3D-Rendering von der Erde, um die Datenströme kreisen; Symbolbild für ein Business Network
05.07.2023
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Pioniere erklommen über Jahrzehnte einen monumentalen Berg. Sie ebneten mit ihrem Mut und ihren Fähigkeiten die Pfade für andere Bergsteigerinnen und Bergsteiger. Doch mit der Zeit veränderte sich der Berg. Das Wetter wurde immer unberechenbarer, die Pfade der Pioniere wurden unbegehbar. Ein Aufstieg allein war selbst für die besten ihres Handwerks kaum noch möglich und barg ein hohes Absturzrisiko. Doch das Bedürfnis, zum Gipfel zu gelangen, blieb ungebrochen.

So zogen erste Seilschaften los, Gemeinschaften von Bergsteigerinnen und Bergsteigern. Mit vereinter Kraft und geteiltem Wissen bahnten sie sich neue Wege. Selbst unerwartete Abstürze konnten sie in der Gruppe auffangen und ihren Pfad fortsetzen. Gemeinsam bis an die Spitze.

Unternehmen stehen vor Herausforderungen, die sie nicht mehr lösen können

Die Weltwirtschaft ist mit der Globalisierung immer komplexer geworden. Längst haben Unternehmen den Überblick über die unzähligen Abhängigkeiten und Zusammenhänge verloren. Gleichzeitig attestiert die Wissenschaft, dass Phänomene wie Klimakatastrophen und Pandemien in Häufigkeit und Ausmaß zunehmen werden. Das stellt Unternehmen verstärkt vor Herausforderungen, die sie nicht mehr allein lösen können.

Wenn ich mit Unternehmerinnen und Unternehmern in diesem Kontext über ihre dringendsten Herausforderungen spreche, sind es im Kern die folgenden drei:

  1. Das volatile Marktumfeld zwingt Unternehmen, agiler und widerstandsfähiger zu werden. Wer zu lange stillsteht, gefährdet sein Geschäft. Digitalisierung und Vernetzung sind nicht nur ein Wettbewerbsvorteil, sondern überlebenswichtig.
  2. Lineare Lieferketten sind am Limit. Die Zukunft gehört Unternehmen, die ihre Lieferketten mithilfe von intelligenten Technologien in Netzwerken organisieren, Engpässe antizipieren und umgehen können – sogar bevor sie auftreten.
  3. Nachhaltigkeit wird zu einem integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie. Wer sein Geschäftsmodell nicht frühzeitig nachhaltig (um)gestaltet, riskiert mittel- bis langfristig den Unternehmenserfolg.

 

Bei diesen zentralen Herausforderungen handelt es sich nicht nur um Problemstellungen, sondern auch um riesige Chancen, um Treiber des Wandels, die uns eine neue Art des Wirtschaftens ermöglichen.

Mit viel Mut und der Kraft der Technologie können wir nicht nur die Zukunft der Weltwirtschaft neu gestalten, sondern auch die Zukunft künftiger Generationen schützen.

Vom Denken in Silos zum Handeln in Netzwerken

Technologie ist ein zentraler Treiber für Innovation und Wandel. Doch der eigentliche Aufbruch zu etwas Neuem beginnt bei uns Menschen. Unser Wesen ist von Natur aus darauf programmiert, Komplexität zu reduzieren. Über Jahrhunderte haben wir Strategien entwickelt, um aus Chaos Ordnung zu schaffen. So organisieren wir unsere Weltwirtschaft in klar abgrenzbaren Industrien, Unternehmen, Abteilungen und Teams.

Anders ausgedrückt: Wir schaffen beherrschbare Silos. Und genau die stehen bei der Bewältigung der größten Herausforderungen unserer Zeit im Weg. Wir müssen uns fragen: Ist die Art und Weise, wie wir heute wirtschaften, noch rational vor dem Hintergrund, wie sich die Welt verändert?

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch Next.2030.

Wo steht Deutschland im Jahr 2030? Was muss passieren, damit das einstige Wirtschaftswunderland künftig international wettbewerbsfähig bleibt? Und wo lauern Gefahren auf dem Weg ins Übermorgen? 33 Vordenkerinnen und Vordenker aus Wirtschaft, Politik, Sport und Wissenschaft wagen im Buch „Next.2030“ – herausgegeben von der Professorin und Aufsichtsrätin Ann-Kristin Achleitner sowie von Hagen Rickmann, Geschäftsführer bei der Telekom Deutschland – eine Prognose.

