Illustration des Geschäftsführers von GEPA Dr. Peter Schaumberger.
19.07.2022
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Zur Person

Dr. Peter Schaumberger

ist seit 2017 Geschäftsführer von GEPA. Seit 1994 war er in verschiedenen Nachhaltigkeitsunternehmen wie Bioland, Demeter oder Menschen für Menschen in Führungspositionen tätig.

Was ist Ihr Motor für Erfolg?

Dr. Peter Schaumberger: Wir sind authentisch und daraus entsteht Glaubwürdigkeit. Fairer Handel ist unser Unternehmenszweck fest in unserer „Unternehmens-DNA“ verankert. Es geht dabei um deutlich mehr als den Absatz fair gehandelter Produkte, auch wenn das ein wichtiger Baustein ist, damit wir gemeinsam mit benachteiligten Produzentengruppen im globalen Süden neue Marktchancen entwickeln können. Daneben leisten wir umfassende Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, um Verbraucherinnen und Verbraucher zu sensibilisieren. Wir engagieren uns auch politisch, beispielsweise unterstützen wir die Kampagne Lieferkettengesetz.de, damit Menschenrechte entlang der Lieferkette besser geschützt werden. Der erste Schritt für ein Lieferkettengesetz, das Unternehmen hier in die Pflicht nimmt, ist getan. Zu diesem Erfolg haben auch die Pioniere des Fairen Handels beigetragen.

Wie haben sich Ihre Geschäftszahlen in den letzten drei Jahren entwickelt?

Schaumberger: Der Umsatz wurde 2019 um 9,5 Prozent auf einen Großhandelsumsatz von 80,7 Millionen Euro gesteigert. Auch im Corona-Jahr 2020 hat sich der Fair-Trade-Pionier gut positioniert. Trotz mehrmonatiger Kurzarbeit für etwa die Hälfte der Belegschaft und zweistelligen Lockdown-bedingten Umsatzrückgängen in den Vertriebsbereichen Außer-Haus-Service und Weltläden und Aktionsgruppen konnte schließlich doch ein Großhandelsumsatz von 81,1 Millionen Euro erzielt werden, sogar rund 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch im zweiten Corona-Jahr 2021 hat das Unternehmen den Auswirkungen gut getrotzt und coronabedingte Umsatzverluste aus 2020 unterm Strich weiter aufgeholt. Daher konnte ein Umsatz von 84,9 Millionen Euro erzielt werden, eine Steigerung von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein abschließendes Ergebnis für 2021 steht noch nicht fest, da die Jahresabschlussprüfung noch nicht komplett beendet ist. Aber die Umsatzausweitung im Kernvertrieb ist auch mit spürbaren Roherlössteigerungen verbunden. Das Ergebnis wird auf jeden Fall das Vorjahresergebnis, das immerhin vor Steuern bei über 1,2 Mio. Euro lag, nochmals toppen.

Wie sieht Ihre Digitalisierungsstrategie aus?

Schaumberger: Digitalisierung findet im Kopf statt – nicht in Computern. Die Vernetzung und Transparenz vom Kleinbauern bis zum Endkunden sind unser Ziel. Die elektronische Einbindung in Lieferketten- und Kundensysteme wird immer wichtiger. Wir haben den Onlineshop wesentlich in den Punkten Nutzer- und Servicefreundlichkeit optimiert. Dazu zählen Technik und Layout, zusätzliche Zahlarten, wie zum Beispiel Paypal, Kreditkarte oder Lastschrift, verbesserter Check-out. Sowohl bei Suchmaschinenmarketing wie -optimierung haben wir die Sichtbarkeit verbessert.

Welche Rolle spielt Service in Ihrem Unternehmen?

Schaumberger: Service spielt eine zentrale Rolle; das gilt für Vertrieb, Einkauf, Qualitätssicherung, Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit gleichermaßen. Dazu gehört ein Höchstmaß an Transparenz in der Selbstdarstellung – auch und gerade im Krisenfall. Dazu gehört auch intensive Kundenbetreuung – ob bei Handelskunden oder Endverbraucherinnen und Endverbrauchern. Nur so können wir diese langfristig an uns binden. Die Idee des fairen Handels steht nach wie vor an erster Stelle, reicht aber als einziges überzeugendes Argument nicht aus.

Was tun Sie, um den Service zu verbessern?

Schaumberger: Wir arbeiten ständig daran, Abläufe zu optimieren. Gerade für Mitglieder unserer Partnergenossenschaften wollen wir besten Service bieten, um sie zu unterstützen. Dazu gehört für uns eine gute Erreichbarkeit, schnelle Bearbeitung von Aufträgen und Reklamationen sowie intensive Kundenberatung. Durch Digitalisierung bleiben mehr Ressourcen für Beratung von Kundinnen und Kunden sowie Reklamationsbearbeitung.

