DFS Deutsche Flugsicherung GmbH Vordenker 2022
09.06.2022
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Zur Person

Arndt Schoenemann

Seit April 2021 ist er Vorsitzender der Geschäftsführung der DFS Deutsche Flugsicherung mit Sitz in Langen. Zuvor war Schoenemann zwölf Jahre lang Geschäftsführer von Liebherr-Aerospace Lindenberg, einem der führenden Luftfahrtausrüster in Deutschland

Was ist aus Ihrer Sicht derzeit die größte Herausforderung für Ihre Branche und Ihr Unternehmen?

Arndt Schoenemann: Aktuell ist es natürlich hauptsächlich die Situation in der Ukraine, die uns allen große Sorgen macht. Flüge sollen Verbindungen zwischen Menschen, zwischen unterschiedlichen Kulturen schaffen. Stattdessen erleben wir eingeschränkte Überflugrechte, gesperrte Lufträume. Das entspricht nicht der Idee der internationalen Luftfahrt.

Darüber hinaus muss die Luftverkehrsbranche nach dem beispiellosen Verkehrseinbruch durch die Coronakrise wieder zur Normalität zurückfinden. Dabei sind nicht nur die Verkehrszahlen extrem zurückgegangen. Wir hatten und haben es auch mit enormen Einnahmeverlusten zu tun. Unsere größte Herausforderung ist, dass wir als kritische Infrastruktur unsere Dienste auch für äußerst geringe Verkehrszahlen uneingeschränkt zur Verfügung stellen müssen. Die zweite, ebenso große Aufgabe ist es, die Ausbildung des dringend benötigen Lotsennachwuchses fortzuführen. Das ist wichtig, denn schon in naher Zukunft erwarten wir wieder erhebliche Verkehrszuwächse.

Was macht künftig konkret den Erfolg Ihres Unternehmens aus?

Schoenemann: Sicherheit ist unsere allerhöchste Priorität und wird es auch immer sein. Um dem gerecht zu werden, dürfen wir nicht stillstehen. Wir wollen stattdessen innovativ sein, sodass wir schnell und flexibel auf neue Rahmenbedingungen reagieren können. Das betrifft neue Systeme ebenso wie die Flexibilität unserer Mitarbeiter – die sie in der Coronakrise auf jeden Fall gezeigt haben.

Welche Rolle spielen Innovationen in Ihrem Geschäft?

Schoenemann: Das System Flugsicherung ist ausgeklügelt und umfasst sowohl etablierte, über Jahrzehnte gewachsene Prozesse und Technologien wie auch modernere Ansätze, also Innovation. Zum Beispiel setzen wir bei der Zusammenarbeit von Piloten und Lotsen auf neue Übertragungswege der Informationen. Während früher alle Anweisungen an die Piloten per Sprechfunk erteilt wurden, so findet dies nun digital statt – vergleichbar in etwa mit einer Kurznachricht auf dem Handy.

Wie wichtig ist für Ihr Unternehmen die Digitalisierung?

Schoenemann: Digitalisierung ist natürlich wichtig für uns. Ein gutes Beispiel ist die Inbetriebnahme unseres Systems „Remote Tower“: Start- und Landefreigaben werden aus der Ferne von einem anderen Standort aus erteilt. In Saarbrücken haben wir das bereits umgesetzt; am Flughafen Erfurt wird das bald kommen. Weitere Flughäfen folgen.

In welchem Bereich haben Sie aktuell den größten Bedarf an Mitarbeitenden? Und wie finden Sie neues Personal?

Schoenemann: Für uns spielt besonders das Recruiting junger Fluglotsinnen und -lotsen eine wichtige Rolle. Hier suchen wir junge Menschen mit besonderen Begabungen, die sich nicht in Schulnoten oder Prädikatsexamen abbilden. Wir erreichen diese jungen Menschen vor allem über persönliche Kontakte im Familien- und Bekanntenkreis sowie bei Messen und Infotagen. Die besten Botschafter sind weiterhin unsere Mitarbeiter.

Nennen Sie uns drei Gründe, warum im War for Talents die Besten zu Ihnen kommen sollten.

Schoenemann: Bei unseren Fluglotsen geht es im klassischen Sinne nicht um „die Besten“, sondern um die für diesen Beruf Geeignetsten. Gefragt sind nicht erlernbare Kenntnisse, sondern Fähigkeiten – die man entweder hat oder eben nicht. Beim Auswahlverfahren schneiden daher nur fünf Prozent der Bewerber erfolgreich ab.

Für viele junge Menschen ist die Deutsche Flugsicherung ein attraktiver Arbeitgeber, weil sie einen sinnstiftenden Beruf suchen und ihn bei uns finden. Unsere Nachwuchskräfte erhalten eine Top-Ausbildung, übernehmen früh Verantwortung, arbeiten in engagierten Teams in einer dynamischen Branche. Sie haben gute Entwicklungschancen und einen krisensicheren Arbeitsplatz.

Welche Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeiterentwicklung und -zufriedenheit treffen Sie?

Schoenemann: Flugsicherung ist Teamwork. Das ist für uns selbstverständlich. Auch Mitarbeiterentwicklung spielt eine große Rolle: An unserer eigenen Akademie bieten wir ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm an; individuelle externe Trainingsangebote werden sinnvoll zugekauft. Viele Mitglieder auf der Management-Ebene haben sich über Jahre in ihre Positionen hinein entwickelt – ein Beweis der Leistungsfähigkeit unserer Fortbildungsprogramme und ein gutes Beispiel für Mitarbeiterbindung.
09.06.2022
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