Hat ambitionierte Ziele mit seinem technischen-Fonds: Frank Thelen
18.11.2021    Martin Hintze
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Klare Sache: Im Interview ist Frank Thelen sofort per Du. Der Gründer, Investor, Autor und ehemalige TV-Juror aus der Show „Die Höhle der Löwen“ redet nicht lang um den heißen Brei herum. Eine halbe Stunde steht er Rede und Antwort zu seinem neuen Fonds.

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Der Fonds heißt 10xDNA - Disruptive Technologies und soll das Venture-Capital-Prinzip für Privatanleger aufgreifen. Wie funktioniert das?

Frank Thelen: Mein Team und ich stammen aus dem Bereich Venture Capital. Wir investieren mit Freigeist in frühphasige Technologieunternehmen und auf den Aktienmarkt strömen nun immer mehr junge Technologie-Firmen. Diese Firmen werden immer relevanter. Früher dominierten Öl- oder Stahlkonzerne, jetzt sind es Tesla, Hubspot oder Palantir. Ich habe lange mein privates Vermögen in den Tech-Sektor investiert und jetzt haben wir uns dazu entschieden, das noch besser zu machen und es für alle anzubieten. Dabei ist es uns extrem wichtig, transparent zu sein. Das heißt, wir legen unser gesamtes Research immer offen und versuchen regelmäßig zu unserem Ansatz und unseren Positionen zu kommunizieren. Wichtig: Das hier ist keine Anlageberatung und es besteht immer das Risiko eines Verlusts bei der Anlage in Technologieaktien. Bitte informiert euch vor dem Kauf von Aktien oder Fonds immer auch über die Risiken.

Seit Jahren spricht man über die FAANG-Aktien, ein Akronym für die größten börsennotierten Tech-Unternehmen wie Facebook, Apple und Co. Wann werden andere Unternehmen in diese Champions League aufsteigen?

Thelen: Wenn zur Champions League Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung einer Billion Dollar zählen, dann gehören Microsoft und Apple dazu – und seit kurzem auch Tesla. Wir gehen davon aus, dass viele Billionen-Dollar-Unternehmen folgen werden. Einerseits zum Beispiel im Green-Tech-Bereich. Bill Gates geht in den nächsten Jahren von mindestens drei oder vier Unternehmen aus, die diese magische Marke erreichen. Vielversprechend sind auch die Bereiche Quantencomputing oder Biotechnologie. Diese neuen Super-Technologieunternehmen werden hoffentlich die Vormachtstellung von Facebook, Apple, Amazon und Google brechen.

Wie unterscheidet sich der Anlagestil des 10xDNA von bestehenden Tech-Fonds?

Thelen: Erstens: Wir investieren unser eigenes Geld. Der Ursprung des Fonds ist, dass wir unser Kapital gut anlegen wollen. Zweitens: Wir stellen immer die Stärke der Technologie an den Anfang unserer Analyse. Ist diese einzigartig, adressiert ein relevantes Problem und hat daher das Potenzial, die Basis für eine exponentielle Entwicklung des Unternehmens darzustellen? Drittens: Wir achten stark auf die Unternehmer und bevorzugen es, wenn der Gründer an Bord ist. Was ist seine DNA? Wie wird er incentiviert? Wie ist das Management aufgestellt? Viertens: Wie werden Netzwerkeffekte eingesetzt, wie Social Media? Fünftens: Wie überträgt sich das alles auf das Geschäftsmodell und die zukünftige finanzielle Entwicklung des Unternehmens und hat das Unternehmen auf dieser Basis die Chance seinen Wert zu vervielfachen. Wir durchlaufen also einen ähnlichen Analyseprozess wie im Venture Capital Bereich. Die meisten anderen Fonds gehen klassischer heran, schauen nur auf das Kapital oder den Cash-Flow. Sie folgen dem Prinzip des Value Investings wie es Warren Buffett mit Berkshire Hathaway erfunden hat. Für uns ist das Team, die Technologie, das Produkt, das exponentielle Wachstum viel wichtiger. Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht auch sehr genau auf die finanziellen Kennzahlen von Unternehmen achten. Dafür haben wir Kapitalmarktexperten im Team.

Heißt das auch, dass Ihr einen eher kürzeren Anlagehorizont habt? Also ähnlich wie beim Exit eines Venture-Capital-Investoren.

Thelen: Ganz im Gegenteil: Venture Capital ist eine der langsamsten Anlageklassen überhaupt. Bei den überwiegend privaten Venture-Capital-Fonds erwartet der Investor, dass er frühestens nach sieben Jahren sein Geld zurückbekommt. Bei einigen meiner privaten Venture-Capital-Investments bin ich bereits bis zu 13 Jahre investiert und das Geld ist noch nicht zurück. Beim 10xDNA Disruptive Technologies-Fonds haben wir einen Horizont von drei bis sieben Jahren auf die Unternehmen. Im Gegensatz zu Venture Capital ist unser Fonds täglich handelbar. Wer allerdings eine Kapitalanlage für ein bis zwei Jahre sucht, ist bei uns falsch. Das kann zwar gut gehen, aktuell laufen die Märkte eher positiv. Aber es mag auch wirklich schlechte Zeiten geben. Wer keinen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren hat, sollte bitte die Finger davon lassen.

