den medizinischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – mit dem Anspruch objektiver, überpersönlicher Gültigkeit – forscht und Erkenntnisse direkt ans Krankenbett bringt. Welcher andere Sektor sollte das übernehmen? Eine große gesellschaftliche Chance besteht dann, wenn das Gesundheitssystem die Führungsrolle der Universitätsmedizin erkennt und Organisationsstrukturen darauf anpasst. Die Pandemie hat gezeigt, dass die Unikliniken der Fels in der Brandung sind – sowohl was die Versorgung der Schwerstkranken und die Forschungsleistung als auch die Aufklärung der Öffentlichkeit betrifft.

Was macht künftig konkret den Erfolg Ihrer Klinik aus?

Scholz: Damit der Erfolg des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein nachhaltig bleibt, haben wir zum einen mit unserem baulichen Masterplan die architektonische Grundlage für die medizinische Versorgung der Zukunft geschaffen. Zum anderen ist Precision Medicine die Blaupause für eine höchst individualisierte Diagnostik und Therapie, da sie direkt auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten wird. Drittens ist unsere Digitalisierungsstrategie dabei klinischer und technischer Problemlöser – nicht nur bei medizinischen Fragestellungen, sondern auch zur Entlastung unseres Personals von Routinetätigkeiten. Und zuletzt arbeiten wir parallel an unserem Selbstverständnis – etwa mit unserem Projekt „Shared Decision Making“, damit unsere Patientinnen und Patienten mit uns auf Augenhöhe über ihre Therapie entscheiden können.

Welche Rolle spielen Innovationen in der Universitätsmedizin?

Scholz: Die Universitätsmedizin ist seit dem 15. Jahrhundert intrinsisch innovativ. Am UKSH versuchen wir uns gerade etwa an künstlichen Gefäßen aus einem Biodrucker zur Therapie bei Verengung von Herzkranzgefäßen. Denn bislang verwendetes körpereigenes Gewebe ist oft nicht ausreichend verfügbar; künstliche Transplantate halten nur zeitlich begrenzt.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrer Klinik?

Scholz: Unsere Patientinnen und Patienten buchen online, per App oder per Self-Check-in ein. Wir nutzen Augmented Reality und Roboternavigation im OP. Wir machen die digitale Visite via Bedside-Terminal, haben eine robotische Apotheke und deutschlandweit die einzige robotische Zentralsterilisation – um nur einige digitale Errungenschaften zu nennen.

Kontinuierlich arbeiten wir an neuen Innovationen, die wir in unserer Ideenschmiede Adrenalin@uksh.deidentifizieren und auch mit externen Partnern wie etwa aus der Medizintechnik verifizieren. Als erstes Krankenhaus haben wir echten 5G-Mobilfunk installiert und starten eine Kampagne mit Vodafone, um herauszufinden, wie wir das in der Krankenversorgung etablieren können. Das wird ein disruptiver Game-Changer.

In welchem Bereich haben Sie den größten Bedarf an Mitarbeitenden?

Scholz: Seit Jahrzehnten besteht europaweit ein katastrophaler Mangel an Pflegekräften – der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Deshalb bilden wir unseren Nachwuchs auf über 1.000 Ausbildungsplätzen selbst aus.

Nennen Sie uns drei Gründe, warum im War for Talents die Besten zu Ihnen kommen sollten.

Scholz: Universitätsmedizin ist High-End in allen Disziplinen – und das UKSH ist im „Focus“-Ranking unter den Top-3-Kliniken bundesweit. Wer will nicht bei den Besten arbeiten?

Welche Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeiterentwicklung und -zufriedenheit treffen Sie?

Scholz: Um nur einige Highlights zu nennen: Maßnahmen, die das UKSH zur Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs unternimmt, sind unter anderem finanzielle Sicherheit durch einen krisensicheren Arbeitsplatz, Entlohnung nach Tarifvertrag der Länder und betriebliche Altersvorsorge. Zudem haben wir in puncto Arbeitszeit in über 85 Kliniken und Instituten mehr als 1.000 individuelle Arbeitszeitmodelle und flexible Beschäftigungsmöglichkeiten. Das startet schon ab 4 Stunden pro Tag. Oder es ist auch nur ein Tag pro Woche möglich. Wir zeigen uns als familienfreundlicher Arbeitgeber durch betriebseigene Kitas und haben ein zertifiziertes betriebliches Gesundheitsmanagement. Dank der UKSH-Akademie mit rund 300innerbetriebliche Fort- und Weiterbildungen – diese absolvieren etwa 3.000 Teilnehmende jährlich – nehmen wir auch die Weiterentwicklung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst.

31.05.2022
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