Zwei Mido Uhren von oben zu sehen
27.06.2024    Arne Gottschalck
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Zur Person

Franz Linder

ist CEO bei Mido und hat eine klare Ansicht zu dem Kurs des Unternehmens

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Sie sind seit rund 20 Jahren an Bord bei Mido – ist das ein Vor- oder Nachteil?

Franz Linder: In der Uhrenbranche ist Kontinuität eher positiv als negativ. Eine Marke aufzubauen, zu entwickeln und zu pflegen ist ein sehr langwieriger Prozess. Insbesondere wenn man neue Märkte entwickelt. Bis man da ein Level der Bekanntheit erreicht, das anständige Marktanteile ermöglicht, braucht es Zeit. Entsprechend gilt: Für einen CEO der Uhrenbranche braucht es schon ein paar Jahre. Ob nun 20 Jahre – darüber kann man diskutieren.

Da Sie es ansprechen: Wie lange dauert es, bis man eine „Marke gemacht“ hat beziehungsweise im Markt angekommen ist?

Linder: Meine Erfahrung ist, dass es keine Regel gibt. Einige Märkte sind aufgeschlossener als andere. Entscheidend ist für Unternehmen, wie schnell sie eine vernünftige Distribution aufbauen können. Es braucht Sichtbarkeit, dann Verkaufspunkte, dazu die Unterstützung in der Werbung. Um mal ein paar Zahlen zu nennen: In der Vergangenheit gab es Märkte, in denen wir relativ schnell eine gute Präsenz erreichen konnten. Nach fünf bis sechs Jahren kann das Geschäft schon interessant werden. In anderen Märkten kann das auch mal zehn Jahre dauern. Aber ob nun sechs oder zehn Jahre, im klassischen Schweizer Uhrengeschäft ist man langfristig unterwegs.

Gibt es Branchen oder Sektoren, die für Sie immer eine Inspiration sind?

Linder: Wenn man sich die Kombination von Design und Technologie anschaut, ist die Autoindustrie ein relativ naheliegender Vergleich. Auch dort werden Marken über Jahrzehnte gehegt und gepflegt. Technologie ist ein wichtiger Faktor, aber auch – ganz entscheidend – der Wiedererkennungsfaktor für Marken, Produkte oder Modelllinien. Das gilt auch sehr stark für die Uhrenindustrie. Hier baut man eine Marke immer um den Wiedererkennungsbereich der Linien herum auf. Wenn ich mir andere Bereiche anschaue, etwa Möbeldesign oder Damenhandtaschen, ist das Bild vielleicht weniger technologieorientiert. Aber dort gibt es ebenfalls Klassiker, die sich über Jahre fortentwickelt haben.

Was ist für Sie die Mido-DNA?

Linder: Unser Anspruch ist es grundsätzlich, erschwinglichen Zugang zu feinen mechanischen Schweizer Uhren mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Wir legen Wert auf Innovation, Technologie, aber auch auf Qualität und Materialien. Wir bieten Silizium-Technologie, Großdatum, zertifizierte Chronometer und vieles mehr an, was Kundinnen und Kunden sonst nur im Luxussegment finden.

Und wie groß ist die Verlockung, in ein technologisches Wettrüsten um immer komplexere Uhren einzusteigen?

Linder: Bei Mido ist das weniger der Fall. Wir sind eine Marke, die den Anspruch hat, Volumen zu produzieren. Als Teil der Swatch – Gruppe haben wir Zugang zu Top- Technologien und eben auch die industrielle Power, um entsprechende Mengen zu produzieren. Unser Anspruch bei Mido war es immer, Mehrwerte zu schaffen. Technologie kann so einen Mehrwert liefern, nicht irgendwelche Gimmicks, die man marketingtechnisch nutzen kann. Deshalb setzen wir lieber auf Werte wie Präzision und Innovation, seien es Materialien oder Komponenten. Zum Beispiel ist unsere Nivachron- Feder sehr stoßresistent und antimagnetisch.

Wie wichtig ist die Preisgestaltung?

