Nachhaltige Energie: Vorne rechts ist ein Solarpanel zu sehen, hinten links ein Windrad, hinter dem die Sonne untergeht.
28.04.2021    Arne Gottschalck
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Grüne Rente

Heute sparen, später profitieren

Nachhaltigkeit sei zwar schwer zu erklären, sagt Per Protoschill von der Stuttgarter Lebensversicherung. Aber das Thema sei in Sachen Geldanlage und Altersvorsorge gefragt, Tendenz steigend. Und das bleibt auch so, prognostiziert Protoschill.

Pommes waren gestern, könnte man sagen. Zumindest in der Schweiz. Denn dort beobachtet die Handelskette Migros einen klaren Trend hin zu Bioprodukten. 15 Prozent mehr als im Vorjahr habe man 2020 verkauft – Biokartoffeln statt Billig Pommes. Szenenwechsel: In Norwegens Hauptstadt Oslo arbeitet man daran, bis 2030 die Emissionen um 95 Prozent zu senken. Ob beim Bau von Gebäuden, ob beim Transport – Hauptsache, umweltschonend. Weltweit tut sich etwas in Sachen Nachhaltigkeit. Auch in der Finanzindustrie, beobachtet Per Protoschill von der Stuttgarter Lebensversicherung.

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Zur Person

Portraitfoto von Per Protoschill von der Stuttgarter Lebensversicherung. Mann mit Glatze und Bart sowie Anzug und Krawatte.

Per Protoschill

leitet die Vertriebsunterstützung bAV bei der Stuttgarter
Vorsorge- Management GmbH und ist damit Experte für die GrüneRente, ein nachhaltiges Vorsorgekonzept

Nachhaltige Geldanlage ist ein Megatrend. Wie sieht es bei der Vorsorge aus, zum Beispiel bei Rentenversicherungen?

Per Protoschill: Die Geldanlage ist ein Teil des Wirtschaftslebens und des Lebens im Allgemeinen. Ich kann das Thema Nachhaltigkeit beim Einkaufen berücksichtigen, zum Beispiel mit Bio- oder regionalen Produkten. Der nächste Schritt sind dann die nachhaltige Geldanlage sowie die nachhaltige Altersvorsorge. Insofern – ja, auch bei der finanziellen Vorsorge ist der Megatrend hin zur Nachhaltigkeit zu spüren. Umfragen zeigen zudem, dass sehr viele Menschen Interesse an der Frage haben, ob und wie das Thema Geld mit Nachhaltigkeit vereinbart werden kann.

Es gibt rund ums Thema Nachhaltigkeit viele Schlagwörter: ESG, PRI und andere mehr. Abseits dieser etwas einschüchternden Nomenklatur: Wie definieren Sie Nachhaltigkeit?

Protoschill: Ich finde die Definition aus der Forstwirtschaft sehr gut. Das dürfte auch die älteste Erklärung sein. Sie bestimmt, man solle nur so viele Bäume fällen, wie man auch wieder aufforsten könne. Diese Definition macht deutlich: Es geht nicht nur um eine kurzfristige Betrachtung, sondern um Langfristigkeit. Es geht um einen langen Atem. Den haben wir Anbieter der Altersvorsorge schon fast traditionell. Einfach weil die Kunden wissen, dass sie heute auf etwas hinsparen, was sie erst sehr viel später brauchen. Und dabei wollen sie im Idealfall auch andere Aspekte berücksichtigen. Das können verschiedene Bereiche sein – Ökologie etwa, aber genauso soziale Themen oder die Unternehmensführung. Diese Langfristigkeit ist auch für Unternehmen ein großes Thema: Wie lässt sich zum Beispiel Kundenbindung langfristig sicherstellen? Sie sehen, Nachhaltigkeit ist ein Begriff mit vielen Facetten. Das macht es manchmal so schwer, ihn zu erklären. Eine gesetzliche Definition würde es sicherlich einfacher machen.