Um den Widerspruch zwischen dem langfristigen Horizont auf der einen Seite und der täglichen Handelbarkeit der Aktien und der Fondsanteile aufzulösen, setzen andere Anbieter auf ein „Soft Closing“. Sie nehmen also zeitweise kein neues Kapital an und geben keins raus, um die Fondsperformance nicht zu gefährden. Ist das für Euch eine Option?

Thelen: Grundsätzlich ist für uns ein gewissen Fondsvolumen nötig, um mit der Verwaltungsgebühr unser wachsendes Team aus Physikern, Chemikern, Biologen, Kryptologen und Kapitalmarktexperten zu finanzieren. In den nächsten Wochen werden wir voraussichtlich ein Fondsvolumen von 100 Millionen Euro erreichen. Das ist ein erster Meilenstein, aber das Team wird weiterhin partiell aus unseren eigenen Mitteln finanziert. Mit zunehmendem Fondsvolumen wird sich das ändern. Sollten wir ein Volumen von einer Milliarde oder mehr erreichen, werden wir überlegen, wie wir genau weitermachen. Das Ziel ist wirklich, das beste Team zu haben und so effizient wie möglich zu investieren und nicht unsere Assets under Management zu maximieren. An der täglichen Handelbarkeit werden wir aber nicht rütteln. Geld aus dem Fonds abzuziehen, wird jederzeit möglich bleiben.

Tesla ist eine der großen Positionen im Fonds. Die Bewertung liegt bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 178, also nicht mehr billig. Du siehst das offenbar anders.

Thelen: Das ist genau der Unterschied. Für uns ist nicht das klassische KGV spannend. Wir stellen uns vielmehr die Frage: Wo steht Tesla in fünf Jahren? Wie viele Autos kann das Unternehmen dann produzieren und mit welcher Profitabilität? Und da kommen dann wiederum sehr attraktive Bewertungen raus. Zudem betrachten wir Tesla als Technologiekonzern, der führend im Bereich künstliche Intelligenz ist und der einen Energiezweig hat, der aus unserer Sicht ein Riesenpotential hat. Sie stellen selbst Chips für ihre Autos her, die irgendwann mal in Smartphones genutzt werden können. Wir glauben, dass Tesla sogar noch bessere Chips hat als Nvidia und dazu noch bessere Software. Ein weiteres Feld ist das Thema Versicherungen. Jeder, der einen Tesla fährt, kennt die App. Mit einem Knopfdruck kann man sich versichern. Das ist die Zukunft. Aus unserer Sicht ist Tesla für  langfristige Anleger aktuell noch günstig. Und was wir schon öfter gesagt haben: Wir glauben, dass in 5-7 Jahren Investoren auf die Autos von Tesla zurückschauen werden wie auf die Bücher von Amazon –  als der Anfang einer breiten Technologie-Erfolgsgeschichte. Dazu haben wir auf der 10xDNA-Website (10xdna.com) auch einen ausführlichen Artikel geschrieben.

Du willst in die zweite Welle der Schlüsseltechnologien, also Quantencomputer, Kernfusion oder 3D-Druck investieren. Was macht dich so sicher, dass deren Durchbruch bevorsteht?

Thelen: Unser Team ist sehr nah an der Forschung, verfügt über ein tiefgreifendes Wissen und hat einen Bezug zur Praxis. Das haben wir schon immer für das Venture-Capital-Geschäft gemacht. Und das nutzen wir jetzt auch für den Fonds. In vielen Bereichen, zum Beispiel New Space oder Energiespeicher, sind wir aktiv im Bereich Venture Capital investiert. Zudem sind wir ständig im Austausch mit den führenden Experten in den verschiedenen Bereichen. Vor wenigen Tagen habe ich etwa den CureVac-Gründer getroffen und mit ihm über das Thema mRNA-Impfstoffe gesprochen. Mit Hewlett-Packard tauschen wir uns zum Thema 3D-Druck aus. Wir können also sehr gut einschätzen, ab wann diese Technologien verfügbar sind und ab wann sie für den Kapitalmarkt relevant werden.

Das klingt nach viel Arbeit, aber Du bist ja noch klassisch als Gründer unterwegs. Wie schaffst Du dieses Pensum?

Thelen: Aktuell mache ich drei Dinge: Das eine ist Freigeist Capital. Dort investieren wir im frühphasigen Bereich in Technologieunternehmen. Dann der Fonds 10xDNA. Und das dritte ist Frank Thelen Media, also meine Bücher, die Podcasts und Auftritte in Fernsehshows. Letzteres versuche ich sehr effizient und möglichst klein zu halten. Ein eigenes Startup habe ich nicht mehr, weil mir dazu die Zeit fehlt. Mein Tag ist verrückt, sehr intensiv und oftmals 14 Stunden lang. Hinter mir steht zum Glück ein hocheffizientes Team und Software, um das alles zu managen.

