Eine Illustration einer Sanduhr, an der sich ein Mann anlehnt. Im Hintergrund ist ein Kurvendiagramm.
19.04.2022
  • Drucken
Anzeige

Beim Kauf eines Unternehmens aus der Krise oder Insolvenz gibt es einige Besonderheiten zu beachten. Denn der gesamte Kaufprozess findet unter hohem Zeitdruck statt, und es gilt, sich auf spezielle rechtliche Rahmen­bedingungen einzustellen. Insolvenzrechtsexpertin Katharina Gerdes von der Kanzlei BRL erklärt, wo­ rauf geachtet werden muss, damit ein Investment tatsächlich Erfolg verspricht.

Zur Person

Katharina Gerdes

ist seit 2017 Partnerin bei der Kanzlei BRL BOEGE ROHDE LUEBBEHUESEN. Zudem engagiert sie sich im Verein „Distressed Ladies – Women in Restructuring“

Welche rechtlichen Aspekte gilt es beim Kauf eines Unternehmens aus der Insolvenz beziehungsweise Krise zu beachten?

Katharina Gerdes: Aus rechtlicher Sicht betrachtet muss zwischen einem Unternehmen, das sich in der vorinsolvenzlichen Krise befindet, sowie einem, das sich in der Insolvenz befindet, unterschieden werden. Beispielsweise entfallen zahlreiche Haftungs- und Anfechtungsrisiken, die beim Erwerb aus der vorinsolvenzlichen Krise bestehen, wenn der Erwerb vom Insolvenzverwalter erfolgt.

Investoren müssen sich überlegen: Schlage ich vor der Insolvenz zu, oder ergibt es Sinn, auf die Insolvenz zu warten? Die Risiken sollte man aber ebenfalls im Auge haben: Wie stark leidet etwa der Wert der Firma durch die Insolvenzantragsstellung? Oder wird sie voraussichtlich wesentliche Mitarbeitende verlieren? Auch sollte einem Investor bewusst sein, dass der Insolvenzverwalter in der Regel keine Garantien abgibt und auf einem weitgehenden Haftungsausschluss bestehen wird.

Was ist mit Blick auf die Finanzierung beim Kauf aus der Insolvenz zu berücksichtigen?

Gerdes: Der Insolvenzverwalter darf – wenn er ein Unternehmen im Insolvenzverfahren fortführt – grundsätzlich keine Verluste generieren. Um dennoch einen M&A-Prozess durchführen zu können, wird häufig mit einem potenziellen Investor oder einem Kunden die Gewährung eines – besicherten – Massedarlehens verhandelt.

Erfolgt der Erwerb über einen Asset-Deal, kann ein Investor davon ausgehen, dass er zusätzlich zum Kaufpreis auch das Working Capital voll finanzieren muss. Nimmt der Investor für die Finanzierung der Transaktion Fremdkapital auf, ist zu bedenken, dass klassische Finanzierer und Finanzierungsinstrumente in der Regel nicht zur Verfügung stehen. Außerdem ist Transaktionssicherheit für den Insolvenzverwalter von erheblicher Bedeutung. Er wird also eine Sicherheit für den Kaufpreis bereits bei Vertragsunterzeichnung verlangen.

Was sind Erfolgsfaktoren für Investments in Krisen- und Insolvenzsituationen?

Gerdes: Schnelligkeit in der Entscheidungsfindung. So ist eine professionelle Beratung unerlässlich. Die Berater sollten Experten für Distressed-M&A-Transaktionen sein. Das heißt, dass sie neben Fachwissen den Restrukturierungs- und Sanierungsmarkt und dessen Akteure gut kennen sowie ein tiefes Verständnis von den typischen Stakeholder-Interessen in solchen Prozessen mitbringen sollten.

19.04.2022
  • Drucken
Zur Startseite