18.06.2024    Nadine Schmidt
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Wirtschaft ist mehr als nur Zahlen und Bilanzen. Wirtschaft ist überall und Teil des Lebens aller. Auch für Kinder. Und die sind neugierig: Wie funktioniert der Umgang mit Menschen, Rohstoffen, der Natur und der Welt? Wer wirtschaftet, der findet sich in seiner Umwelt zurecht, kann mit anderen handeln und planen, das eigene Leben gestalten und Neues entdecken.

Ökonomie für junge Köpfe

Die Geschichten sind alltagsnah: vom Schulhof und Sportplatz, von Freunden oder der Familie, über Filme und Spielekonsolen, von Haustieren und dem neuen Paar Sneaker, von Risiken und von Chancen. Kinder entdecken im Magazin, wie alles zusammenhängt. Warum der Lohn der Näherin in Vietnam mit einem Kassenzettel in Deutschland in Verbindung steht. Wie die Hilfe für die Nachbarn zum ersten selbst verdienten Geld führt. Oder was ein aus Würfeln bestehendes Browser-Game mit politischen Entscheidungsprozessen in Entwicklungsländern zu tun hat. All das und vieles mehr erfahren die jungen Leserinnen und Leser im ersten Wirtschaftsmagazin für Kinder.

Entdecken, lesen und begeistern

Das Heft ist eine gemeinsame Publikation von Brand eins und dem Carlsen Verlag. Die beiden Medienhäuser möchten Schülerinnen und Schüler für Wirtschaft begeistern, sie zum Entdecken und Ausprobieren anregen und ihnen spielerisch komplexe Zusammenhänge erklären. Alle zwei Monate gibt es eine neue Ausgabe mit einem anderen Themenschwerpunkt und immer alltagsnah. Wie es zu der Idee kam und wie die jungen Köpfe mit dem Magazin erreicht werden, erzählt Co-Chefredakteur Guido Neuhaus im Interview.

Guido Neuhaus

ist Co-Chefredakteur des „weil.“-Magazins zusammen mit Susanne Risch (brand eins). Er bringt eigene Wirtschaftskompetenz mit – eine Banklehre und ein klassisches Politik und VWL-Studium sowie einen Master in General Management

"Wir begeistern fürs Machen"

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Warum brauchen Kinder ein Wirtschaftsmagazin?

Guido Neuhaus: Wenn sich Kinder in der vierten, fünften oder sechsten Klasse mit Themen wie „Mutig sein und machen“, „Neugierig sein und ausprobieren“ oder „Scheitern und trotzdem weitermachen“ auseinandersetzen, hat das einen Einfluss auf die persönliche Entwicklung. Einen Einfluss, der den Blick auf die Welt öffnet und auf das eigene Können und Wollen richtet. Das erachten wir als sinnvoll. Darum machen wir das „weil.“-Magazin.

Welche pädagogischen Ansätze verfolgen Sie, um sicherzustellen, dass die Kinder wirtschaftliche Konzepte verstehen?

Neuhaus: „weil.“ ist kein pädagogisches Magazin. Wir unterhalten die Kids. Wir erzählen Geschichten über Menschen, die etwas unternehmen und anpacken oder etwas Außergewöhnliches gemacht haben. Und wir beschreiben komplizierte Zusammenhänge so, dass Kinder sie verstehen. Vielleicht nicht immer bis ins letzte Detail, aber immer so, dass die Grundidee dahinter klar wird. Diese Mischung aus altersgerechter Aufbereitung von Sachthemen und dem Erzählen unternehmerischer Geschichten – das ist unser Ansatz.

Inwiefern trägt ein Wirtschaftsmagazin für Kinder dazu bei, das Bewusstsein für unternehmerische Werte und die Bedeutung von Wirtschaft in der Gesellschaft zu fördern?

Neuhaus: So wie auch Gespräche mit den Eltern am Esstisch, mit Lehrern im Klassenzimmer oder mit Freunden beim Tauschen von Trading-Cards dazu beitragen: zwar nebenbei, aber doch nachhaltig prägend. Wer eine inspirierende Geschichte über die Organisation einer Kinderstadt liest oder über das Scheitern und Sichnicht- unterkriegen-Lassen oder über nachhaltige Produktion in der Textilindustrie, nimmt aus den Geschichten etwas mit. Für sich und für sein späteres Wirken.

Ihre Hauptzielgruppe geht in die Grundschule. Und Wirtschaft – das klingt für Kinder doch bestimmt langweilig, nach Zahlen und so. Aus Ihrer Sicht: Wie müssen Themen, Texte und Seiten gestaltet sein, damit Kinder beim Lesen nicht aussteigen?

Neuhaus: Unsere Kernzielgruppe sind Kinder zwischen neun und elf Jahren. Das Bewusstsein für Wirtschaftsthemen wie etwa Geld zeigt sich in der Regel ab der vierten Klasse. Die Kunst, Wirtschaft für diese Altersgruppe attraktiv zu machen, besteht darin, die Themen in die Welt der. Kinder zu überführen. Was hat beispielsweise „Star Wars“ mit Wirtschaft zu tun, warum ist Content-Creator ein Beruf? Was können wir beim Planen von den Bienen lernen, und wie teuer ist eigentlich ein Haustier oder ein Hobby wirklich? Wir machen keine Bilanzanalyse oder schauen uns Kurs-Gewinn-Verhältnisse an. Aber wenn wir von Felix (15) erzählen, der in seiner Heimatstadt einen Brötchen-Lieferdienst aufgebaut hat, dann können die Kids damit etwas anfangen und sich identifizieren.

Wie kann ein frühzeitiges Verständnis von wirtschaftlichen Abläufen und Prinzipien dazu beitragen, die Innovationskraft und unternehmerischen Fähigkeiten von Kindern in der Zukunft zu stärken?

Neuhaus: Indem wir auch frühzeitig damit beginnen, das Verständnis dafür aufzubauen. Kinder sind bereits im Grundschulalter unglaublich kreativ, entwickeln ständig neue Ideen und eigene Lösungen. Wir erreichen sehr viel, indem wir ihren Einfallsreichtum wahrnehmen und fördern. Fürs Machen zu begeistern ist dabei genauso wichtig, wie offen mit dem Scheitern umzugehen. Denn wer sich etwas traut, macht auch mal Fehler und lernt daraus eine Menge über das Weiter- und Bessermachen.

18.06.2024    Nadine Schmidt
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