Zurück zum Fonds: Welche Wertentwicklung pro Jahr wollt ihr erreichen? Und mit welchen Schwankungen müssen Anleger rechnen?

Thelen: Wir investieren in Unternehmen, von denen wir erwarten, dass sie ihren Wert im Schnitt verdreifachen können.

Und wie lange dauert das?

Thelen: Drei Jahre wären sehr gut. Es kann aber auch sieben oder acht Jahre dauern, bis sich die Unternehmen so entwickeln, wie wir es prognostiziert haben – und bis das der Kapitalmarkt erkannt hat. Wenn wir Glück haben, verdreifachen wir das Geld bestenfalls alle drei Jahre. Aber spätestens nach sieben bis acht Jahren wollen wir eine Verdreifachung erzielen. Eine Garantie dafür gibt es natürlich nicht und auf die Risiken habe ich ja schon hingewiesen.

Und die Schwankungen?

Thelen: Können wir zwischendurch 30, 40, vielleicht sogar 50 Prozent verlieren? Absolut. Damit muss man leben können. Aber das ist nicht einfach. Ich habe nie versprochen, immer nur Gewinne einzufahren. Der Fonds ist ein gutes, ehrliches Produkt. Aber er ist volatil.

Gretchenfrage: Setzt Ihr auf ein konzentriertes Portfolio – wie Venture Capital es nahelegt – oder ganz breit gestreut?

Thelen: Klare Antwort: total konzentriert. Manche behaupten, das sei Risiko ohne Ende. Doch ist es wirklich sicherer, 150 Unternehmen in einem Fonds zu haben und das Research extern zuzukaufen? Ist es nicht besser, auf weniger Unternehmen zu setzen, dafür jedoch mit dem Management, den Mitarbeitern, den Zulieferern und den Kunden persönlich gesprochen zu haben? Ein Beispiel: Zum Start des Fonds ist die Aktie von Ginkgo Bioworks um 25 Prozent gefallen, weil ein negativer Analystenbericht publiziert wurde. Wir sind ruhig geblieben, haben den Bericht mit unserer Analyse verglichen und haben nachgekauft, nachdem wir uns ein erneutes Bild von der Firma gemacht haben.

Die meisten sogenannten Promi-Fonds sind krachend gescheitert. Was macht Dich so sicher, dass es bei Dir nicht der Fall ist?

Thelen: Ich sehe mich in erster Linie nicht als Promi. Ja, ich habe eine gewisse Bekanntheit, aber ich komme ursprünglich von der Technologie und investiere seit über 20 Jahren mein Kapital in Tech-Unternehmen. Es ist überhaupt nicht der Ansatz, meine Bekanntheit zu nutzen, um möglichst viel Kapital einzusammeln. Wir wollen einfach unser Geld effizient anlegen und andere an diesem Ansatz teilhaben lassen.

Eine philosophische Frage: Lernt der Fondsinitiator Frank Thelen vom Unternehmer Frank Thelen oder umgekehrt?

Thelen: Beide lernen voneinander sehr viel. Mein Lebenslauf ist ein großer Vorteil: Ich habe Kontakte in die Politik, zu Dax-CEOs, habe mit Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg sprechen dürfen. Ich sage nicht, dass ich der Klügste auf dem Planeten bin. Aber ich habe die Chance, aus diesen persönlichen Dialogen zu lernen. Hinzu kommen 25 Jahre Erfahrung im Venture-Capital-Geschäft mit einer wirklich herausragenden Performance. Jetzt müssen wir uns im Aktienmarkt beweisen.

Wer investiert momentan in Deinen Fonds? Privatanleger oder eher institutionelle?

Thelen: Es ist eine Mischung aus beidem. Wir haben zwei Produkte: Das eine ist der Publikumsfonds (OGAW) für Privatanleger, das andere der Spezialfonds (AIF) für professionelle Anleger ab einer Mindestanlage von 200.000 Euro. Momentan stammen die Zuflüsse eher von Privatanlegern.

Welche Ratschläge kannst du Gründern und Anlegern mit auf den Weg geben?

Thelen: Unternehmensgründer sollte man nur werden, wenn man wirklich dafür brennt. Der Weg ist so hart und die meisten scheitern. Elon Musk hat mal gesagt, man muss bereit sein, Glas zu essen. Das kann ich doppelt unterstreichen. Anlegern kann ich nur raten, einfach mal anzufangen und in das Thema hineinzuwachsen. Ich bin seit 2008 am Aktienmarkt unterwegs und habe vor allem eins gelernt: Demut. Wer als Privatanleger einzelne Aktien kauft, sollt es aus Freude daran tun. Denn als Einzelperson hat man keine Chance, ein Unternehmen ernsthaft zu verstehen. Es sind große Teams nötig, die mit hohem Engagement und echter Passion die Unternehmen auseinandernehmen und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Wer nach dem Anschauen von drei Youtube-Videos voll auf Bitcoin setzt, handelt grob fahrlässig.

18.11.2021    Martin Hintze
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