Foto von Fabrika, dem bunten Ideenzentrum der Stadt als Symbol eine Workation
27.06.2024    Magda Lehnert
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Georgien: War das nicht dieses Land, das sich neulich noch im Krieg befand? Das Land mit der autoritären Regierung und Geschichten über Oligarchen, Korruption und Stalin-Verehrer? Aktuell tauchen immer mehr Reiseberichte auf und erzählen, dass sich zwischen all den bröckelnden Fassaden mit ihren Einschusslöchern etwas tut. Sogar das Magazin „Forbes“ beschrieb Georgiens Hauptstadt schon 2018 als die „aufregendste Stadt des Jahres“. Viele Reisende kommen zu dem Schluss, dass Tbilisi – so die georgische Schreibweise – heute das sei, was Berlin einmal in den 1990er-Jahren war, bevor in den Kiezen die Gentrifizierung Einzug hielt.

Das neue Berlin

In der „Fabrika“, zwischen Backsteinmauern, Graffitis, Ateliers und mit importierter Mate in der Hand, kann man erahnen, was Tbilisi zur neuen Trendmetropole gemacht hat. Die ehemalige sowjetische Nähfabrik beherbergt heute alles, was eine gelungene Workation braucht: ein Design-Hostel samt privaten Apartment-Suites, ein großzügiges helles Coworking-Space (den „Impact Hub“), gutes Essen und einen Fahrradverleih, um nach Feierabend die Stadt zu erkunden. Hinzu kommen kleine Läden, Musiklabels, Events und Lichterketten – das obligate Zeichen, auch wirklich den hipsten Ort der Stadt gefunden zu haben. Weil in Tbilisi noch lang in den Herbst hinein milde Temperaturen herrschen, sind am liebsten alle draußen – Reisende, Start-up- Gründerinnen und -Gründer sowie Künstlerinnen und Künstler.

Wer sich nach mehr Bodenständigkeit sehnt, begibt sich in Richtung „Stamba“, einem der weiteren Vorzeige-Etablissements aus Tbilisis jüngster Boheme-Renaissance. Im schummrigen Licht des opulent funkelnden Kronleuchters empfängt das verschnörkelte Jugendstil-Grandhotel mit einer erstklassigen Cocktailbar – ein Setting, an dem Wes Anderson seine Freude hätte. Neben Bar, Café, Hotel, Fotomuseum, Bibliothek und Space-Farm findet ein modernes Workspace seinen Platz in einer alten Druckerei. „D Block“, so der Name, ist dabei nicht weniger cool als das „Impact Hub“ in der „Fabrika“. Es richtet sich aber in Einrichtung, Funktionalität und Design eher an C-Levels, Entrepreneure, Start-ups, Kulturschaffende und Leute, die mit Wissensarbeit ihr Geld verdienen.

Einmalige Restaurant-Szene

Abends sollte der Arbeitsplatz gegen einen Tisch in Tbilisis vielfältiger Restaurant-Szene getauscht werden. Aus allen osteuropäischen Küchen sticht die georgische mit ihrer Frische und ihren krautigen Aromen hervor. Moderne Variationen gibt es etwa im „Café Littera“ und im „Culinarium Khasheria“, während man ein echtes Chatschapuri, das georgische Käsefladenbrot, am besten an einem der zahlreichen Straßenstände ersteht und die Teigtaschen Khinkali vorzugsweise bei „Asi“ in der Ushangi Chkheidze Street genießt. Wer ganz mutig ist und sehen möchte, wo all die frischen Zutaten herkommen, macht am Morgen einen Spaziergang über den Dezerter Bazaar und besorgt sich dort eine Tüte frische Walnusskerne als Energieschub für den nächsten produktiven Tag in Europas angesagter Capital of Cool.

27.06.2024    Magda Lehnert
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