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Die Antwort auf diese Frage ist ein klares Nein. Denn globale Herausforderungen wie volatile Märkte, der Klimawandel, die Energiekrise oder unterbrochene Lieferketten brauchen globale Antworten. Kein Land, keine Regierung, keine Gesellschaft und keine Organisation wird die größten Herausforderungen unserer Zeit allein bewältigen können. Doch dazu müssen wir aufhören, in Silos zu denken und vernetzter handeln.

Der Unternehmenserfolg wird in Zukunft davon abhängen, wie gut es Unternehmen gelingt, sich gemeinsam einem Ziel zu verschreiben und sich als ein Teil eines industrieübergreifenden Ökosystems zu verstehen. Denn niemand macht Geschäfte allein. Das bedeutet vor allem, verstärkt mit anderen Unternehmen gemeinsam an Innovationen zu arbeiten. Das bedeutet auch, enger mit Wissenschaft und Politik zusammenzuarbeiten – zum Beispiel, um Standards und verbindliche Regeln zu entwickeln.

Doch auch wenn die Lösung unserer globalen Herausforderungen in der Zusammenarbeit der Weltgemeinschaft liegt, beginnt der erste Schritt mit einer digitalen und ganzheitlichen Transformation in unseren eigenen vier Wänden. Denn wir müssen raus aus unseren Abteilungssilos und gleichzeitig den Grundstein legen, um auch über Unternehmensgrenzen hinweg vernetzter arbeiten zu können.

Geschäftsmodelle verändern – vom analogen Unternehmen zur Intelligent Enterprise

Unternehmen müssen in einem Umfeld navigieren, das sich durch starke Angebots- und Nachfrageschwankungen, dynamisches Kaufverhalten und wachsenden Innovationsdruck auszeichnet. Um hier bestehen zu können, brauchen sie ein erhöhtes Maß an Widerstandsfähigkeit. In diesem Kontext war das Thema digitale Transformation bereits lange auf der To-do-Liste von Managerinnen und Managern. Allerdings stand es oftmals nicht an erster Stelle.

Als die Pandemie ab Ende 2019 über die Welt hereinbrach, änderte sich dieser Umstand schlagartig. Es zeigte sich unmittelbar, dass Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen – zum Beispiel Online-Händler – besser zurechtkommen als analoge Unternehmen. Denn sie konnten ihr Geschäft dynamisch an Nachfragen anpassen, schnell neue Geschäftsmodelle einführen und Prozesse stärker automatisieren.

Unternehmen werden durch das gezielte Sammeln, Auswerten und Nutzen von Daten widerstandsfähiger, indem sie den Überblick darüber behalten, was in ihrem Unternehmen passiert und warum. Ein Großteil ihrer Prozesse ist standardisiert und automatisiert. Das macht sie nicht nur effizienter, sondern auch flexibler und schneller – gerade in Krisenzeiten. Sie können zum Beispiel Lagerbestände in Echtzeit beobachten und bei Nachfrageschwankungen automatisch anpassen. Durch verlässliche Daten und mithilfe Künstlicher Intelligenz sind sie in der Lage, Stimmungen von Kundinnen und Kunden, Partnerinnen und Partnern sowie Mitarbeitenden besser zu verstehen und darauf zu reagieren.

Was zeichnet eine Intelligent Enterprise aus?

Ein intelligentes Unternehmen zeichnet sich einerseits dadurch aus, dass es Nachhaltigkeitskennzahlen im Geschäftsbetrieb sichtbar machen, auf finanzielle, soziale und ökologische Daten zugreifen und entsprechend handeln kann. Andererseits werden durch die Automatisierung von Prozessen Kapazitäten für Menschen freigesetzt, sich vermehrt sinnstiftenden Aufgaben zuzuwenden.

Das Grundprinzip eines intelligenten Unternehmens lautet: Du kannst nicht managen, was du nicht messen kannst. Transparenz durch Daten und deren gezielte Nutzung für strategische Entscheidungen zeichnet die Unternehmen der Zukunft aus. Sie ermöglicht ihnen zudem, kontextbezogen Daten mit anderen Unternehmen in ihrem Ökosystem, entlang ihrer Wertschöpfungskette, auszutauschen. So entsteht ein Business Network, ein Geschäftsnetzwerk, dessen Kraft sich am Beispiel globaler Lieferketten verdeutlichen lässt.

