Porträt von Xaver Lehmann, Gründer von e-bot7
16.05.2022    Mark Simon Wolf
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Zur Person

Xaver Lehmann

ist CEO und Mitgründer von e-bot7 und für den Bereich Strategie & Finanzen verantwortlich. Er hat einen Master of Science in Finance, steht auf der Liste Forbes 30 unter 30, ist Mentor am Founder Institute im Silicon Valley und war bereits für die Berenberg Bank im Investment Banking sowie für die Beratung PwC tätig

Wie funktioniert das Geschäftsmodell von e-bot7 konkret?

Xaver Lehmann: Wir automatisieren den Kundenservice mithilfe von Künstlicher Intelligenz – in jeder Sprache, auf jedem Kanal und in jedem Anwendungsfall. KI unterstützt dabei unsere Mitarbeitenden, wodurch die Arbeit deutlich kosteneffizienter wird. Technisch basiert das e-bot7-System auf komplexen Natural-Language-Processing-Algorithmen – kurz: NLP –, welche die natürliche Sprache maschinell verarbeiten. Das NLP wird während des operativen Einsatzes ständig optimiert und lernt aus bestehenden Transkripten der Kundenkommunikation. Zwischen Maschine und Mensch entsteht auf Basis der Sprache somit eine symbiotische Schnittstelle. So wird sichergestellt, dass keine falschen Antworten an Kunden gesendet werden.

Wie sind Sie auf diese Businessidee gekommen? Sie bewegen sich damit ja doch eher in einer Nische...

Lehmann: Im Jahr 2015 hingen mein Mitgründer Fabian Beringer und ich über 40 Minuten in einer Warteschleife am Telefon fest. Ab diesem Zeitpunkt wurde uns klar, dass wir eine Lösung entwickeln möchten, die Warteschleifen und langen E-Mail-Verkehr mit Unternehmen überflüssig macht. Daraufhin haben wir gemeinsam mit Maximilian Gerer e-bot7 gegründet.

Wie hat sich das Unternehmen seitdem entwickelt?

Lehmann: Das Unternehmen wächst kontinuierlich. Der Umsatz von e-bot7 hat sich in den vergangenen drei Jahren jeweils um 200 bis 300 Prozent gesteigert. Aktuell haben wir einen hohen siebenstelligen Umsatz. Die Coronapandemie war mit all ihren Herausforderungen innerhalb vieler Unternehmen ein großer Treiber für Innovation und Digitalisierung.

Ein Beispiel dafür ist die Tourismus- und Reisebranche. Nach der zunächst endemischen und schließlich pandemischen Lage seit Ende 2019 standen gerade Fluggesellschaften und Reiseanbieter vor einer Flut von Anfragen zu Stornierungen, Umbuchungen und Kundenbeschwerden. Diese Art des Kundenservices kann über KI-basierte Chatbots automatisiert werden. Dieses Potenzial des Systems der Conversational KI haben mittlerweile zahlreiche weitere Unternehmen erkannt und in ihre Kundenkommunikation implementiert.

Wie gewährleisten Sie, dass der Kundenservice trotz dieser Automatisierung auf individuelle Wünsche mit einer zufriedenstellenden Antwort eingeht?

Lehmann: Unser Produkt ist dazu entworfen worden, den Kundenservice zu revolutionieren. Man könnte folglich sagen, dass sich bei e-bot7 alles um Service dreht. Wir selbst sind ein Software-as-a-Service-Unternehmen und unser großes Ziel ist es, eine herausragende Kundenerfahrung zu bieten. Das Hybridmodell Agent plus AI – also Mensch und KI – gewährleistet die Qualität der Antworten. Dank der Analysen unserer Datenwissenschaftler gelingt es uns, unsere Modelle auf dem aktuellen Stand zu halten und jedem unserer Kunden gleichzeitig eine umfassende, maßgeschneiderte Lösung anzubieten. Darüber hinaus ist unsere Technologie sehr einfach zu bedienen.

Holen Sie sich auch direktes Feedback von Ihren Kunden ein?

Lehmann: Wir pflegen enge Beziehungen zu unseren Kunden und suchen den regelmäßigen Austausch. Nur so können wir garantieren, dass unsere Produkte ihr volles Potenzial entfalten. Dafür nutzen wir verschiedene Kommunikationsformate wie unseren Release-Notes-Newsletter, der die Kunden über neueste Produktupdates informiert. Auch über unseren Customer-Roundtable, ein Networking Event, kommen wir in direkten Kontakt mit unseren Kunden. Dort können wir uns direkt in Panel-Diskussionen und Präsentationen austauschen sowie potenzielle Fragen zu unserer Conversational AI-Lösung klären.

Was sind die Stärken und Schwächen an Ihrem Produkt?

Lehmann: Wir geben unseren Kunden das zurück, was sie mit Geld nicht kaufen können: Zeit. Denn die Zeit unserer Kunden ist kostbar und die Zeit derer Kunden ebenso. Demgegenüber ist unsere größte Herausforderung aktuell, den Begriff Conversational AI weiter zu etablieren und vom Begriff Chatbot, mit dem meist einfache Click-Bots gemeint sind, abzugrenzen.

Wie sieht für Sie als Unternehmen mit digitalem Geschäftsmodell die Zukunft der Arbeit aus?

Lehmann: Homeoffice, virtuelle Meetings und flexible Arbeitszeiten waren bereits vor der Coronapandemie ein fester Bestandteil unserer Arbeitskultur. Wir glauben fest daran, dass Arbeit immer flexibler wird und sich den Lebensumständen der Mitarbeitenden anpasst – und nicht umgekehrt. Daher haben wir bereits vergangenes Jahr das Programm „flexible7“ eingeführt. Damit können unsere Kolleginnen und Kollegen 100 Tage im Jahr aus ganz Europa oder ihrem Heimatland arbeiten – ohne, dass sie dafür Urlaub oder ähnliches einreichen müssen. Um sie auch im Ausland mit einem tollen Arbeitsplatz unterstützen zu können, dürfen sie sich über eine App in Coworking-Spaces in ganz Europa einbuchen; die Kosten dafür trägt e-bot7.

16.05.2022    Mark Simon Wolf
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