Illustration von drei Menschen die buchstäblich gegen die Zeit laufen
21.07.2021    Fabian J. Fischer
  • Drucken

Kolumne von Fabian J. Fischer, CEO von Etribes

Corporate Incubation: Wie es funktioniert und für wen es geeignet ist

Corporate Incubation – also firmeninterne Inkubatoren – können, richtig eingesetzt, als Lebensversicherungen dienen. Was dahinter steckt und wie sie auf den Unternehmenserfolg einzahlen.

Die Lebenserwartung von Unternehmen ist heute heute kürzer als früher. Das zeigte bereits die Untersuchung des Yale-Professors Richard Foster vor zehn Jahren: Während in den 1920er-Jahren die Lebensdauer von Unternehmen, die im Aktienindex S&P 500 gelistet waren, noch bei 67 Jahren lag, waren es zu Beginn dieses Jahrhunderts nur noch 15 Jahre.

Wer heute ein Unternehmen führt, darf sich daher niemals auf den Erfolgen  ausruhen, sondern muss sich die Frage stellen: Wie können mein Unternehmen und ich besser werden? Nur so lässt sich die langfristige Existenz des Unternehmens sichern – und Corporate Incubation kann dabei als Lebensversicherung fungieren.

Kasten für die Kolumne von Fabian Fischer

Corporate Incubation sorgt schnell für neue Ideen

Corporate Incubation (zu deutsch: firmeninterne Inkubatoren) sind Einheiten in Unternehmen, in denen an neuen Ideen und Geschäftsmodellen getüftelt wird. Beispiel Kosmetikhersteller: Im Inkubator wird meist nicht an der Rezeptverbesserung einer bestehenden Creme gearbeitet, das machen die Teams in Forschung und Entwicklung. Stattdessen wird in solch einem Inkubator an größeren, ganz neuen Ideen gearbeitet – etwa einer Künstlichen Intelligenz, die das perfekte Make-up auf Basis von einem Selfie identifiziert, oder einen smarten Badezimmerspiegel, über den neue Tuben und Cremes direkt bestellt werden können.

Solch eine Idee wird aber nicht sofort in Serienproduktion gegeben und breit ausgerollt. Stattdessen wird im Inkubator innerhalb eines geschützten Raumes getestet, ob die Idee wirklich in der Zielgruppe ankommt. Dafür werden Prototypen erstellt und mit dem Ansatz des Minimum Viable Product (kurz: MVP) gearbeitet, also auf schmaler Spur zunächst getestet. Stellt sich heraus, dass die Idee solide ist und weiterentwickelt werden sollte, wird sie mehr und mehr perfektioniert und entsprechend finanziell unterstützt.

Mit einem Inkubator entsteht eine Pipeline für Geschäftsmodelle im Unternehmen; ein Ideen-Funnel, der dabei hilft, das Unternehmen sich weiterentwickeln können.

Scheitern gehört zum Modell eines Inkubators

Zur Wahrheit gehört aber auch: Bei weitem nicht alle Ideen, die in einem Inkubator ausprobiert werden, erblicken das Licht der Öffentlichkeit. Zu teuer, zu unpraktikabel, doch nicht passend zum eigentlichen Unternehmen – all das können Gründe sein, warum es bei der Idee und einem Prototypen bleibt. Aber: In jeder Idee steckt auch wieder eine Information, um ein (noch) passenderes Produkt zu entwickeln oder anderweitig positiven Einfluss auf das Kerngeschäft zu haben.

Grundsätzlich sind Inkubatoren in Unternehmen für alle Branchen und Geschäftsmodelle interessant. Denn mit ihnen können sie auf kleiner Flamme ins Risiko gehen und zunächst abwegig erscheinende Ideen in einem geschützten Raum ausprobieren. Der Mut zum Risiko kann sich dann, sollte die Idee in die Serienreife gehen, langfristig für das Unternehmen auszahlen.

Illustration von Fabian Fischer

Fabian J. Fischer ist ein Hamburger Unternehmer, digitaler Vordenker und Investor. Als CEO von Etribes verantwortet er die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens, das mittelständische Unternehmen und Dax-Konzerne bei den Herausforderungen der Digitalisierung berät. Fischer ist ebenso Co-Founder von Picea Capital, einem Evergreen Venture Capital Fund mit Fokus auf Early-Stage-Technologieunternehmen.

Es zeigt sich aber in der Praxis, das gerade Consumer-Brands auf Corporate Incubation setzen: die Telekom etwa, die den hub:raum hat, oder Henkel mit henkel dx. Das liegt daran, dass solch ein Brutkasten für Ideen schnelles Feedback ermöglicht und damit gut in einen dynamischeren Markt passt. Als Zement- oder Chemiehändler mit B2B-Ansatz sind die Sales-Zyklen deutlich länger, es erscheinen weniger häufig neue Produkte auf dem Markt. Schlagen zukünftig die Schnelligkeit und Veränderungen der digitalen Wirtschaft vermehrt auch auf den B2B-Markt durch, könnten Inkubatoren auch in diesem Bereich häufiger zum Standard werden.

Für wen Corporate Incubation geeignet ist

Grundsätzlich sind Corporate Incubators für alle Unternehmen von Bedeutung, die sich in ihrer Branche mit Herausforderungen konfrontiert sehen und eine gewisse Größe haben. Denn zwar mögen auch kleinere Unternehmen einen Innovationsdruck in einem transformierenden Umfeld spüren, aber kleinere Firmen sich meist so agil, dass Innovationen im Prozess entstehen können und sie keine besondere Einheit brauchen.

Vom Agrar-Großhändler bis Zangenhersteller sind Inkubatoren jedoch eine gute Möglichkeit, um das Business kontinuierlich weiterzuentwickeln und etwa auch auf Trends wie Direct-to-Consumer – also den direkten Produktvertrieb an Kundinnen und Kunden ohne Zwischenhändler – zu reagieren.

Natürlich gilt auch hier: Ein Inkubator macht noch kein Dax-Unternehmen, genauso wie eine Digital Unit noch nicht für digitale Transformation sorgt. Es gibt im Unternehmen im Idealfall eine ausgewogene Mischung aus bestehenden Marken, die Schritt für Schritt transformiert werden, und neuen Geschäftsmodellen, die intern entwickelt oder auch extern hinzugekauft werden. All das gibt noch immer keine Garantie für ein langes Unternehmensleben; aber es lässt zumindest die Chance steigen, länger als der Durchschnitt erfolgreich zu sein.

Kolumnen, Kommentare und Gastbeiträge auf DUP-magazin.de geben ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
21.07.2021    Fabian J. Fischer
  • Drucken
Zur Startseite