Globale Lieferketten: Vom Flickenteppich zum transparenten Business Network

Die Abhängigkeiten in Geschäftsprozessen sowie von Lieferantinnen und Lieferanten, Partnerinnen und Partnern im Ökosystem eines Unternehmens werden größer und unübersichtlicher. Der weltweit ausgelöste Schiffsstau durch den Unfall der „Ever Given“ im Suezkanal oder der durch den Krieg in der Ukraine verursachte Getreidemangel zeigen, wie durch lokale Ereignisse weltweite Lieferketten zum Erliegen kommen können.

Lieferketten sind die Lebensadern der Weltwirtschaft. Zu Hochzeiten der Pandemie kämpften rund 94 Prozent der Fortune-1.000-Unternehmen mit Lieferkettenproblemen. Infolgedessen musste die Mehrheit der Unternehmen weltweit ihre Wachstumsprognosen herunterfahren. Die unsichere Versorgung mit kritischen Materialien, die schwankende Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen sowie die eingeschränkten Kapazitäten in Produktion und Logistik treiben Unternehmen an ihre Grenzen.

Eines muss uns klar sein: Dies sind keine isolierten Einzelfälle. Neben unvorhersehbaren Unfällen oder geopolitischen Spannungen werden Phänomene wie Klimakatastrophen und Pandemien in Zukunft vermehrt für Lieferkettenausfälle sorgen.

Wir müssen unsere Lieferketten daher dringend mithilfe intelligenter Technologien vernetzter, reaktions- und widerstandsfähiger machen, um unseren wirtschaftlichen Erfolg zu sichern und weiterhin für unsere Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden und unser Ökosystem sorgen zu können. Kurz: Wir müssen die Art und Weise, wie unsere Lieferketten funktionieren, komplett umdenken.

Die Lieferkette als gemeinschaftlicher Marktplatz

Viele Unternehmen bedienen ihre Kundinnen und Kunden noch mit einer linearen, isolierten Wertschöpfungskette. Dabei verwalten sie ihre Beziehungen zu Produktionspartnerinnen und -partnern, Anlagendienstleisterinnen und -dienstleistern sowie externen Logistikanbieterinnen und -anbietern sequenziell und eins zu eins. Um sich schnell auf Störungen und dynamische Marktanforderungen einzustellen sowie Abhängigkeiten in Echtzeit zu managen, müssen Unternehmen ihre Geschäftsabläufe mithilfe von miteinander verbundenen Wertschöpfungsketten und flexiblen Netzwerken neu erfinden.

Die Funktionsweise von sozialen Netzwerken wie Facebook und LinkedIn oder Plattformen wie Amazon und Airbnb können als Vorbilder für Geschäftsnetzwerke dienen. Wir nutzen sie in unserem Alltag, um uns weltweit mit anderen Menschen zu vernetzen, zu kommunizieren oder um Angebot und Nachfrage einfach und schnell zusammenzubringen. Genau nach dieser Logik müssen wir die Lieferketten der Zukunft gestalten – als ein soziales Netzwerk, einen gemeinschaftlichen Markplatz für Unternehmen.

Das setzt voraus, dass Unternehmen ihr vielschichtiges Liefernetzwerk verstehen und Transparenz darüber haben, wer in ihrem Ökosystem direkt und indirekt beteiligt ist. Unternehmen müssen künftig in der Lage sein, Daten über Lieferketten zu sammeln und zu analysieren. Sie brauchen zudem den Mut, unternehmenseigene, kontextbezogene Daten mit anderen Mitgliedern im Netzwerk unter Einhaltung strenger Richtlinien zu teilen.

Dadurch erhalten Unternehmen eine 360-Grad-Transparenz über Lieferketten in Echtzeit, um Risiken zu antizipieren und Beschaffung, Handel und Vertrieb bis hin zum Verbraucher zu steuern. Sie können Bestände optimieren, Angebot und Nachfrage abgleichen und Engpässe erkennen, bevor sie überhaupt entstehen. Jedes Mitglied im Netzwerk kann mit anderen über Unternehmensgrenzen hinweg zusammenarbeiten. Sollten Störungen in der Lieferkette auftreten, können Unternehmen schnell alternative oder nachhaltigere Lieferantinnen und Lieferanten auswählen.