Die Ökologie, das Soziale und das unternehmerische Wohlverhalten – welcher Aspekt lässt sich am einfachsten mit Geld umsetzen?

Protoschill: Jeder hat seine eigenen Vorstellungen der Gewichtung, was ihm oder ihr besonders wichtig ist. Daher müssen wir auch mit unseren Kunden genau darüber sprechen. Am einfachsten umzusetzen, das zeigen Studien, ist der Themenschwerpunkt Ökologie. Allerdings muss auch klar sein: Es ist kein Thema, das allein und isoliert steht. Niemand hat etwas davon, wenn ein Wald zwar ökologisch bewirtschaftet wird, aber die Waldarbeiter nicht sozial behandelt werden. Man darf also kein nachhaltiges Produkt anbieten und sich nur auf einen Aspekt allein konzentrieren.

Wie sorgen Sie dafür, dass Ihr nachhaltiger Ansatz nachhaltig bleibt?

Protoschill: Vor allem mit einem klaren Regelwerk. Das kann ein Positiv- oder ein Negativkatalog sein, der festlegt, in was investiert werden darf und in was nicht. Außerdem muss das System regelmäßig überprüft werden, am besten durch unabhängige Dritte. Bei uns wird das einmal im Jahr gemacht. Es wird geschaut, ob wir uns an unsere eigenen Vorgaben halten. Wir bekommen dann einen Bericht und ein Zertifikat, wenn alles eingehalten ist. Das stellen wir den Kunden zu Verfügung. Das ist gerade für Arbeitgeber interessant, die ihren Mitarbeitern eine betriebliche Altersvorsorge anbieten. Es handelt sich dabei um eine Art Nachhaltigkeits-TÜV. Damit weiß der Kunde, woran er ist.

Hilft die neue Transparenzverordnung dabei?

Protoschill: Auf jeden Fall. Deshalb bin ich auch ein Verfechter der Transparenzverordnung mit verbindlichen Offenlegungspflichten. Sie gibt es zwar schon etwas länger, aber seit März gilt sie offiziell auch in Deutschland. Die Anleger sollen damit in die Lage versetzt werden, auf den ersten Blick zu erkennen, ob ein Finanzprodukt Nachhaltigkeitskriterien genügt oder eben nicht. Dies zeigt, dass unsere GrüneRente wirklich grün ist. Egal ob im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge oder bei der privaten Rentenversicherung.

Lassen sich beide Vorsorgeformen nachhaltig betreiben?

Protoschill: Ja, das geht. Wir sind bei der Stuttgarter ja so etwas wie ein Nachhaltigkeitspionier, weil wir mit diesem Ansatz seit 2013 unterwegs sind. Und das mit Erfolg: Inzwischen sind zum Beispiel rund 40 Prozent unserer bAV-Produkte im Neugeschäft nachhaltig.

Gilt das für die Einzahlungsphase ebenso wie für den Auszahlungszeitraum?

Protoschill: Ja, das funktioniert auch ganz einfach. Stellen Sie sich vor, es handele sich um einen Nachhaltigkeitsmotor. Der kann in unterschiedlichen Karosserien stecken. Aber der Motor ist immer der gleiche. Eben nachhaltig.

Wie nachhaltig ist die Stuttgarter Lebensversicherung selbst?

Protoschill: Es ist tatsächlich wichtig, dass wir uns auch selbst nachhaltig aufgestellt haben. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Die Stromversorgung unserer Zentrale in Stuttgart wird etwa teils über eine Solaranlage auf dem Dach gedeckt. Das Gebäude selbst steht unter Denkmalschutz – und das ist ebenfalls eine Art von Nachhaltigkeit. Wir haben eine bAV für die Mitarbeiter, Gesundheitsmanagement und fördern soziales Engagement, unterstützen entsprechende Projekte. Nachhaltigkeit hat eben viele Facetten.

28.04.2021    Arne Gottschalck
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