Welche Maßnahme ergreifen Sie, um Service im Unternehmen zu leben?

Schaumberger: Ein Beispiel für Transparenz unseren Stakeholdern gegenüber sind Musterkalkulationen repräsentativer Produkte wie Kaffee oder Schokolade. Der Wirtschaftsjournalist Frank Herrmann schreibt dazu in seinem neusten Buch „Der Mächtigen Zähmung“: „Während Importorganisationen des Fairen Handels wie GEPA offen darlegen, wer wie viel am Pfund Kaffee, an der Schokolade oder dem fairen T-Shirt verdient, schweigen die großen Ketten dazu.“

Was tun Sie, um die Service-Kultur zu verbessern?

Schaumberger: Um die ehrenamtlich geführten Weltläden zu unterstützen sind bundesweit Kundenberaterinnen und Kundenberater im Vertriebskanal Weltläden im Einsatz: Von der Beratung bei der Wahl der Rechtsform für neugegründete Weltläden, der Auswahl und Beurteilung von Laden-Standorten über Ladengestaltung und Sortimentspflege bis zu betriebswirtschaftlicher Planungsrechnung oder Umsatzanalyse reicht das Themenfeld. Wir wollen zu allen Fragen, die einem Weltladen in punkto Bildungsarbeit, Wachstum und Umsatzausweitung begegnen,Angebote machen.

Im Bereich Außer-Haus-Service, wie zum Beispiel Firmenkantinen und Bildungseinrichtungen, führt unser kompetenter bundesweiter Außendienst bei Interesse Kaffeeverkostungen vor Ort durch, hilft bei der Kaffeeumstellung und steht auch in der Kundenbetreuung mit Rat und Tat zur Seite. Auch bei der Anschaffung einer neuen Kaffeemaschine unterstützen wir gerne und bezuschussen diese mit einem Werbekostenzuschuss in Höhe von zehn Prozent des Listenpreises unabhängig vom Maschinenhersteller. Bei vielen kirchlichen Veranstaltungen ist die GEPA präsent, mit Veranstaltungen zur Klimagerechtigkeit und unseren Produkten, beispielsweise zuletzt beim Katholikentag vom 25. bis 29. Mai in Stuttgart.

Was zählt zu den größtenn Stärken, was zu den Schwächen des Unternehmens?

Schaumberger: Wir sind sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltig. Das eine bedingt das andere. Gewinnmaximierung auf Kosten der Menschen am Anfang der Wertschöpfungskette ist mit uns nicht zu machen. Im konventionellen Handel gilt für viele: Im Einkauf wird der Gewinn gemacht; Preisdumping auf Kosten von Lieferantinnen und Lieferanten und Kleinbäuerinnen und Kleinbauer in Nord und Süd ist die Folge. Wir haben immer wieder die Einkaufspreise erhöht, wie gerade jetzt den Kakaoeinkaufspreis der GEPA. Denn bei uns stehen bei der betriebswirtschaftlichen Berechnung die Partner im globalen Süden im Fokus, auch und gerade jetzt in Zeiten des Klimawandels. Und wir sind mit diesem anspruchsvollen Ansatz auch in Zeiten der Krise wie jetzt ökonomisch erfolgreich. Ein Faktor: Unsere kirchlichen Gesellschafter haben keine Gewinne entnommen. Das bedeutet deren Not-for-Profit- beziehungsweise Gewinn-Thesaurierungs-Politik hat uns bestens für die Krise gewappnet.

Zu unserer größten Schwäche zählt, dass wir noch zu wenig bekannt sind und selbst unsere größten Kritiker sind. Mit der Greenwashing-Kommunikation anderer können wir aus Überzeugung nicht mithalten.

Was ist Ihr größtes Learning aus der Coronakrise?

Schaumberger: Kurze, direkte und transparente Lieferketten, der langjährige persönliche Kontakt und gegenseitige Unterstützung sind eine Form der Krisenprävention. Auch in der Coronakrise hat sich dies bewährt: Wir haben die Kleinbauern finanziell unterstützt und Gelder des Bundesentwicklungsministeriums akquiriert. Umgekehrt haben unsere Partner alles getan, um die Lieferfähigkeit trotz der erschwerten Rahmenbedingungen aufrechtzuerhalten.

Wie sehen Sie die Zukunft der Arbeit? Gibt es eine Maßnahme, die Sie mit Stolz erfüllt?

Schaumberger: Die einzelne Maßnahme zu Marketingaspekten ist nicht unser Ding. Das Paket aus Tätigkeit für ein sinnstiftendes Unternehmen, Homeoffice und Präsenz nach eigenem Bedarf, Job Rad und Elektromobilität bietet viele Möglichkeiten für den Einzelnen in der GEPA wirksam zu werden, beruflich und privat.

19.07.2022
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