Porträt von Ulrich Krantz, Vorstandsvorsitzender der K&S Gruppe, einem Inhaber und Betreiber von voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen
18.07.2022    Mark Simon Wolf
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Zur Person

Ulrich Krantz

ist Vorstandsvorsitzender und führt das Familienunternehmen in zweiter Generation. Sein Vater Hans-Georg Krantz hatte K&S Krantz Sozialbau 1981 gegründet und zu einer deutschlandweit agierenden Unternehmensgruppe, der K&S Gruppe, geformt.

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Herr Krantz, Sie betreiben voll- und teilstationäre Pflegeeinrichtungen in Deutschland, wie haben Sie in Ihren Häusern die Coronapandemie erlebt?

Ulrich Krantz: Das Corona-Virus war unserer Game-Changer. Immerhin kann es in unserem Arbeitsbereich bei der Betreuung pflegebedürftiger Menschen seine gefährlichste Wirkung zeigen. Eine große Herausforderung war und ist es, den Dauerbetrieb all unserer Standorte mit größtmöglichem Schutz für die Bewohnenden und Mitarbeitenden bei hoher Pflegequalität aufrecht zu erhalten. Das macht moderne Pflege aus. Hinzu kam, dass wir uns immer wieder neu auf bundesweit uneinheitliche, wechselnde gesetzliche Bestimmungen einstellen mussten. Beides erfordert bis heute hohe Fachkompetenz, wirklich gute Nerven und eine unermüdliche Bereitschaft, unabhängig von Hierarchien und Ressorts auf Augenhöhe lösungsorientiert zu kommunizieren. Dies haben wir in den zurückliegenden zwei Jahren sehr gut gemeistert und wird unsere Zusammenarbeit auch nach Corona weiterhin prägen.

Mit welcher Strategie gelingt es Ihnen, zukunftsfähig zu bleiben und moderne Pflege anzubieten?

Krantz: „Bäume, die nur langsam wachsen, tragen die besten Früchte.“ Dieses Zitat von Moliere passt zu unserer Haltung, mit der wir K&S als Familienunternehmen weiterhin erfolgreich in die Zukunft führen. Wir wachsen verantwortungsvoll und gestalten und betreiben zusammen mit unseren Tochterunternehmen nahezu alle Projekte aus einer Hand. Wir setzen auf moderne Pflege Dies sichert uns einen hohen Erfahrungsschatz und zugleich eine beständige Lernkurve. Ebenso bedeutend aber ist der eingangs erwähnte Umgang miteinander, die Qualität einer vertrauensvollen, respektvollen Kommunikation. Die Qualität der Kommunikation ist ein sehr entscheidendes Argument, junge Führungskräfte für K&S zu begeistern.

Ihre Einrichtungen sind in ganz Deutschland verteilt, wie bündeln Sie die Kompetenzen Ihrer Mitarbeitenden, sodass sich eine konsistente Management-Strategie ergibt?

Krantz: Die Innovationskraft entwickelt sich bei uns aus gezieltem Management, aber punktuell auch aus dem Zufall. Über das betriebliche Vorschlagswesen reichen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zahlreiche Einfälle und Hinweise ein, die oftmals über kleine Stellschrauben und Hebel in der Praxis eine große Wirkung erzielen. Dies vor allem im Hinblick auf zeit- und kosteneffiziente Arbeitsabläufe effizient. Hauptsächlich aber entwickeln sich innovative Neuerungen durch die systematische Auswertung der mit unseren Tochterunternehmen umgesetzten Projekte. Auf die Frage, welche Raumanordnung und Gestaltung unseren Mitarbeitenden unnötige Laufwege und Arbeitsschritte ersparen, um mehr Zeit für die Pflege zu haben, finden wir im Detail immer wieder eine noch bessere Antwort. So arbeiten wir in einigen Häusern mit einem innovativen Notrufsystem, das über ein akustisch ausgelöstes Rufsignal eine bedarfsgerechte und zielgerichtete Versorgung der Bewohner ermöglicht, ohne sie unnötig zu stören. Diese Neuerung hat auch die Jury des Deutschen Exzellenzpreises überzeugt und uns für die Implementierung des Systems ausgezeichnet.

Für interne Effizienz spielt auch die Digitalisierung in der Pflege eine herausragende Rolle, wie digital ist Ihr Unternehmen?

Krantz: Bei K&S haben wir bereits vor vielen Jahren komplett auf die digitale Pflegedokumentation umgestellt und arbeiten zudem unternehmensweit über eine eigene Cloud. Wie vielerorts hat auch bei uns die Pandemie den Einsatz weiterer digitaler Arbeitsmittel enorm gefördert. Speziell in unser Firmenzentrale haben wir ermöglicht, dass unsere Mitarbeitenden auch langfristig zwischen Homeoffice und Präsenztagen wählen können. In dem für 2023 geplanten Erweiterungsbau an unserem Hauptsitz werden wir diesen Weg konsequent weitergehen, indem wir hybride Arbeitsplätze installieren.

Sie sprachen vorhin „junge Führungskräfte“ an. Warum sollten die besten Talente ausgerechnet zu Ihnen kommen?

Krantz: Die drei Gründe lauten: Familiensinn mit großer Hilfsbereitschaft und Kollegialität, Verlässlichkeit mit transparenter Führungskultur und ein solides wirtschaftliches Fundament. Und wenn das jetzt doch recht old-fashioned klingt, dann sind wir das in diesem Sinne auch: Wir halten uns tatsächlich an unsere Versprechen.

Wie sehen die entsprechenden Recruiting-Maßnahmen aus, um gute Leute von Ihrem Unternehmen zu überzeugen?

Krantz: Aus unserer Sicht und auch Erfahrung gibt es nicht die eine ultimative Maßnahme, die zum Erfolg führt. Vor allem nicht in unserer Branche, da wir ein großes Mitbewerberfeld um qualifizierte und empathische Pflegekräfte haben. Um loyale Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, setzen wir nicht auf eine Kampagne mit Paukenschlag und Abwerbeprämien. Wir agieren nach innen und außen mit hoher Transparenz, sichern faire, verlässliche Arbeitsbedingungen zu, eine auf Respekt und Vertrauen basierende Zusammenarbeit und Kommunikation. Diese Haltung leben wir auch in den Führungsteams vor. Damit bleiben wir als Familienunternehmen nahbar und authentisch. Und das nun ist ein echter USP mit verhältnismäßig wenig Konkurrenz in unserer Branche.

An welchen Parametern messen Sie die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeitenden und wie äußert sich das von Ihnen angesprochene Teamwork in der Praxis?

Krantz: Ní neart go cur le chéile. Dieses irische Zitat besagt, dass es keine Stärke ohne Zusammenhalt gibt. Wir tragen mit vielen kleinen und großen Maßnahmen dazu bei, den Zusammenhalt im Team kontinuierlich zu fördern: über Veranstaltungen, digitale Angebote, Teamwettbewerbe und Teamprämien. Ob wir damit auch richtigliegen, lassen wir kontinuierlich über unabhängige, strukturierte Mitarbeiterbefragungen zum Beispiel im bundesweiten Wettbewerb des „Great place to work“ überprüfen. Hier haben unsere teilnehmenden Häuser regelmäßig sehr gut abgeschnitten und wurden dafür ausgezeichnet.

18.07.2022    Mark Simon Wolf
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