Linder: Ich denke, dass für uns das Pricing recht wichtig ist. Wir bieten ja eine Einstiegspreislage für feine Schweizer Uhrmacherkunst. Über den Daumen sind 1.000 Franken unser durchschnittlicher Verkaufspreis. Das ist natürlich eine Frage des Blickwinkels – im Luxusbereich ist das etwa der Preis eines Metallbands. Aber für den Kunden, der Freude an Uhren und vielleicht nur ein durchschnittliches Salär hat, sind 1.000 Franken schon eine Investition. Und da hat er berechtigterweise eine gewisse Erwartung an die Qualität, Lebensdauer oder auch an den Service nach dem Verkauf.

Wie halten Sie es mit dem Thema Nachhaltigkeit? Ist das für Kunden wichtig?

Linder: Ob das für unsere Kunden wichtig oder gar entscheidend ist, kann ich nicht sagen. Grundsätzlich ist das in jedem Sektor ein Thema, aber da sind wir äußerst gut aufgestellt. Natürlich müssen wir unsere Bauteile bearbeiten, ausstanzen, ausstechen und so weiter. Dann geht es auch um das Thema Verpackung und Energie für die Produktion, wo wir in die Swatch-Gruppe eingebunden sind und sehr viel für Nachhaltigkeit unternehmen. Aber wenn die Uhr mal gemacht ist, ist eine mechanische Uhr mit das Beste, was es mit Blick auf die Ökologie gibt. Einerseits, weil sie über die Bewegung oder den Kronenaufzug aufgeladen wird, ganz ohne Batterie. Und andererseits: Schauen wir auf die Lebensdauer. Wir haben Uhren im Service, die mehr als 40 Jahre alt sind. Das ist keine Seltenheit. Das ist Nachhaltigkeit pur.

Sie sagten einmal in einem Interview, Ihr Haus stehe in Lateinamerika gut da. Wie schaut es in Deutschland aus?

Linder: In Lateinamerika sind wir in der Tat stark, dominieren teilweise den Markt. In Deutschland steht Mido als gute Marke da. Wir haben rund 200 Verkaufspunkte und sind in den Städten an den wichtigen Standorten vertreten. Das ist zufriedenstellend, aber es gibt Potenzial nach oben.

Gretchenfrage: Wie entwickelt man eine arrivierte Marke fort, gerade im Vergleich zu Neugründungen auf der grünen Wiese?

Linder: Das ist manchmal Fluch und Segen zugleich. Wir alle lieben Kreativität, möchten gern mal etwas Verrücktes machen. Aber erfolgreiche Uhren beziehungsweise Marken erkennt man eben auch an der Designpflege über die unterschiedlichen Linien hinweg. Man kann sicherlich gewisse Innovationen in der Optik bringen. Dabei gilt aber, wie in der Autoindustrie: Mit jeder neuen Generation macht man einen Schritt, aber das Gesamtbild für den Kunden entspricht immer dem, was er gewohnt ist – und was eigentlich das Asset einer Marke ist.

Wie kann Mido bei den Kunden von morgen mit ihrer hohen Affinität zu Smartphones und vielleicht Smartwatches punkten? Und gibt es so etwas wie einen Schallplatteneffekt, die Renaissance einer eigentlich totgesagten Technik?

Linder: So einen krassen Effekt sehe ich nicht, aber: Insbesondere eine Marke wie Mido mit einem tollen Preis-Leistungs-Angebot hat zum Ziel, junge Kunden zu erreichen und zu begeistern. Ob uns das gelingt? Man kann durchaus sehen, dass junge Menschen sich für Uhren interessieren. Es ist entscheidend, mit den Kunden zu kommunizieren. Da passiert viel digital, es gibt etwa viele Blogger und Uhrenspezialisten, die es schaffen, junge Leute für das Thema zu begeistern. Dazu kommt unsere Distribution. Ich denke, es gelingt uns recht gut, junge und teilweise erstaunlich junge Menschen für unsere Produkte zu begeistern.

27.06.2024    Arne Gottschalck
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