Nachhaltigkeit wird vom Image-Treiber zum wirtschaftlichen Gebot

Auch beim Thema Nachhaltigkeit lässt sich das enorme Potenzial von Geschäftsnetzwerken verdeutlichen.

Lange Zeit wurde Nachhaltigkeit in Unternehmen als Image-Treiber verstanden und als eben solcher behandelt. Mit wachsendem gesellschaftspolitischem Druck, zunehmender sozialer Ungleichheit und immer stärker spürbaren Folgen des Klimawandels verändert sich die Bedeutung des Themas massiv. Nachhaltigkeit ist zu einem wirtschaftlichen Gebot geworden.

In erster Linie, weil wir alle – ob Einzelpersonen oder Unternehmen – verpflichtet sind, uns gegenseitig und unseren Planeten zu schützen. Diese Erkenntnis der Weltwirtschaft kommt zu spät. Kurzfristige Gewinne und schnelles Wachstum waren jahrzehntelang wichtiger. Das hat sich mittlerweile geändert. Studien zeigen: Bis zu 70 Prozent des Gewinns können im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsthemen gefährdet sein.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Verbraucherinnen und Verbraucher treffen Entscheidungen zunehmend nicht mehr nur auf der Grundlage von Produkten oder Preisen. Sie wollen von Unternehmen kaufen, die sich für Themen einsetzen, die ihnen am Herzen liegen. Arbeitskräfte wollen für Unternehmen arbeiten, die ihre sozialen und ökologischen Werte teilen. Auch die Aufmerksamkeit von Investorinnen und Investoren für ökologische und soziale Fragen ist gestiegen.

Hinzu kommt, dass Unternehmen immer mehr Vorschriften einhalten müssen: Die globalen ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance), die Richtlinie zur unternehmerischen Nachhaltigkeit der Europäischen Union oder das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sind Beispiele unter vielen. Von Unternehmen wird verlangt, dass sie ihre Lieferketten nachhaltig gestalten, indem sie Risiken und negative Auswirkungen auf die Menschenrechte oder die Umwelt erkennen und verhindern.

Profit und Nachhaltigkeit sind keine unvereinbaren Gegensätze mehr

Diese Entwicklungen geben Unternehmen die Chance, ihr Geschäft nicht nur erfolgreich für die Zukunft aufzustellen, sondern sich auch für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit einzusetzen, indem sie Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil ihrer Strategie verstehen. Sie können in einer Welt, in der es gilt, Menschen, unseren Planeten und Profitabilität in Einklang zu bringen, einen Mehrwert für alle Beteiligen und eine bessere Welt schaffen. Dank moderner Technologie schließen sich Nachhaltigkeit und Profitabilität nicht länger gegenseitig aus.

Allerdings können wir uns noch so viele ehrgeizige Ziele setzen – sie sind nutzlos, wenn wir es nicht schaffen, aus unseren Unternehmenssilos herauszukommen. Geschäftsnetzwerke liefern einen entscheidenden Mehrwert: Sie bieten eine durchgängige Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette von Unternehmen. Nur so können wir den Übergang zu einer integrativen, kohlenstoffarmen und kreislauforientierten Weltwirtschaft erreichen.

Ein Beispiel: Bis heute können die meisten Unternehmen ihren eigenen CO2-Fußabdruck nicht zuverlässig messen. Das liegt unter anderem daran, dass bis zu 90 Prozent ihrer Emissionen außerhalb ihrer Organisation, aber innerhalb ihrer Wertschöpfungskette ausgestoßen werden. Selbst die fortschrittlichsten Unternehmen können bislang ihre Emissionen etwa nur innerhalb ihrer Fabriken messen. Wie viel CO2 zum Beispiel ihre Lieferanten und Materialhersteller emittieren, bleibt ihnen bisweilen verborgen.

Das zeigt: Unternehmen sind am Ende nur so nachhaltig wie ihr Ökosystem. Geschäftsnetzwerke schließen diese Lücke, da sie Unternehmen den Zugang zu und den Austausch von Daten auch jenseits ihrer vier Wände ermöglichen. Damit beginnt eine neue Ära des Wirtschaftens.

Was zeichnet die Weltwirtschaft 2030 aus?

