Frau und Mann bei einem Gespräch
18.01.2022    Mark Simon Wolf
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Falsche Versprechungen, lückenhaftes Onboarding oder schlechte Arbeitsatmosphäre: Wenn der neue Job nicht den Erwartungen entspricht, ziehen viele Beschäftigte schnell die Reißleine und kündigen nach kurzer Zeit wieder. Laut einer Studie des HR-Software-Anbieters softgarden gaben rund 33,9 Prozent der Befragten an, dass der neue Job nicht hält, was sie sich im Vorfeld von ihm versprochen haben. Rund 12 Prozent haben gar in den ersten 100 Tagen schon mal gekündigt.

Ärgerlich ist diese (Not-)Lösung allemal. Immerhin steckt hinter dem kurzzeitigen Engagement meist eine sehr zeitintensive und herausfordernde Bewerbungsphase. Wer sich diesen mühseligen Umweg sparen möchte, sollte sich systematisch vorbereiten – und bereits im Vorstellungsgespräch auf bestimmte Parameter achten, rät die Karriereberaterin Nane Nebel.

Die Chemie muss im Bewerbungsgespräch stimmen

Ein fundiertes Fundament an Wissen über den potenziellen Arbeitgeber ist unerlässlich. Das bedeutet eine umfangreiche Recherche zum Unternehmen, zu möglichen Gesprächspartnern, fachspezifischen Anforderungen, zur Zukunftsfähigkeit sowie zu den Rahmenbedingungen der künftigen Arbeit. Im Bewerbungsgespräch lassen sich so die Angaben des Gegenübers einfacher gegenprüfen – und es lässt sich feststellen, ob die berühmte Chemie stimmt.

„Das ist wie bei einer privaten Beziehung. Dort muss das Grundgerüst an Werten zwischen zwei Menschen auch passen“, erklärt Nebel. Für Bewerberinnen und Bewerber hat sie einige Grundregeln aufgestellt, die bei der Suche nach dem Traumjob helfen und Fallstricke in Bewerbungsgesprächen vermeiden sollen.

  1. Konkrete Fragen stellen: Dadurch erhalten Bewerber gezielt Informationen über den potenziellen Job, signalisieren Interesse und locken das Gegenüber aus der Reserve.
  2. Stimmung richtig deuten: Offenheit und Atmosphäre des Gesprächs sind wichtig. Der Bewerber sollte selbst authentisch wirken, zum Beispiel bei provokanten oder potenziellen Fangfragen. Das gilt genauso für den Arbeitgeber, wie Nebel rät: „Reagiert dieser patzig oder lässt keine Fragen des Bewerbers zu, ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe fraglich.“
  3. Kein Herumdrucksen: Weicht der Arbeitgeber aus oder gibt oberflächliche Antworten, sollten die Alarmglocken schrillen. „Beim ersten Date wären Sie auch stutzig, wenn Ihr Gegenüber intransparent wirkt“, sagt Nebel.
  4. Kompromissbereitschaft: Zu einer „Beziehung“ gehören immer gegenseitige Zugeständnisse. Wer starr an seiner Prioritäten-Liste oder seinen Interessen festhält, scheitert. „Wenn das Gesamtpaket stimmt, sollte es nicht an vier Tagen Urlaub oder an einem kleinen Betrag X scheitern“, so Nebel.
  5. Treffen vor Ort: Gern sich über ein Online-Bewerbungsgespräch kennenlernen und abstimmen. Doch nur vor Ort bekommt man einen Eindruck von Atmosphäre, Einrichtung oder davon, wie man empfangen wird, so Nebel: „Das ist ein wichtiges Puzzleteil für das Urteilungsvermögen. Der erste Besuch sollte nicht erst bei der Vertragsunterschrift erfolgen.“

 

In Kürze:

  • Eine gute Vorbereitung des Jobwechsels ist wichtig.
  • Kompromisse mit dem Arbeitgeber bauen Brücken.
  • Bewerbungsgespräche vor Ort helfen bei der Beurteilung.
18.01.2022    Mark Simon Wolf
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