Ein Koffer, an dem ein Coronavirus hängt und der von Flugzeugen umkreist wird
13.04.2021    Miriam Rönnau
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Regierungen und die Reisebranche diskutieren derzeit über den „Grünen Pass“. Dieses Dokument soll EU-weit einsetzbar sein und Impfungen gegen das Coronavirus sowie Tests oder überstandene Corona-Infektionen fälschungssicher registrieren. Voraussichtlich ist der Pass digital auf dem Handy gespeichert und soll ab Juni 2021 das Reisen erleichtern.

Besonders die EU-Mitgliedstaaten, die stark vom Tourismus abhängig sind, würden von dem digitalen Gesundheitspass profitieren. So haben Griechenland und Zypern bereits auf Basis bilateraler Abkommen Touristen-Verkehr mit Israel für Geimpfte erlaubt. Dänemark und Schweden planen ebenfalls einen Gesundheitspass, der zumindest auf nationaler Ebene Vorteile mit sich bringen soll. Auch in Estland und Polen laufen erste Projekte mit digitalen Impfausweisen.

Und Deutschland? Auch hierzulande wird diskutiert. „Wer vollständig geimpft wurde, kann beim Reisen oder beim Einkaufen wie jemand behandelt werden, der ein negatives Testergebnis hat. Das ist eine wichtige Erkenntnis und erleichtert den Alltag enorm,“ sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kürzlich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Dafür planen das Bundesgesundheitsministerium IBM und drei weitere Unternehmen die Entwicklung einer Impfpass-App.

Wie stehen die Deutschen zum digitalen Gesundheitspass?

Doch neben den Plänen der Regierung ist auch die Bereitschaft der potentiellen Reisenden ausschlaggebend. Um die Stimmung im Hinblick auf COVID-19 in Bezug auf digitale Gesundheitsdaten und -technologien zu ermitteln, hat der Reiseveranstalter Amadeus Ende Februar 2021 das globale Marktforschungsunternehmen Censuswide beauftragt. Dabei heraus kamen erst einmal gute Nachrichten für die Reisebranche: 26 Prozent der Deutschen würden innerhalb von sechs Wochen nach Aufhebung der Beschränkungen auch internationale Reisen buchen.

Und auch in Bezug auf die Impfpass-App sieht es positiv aus: 39 Prozent der Befragten gaben auf die Frage, welche Technologie das Vertrauen in den nächsten zwölf Monaten am meisten stärken würden, mobile Anwendungen an – etwa, wenn es um Benachrichtigungen und Warnungen während der Reise geht.

91 Prozent der weltweit befragten Reisenden würden einen digitalen Gesundheitspass für zukünftige Reisen nutzen. In Deutschland wären 82 Prozent mit der Nutzung eines digitalen Gesundheitspasses einverstanden.

Welche Informationen die Deutschen teilen würden, um reisen zu können

Doch wenn Deutsche Informationen und Daten teilen, müssen sich daraus auch klare Vorteile ergeben – etwa in Bezug auf die Reise selbst oder auf die Reiseziele.

  • 62 Prozent der Reisenden wären bereit, ihre Gesundheitsdaten elektronisch zu speichern. Doch das muss klare Vorteile mitbringen, etwa indem sie etwa den Flughafen schneller und mit weniger persönlichen Kontakten passieren könnten.
  • 58 Prozent wären bereit, ihre Gesundheitsdaten elektronisch zu speichern, wenn sie dadurch mehr Reiseziele ansteuern können.
  • 50 Prozent würden eher ihre Gesundheitsdaten weitergeben, wenn die Fluggesellschaften, mit denen sie am häufigsten reisen, eine Möglichkeit zur Speicherung ihrer Gesundheitsdaten anbieten würden.

Welche Bedenken gibt es in Bezug auf den digitalen Gesundheitspass?

Die größten Bedenken der Deutschen, die planen, mit einem digitalen Gesundheitspass eine Reise anzutreten, sind der Mangel an Transparenz und Kontrolle darüber, wie Daten geteilt werden (40 Prozent). Darauf folgen Sicherheitsrisiken für den Fall, dass persönliche Informationen gehackt werden (35 Prozent) und hinsichtlich des Datenschutzes – welche Gesundheitsinformationen geteilt werden müssen (35 Prozent).

Doch die Umfrage klärt auch darüber auf, welche Lösungen diese Bedenken in Bezug auf digitale Gesundheitsdaten beim Reisen verringern könnten:

  • 48 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eher Gesundheitsdaten in einer App speichern würden, wenn ein Reiseunternehmen mit einem vertrauenswürdigen Gesundheitsdienstleister zusammenarbeitet
  • 28 Prozent würden eine App nutzen, die während der gesamten Reise einsetzbar wäre und so das gesamte Reiseerlebnis erheblich verbessert. 36 Prozent bräuchten die Gewissheit, dass alle Informationen an einem Ort sind. 34 Prozent würden sich wünschen, dass die App den Stress rund um die Reise reduziert
  • Fast die Hälfte der deutschen Reisenden (47 Prozent) würde sich mit der Nutzung eines digitalen Reisepasses einverstanden erklären, wenn dieser von den meisten Ländern akzeptiert würde und durch internationale Standards geregelt wäre. 
  • Wenn nur COVID-19-spezifische Daten in einem Gesundheitspass enthalten wären, würden 44 Prozent aller Reisenden zustimmen.

Bereits im Sommer hat Amadeus eine Studie gestartet, um die Stimmung und Sorgen von Reisenden zu untersuchen. Die Umfrage „Rethink Travel 2020“ zeigte damals, wie Technologie dazu beitragen kann, das Vertrauen der Reisenden zu stärken. Vergleicht man diese Daten mit der aktuellen Umfrage, zeigt sich: 91 Prozent sagen jetzt, dass Technologie ihr Vertrauen in das Reisen erhöhen wird. Im Vergleich zu September 2020 ist das ein Anstieg von 84 Prozent.

13.04.2021    Miriam Rönnau
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