Wie wird in Anbetracht der drei zentralen Treiber des Wandels die Weltwirtschaft 2030 aussehen? Sie wird geprägt sein von Intelligent Enterprises – also von Unternehmen, die ihre Kernprozesse digitalisiert und automatisiert haben. Statt in Silos organisieren sie sich in Netzwerken, die sich gemeinsamen Zielen verschreiben. Unternehmen werden damit von Einzelkämpfern zu Teamplayern in Wirtschaftsgemeinschaften, und die Grenzen ihrer Geschäftsmodelle verschwimmen zunehmend. Jedes Unternehmen in diesen Netzwerken teilt und nutzt kontextbezogene Daten. Die Kooperation in Echtzeit ist die Regel, nicht die Ausnahme. Das schafft Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette sowie den Lebenszyklus von Produkten und Dienstleistungen.

Neben Lieferkettendaten betten Unternehmen auch nachhaltigkeitsbezogene Daten in ihre Strategie ein. Dadurch sind sie in der Lage, alle wichtigen ESG-Dimensionen in ihren Geschäftsprozessen zu berücksichtigen. Sie können ihren CO2-Fußabdruck und ihre Abfallproduktion bewerten und optimieren und ethische Arbeitsbedingungen fördern. Und das nicht nur innerhalb ihrer Unternehmensgrenzen, sondern auch darüber hinaus, entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

So kann etwa ein Automobilhersteller auf einen Blick sehen, welche Lieferanten die dringend benötigten Bauteile verfügbar haben, wie lange die Lieferung dauern würde, zu welchem CO2-Ausstoß die Bauteile produziert wurden und ob alle am Bauteil beteiligten Unternehmen ethische Arbeitsbedingungen erfüllen. Sollten unerwartet doch Engpässe während einer Lieferung auftreten, bekommt der Automobilhersteller direkt Vorschläge aus dem Netzwerk, wo am schnellsten und nachhaltigsten Ersatz zu bekommen ist.

Business Networks sind keine Zukunftsmusik

Im Grunde ist dies längst keine Zukunftsmusik mehr. Ausgerechnet die Pandemie und der Krieg in der Ukraine, die maßgeblich unsere Weltwirtschaft an ihr Limit geführt haben, bringen den großen Nutzen von Geschäftsnetzwerken bereits heute ans Tageslicht.

17 der 20 größten Impfstoffhersteller stellen mithilfe von Software die Produktion und die Logistik für die Auslieferung von Impfstoffen in einem nie dagewesenen Tempo sicher. Dies ist nur möglich durch eine intelligente Planung und Steuerung des gesamten Prozesses.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine können humanitäre Hilfsorganisationen auf das SAP-Geschäftsnetzwerk zugreifen, dort ihren unmittelbaren Bedarf melden, mit Millionen von Unternehmen aus über 190 Ländern in Kontakt treten und Lieferanten finden, die schnellstmöglich humanitäre Hilfe leisten können. Das System bietet nicht nur den Nachfragenden, sondern auch den Lieferantinnen und Lieferanten und möglichen Spenderinnen und Spendern die nötige Transparenz, die medizinischen Hilfsgüter in einer Lösung nach den gesetzlichen Vorgaben bereitzustellen.

Bis 2030 wird es noch viele weitere solcher Beispiele geben.

Und um auf meine eingangs erwähnte Analogie zurückzukommen: Die Spitze des monumentalen Bergs, unserer Weltwirtschaft, können Unternehmen künftig nur gemeinsam erfolgreich erklimmen. Der Erfolg und die Zukunft der Weltwirtschaft liegt in den Händen von Seilschaften und ihrem technologischen Rüstzeug. Es wird sie nach wie vor geben, die Pioniere, die neue Wege ebnen. Aber sie werden sich in Zukunft vielmehr in Gruppen organisieren und den Ruhm teilen. Dafür erwartet sie ein umso atemberaubenderer Blick in nie dagewesenen Höhen.

Zur Person

Porträtbild von SAP-Chef Christian Klein

Christian Klein

ist seit 2019 Sprecher des Vorstands der SAP SE. Bis Juli 2021 war er auch Chief Operating Officer des Unternehmens und leitete die Transformation der SAP zu einem „Intelligenten Unternehmen“. Er begann seine Karriere 1999 als Student bei SAP. Klein hat ein Diplom in Internationaler Betriebswirtschaftslehre der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim

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05.07.2023
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