Ein trubeliges Bild aus Japan.
04.07.2024
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Die Stimmung bei japanischen Unternehmen ist zuversichtlich: Nach Jahren der Stagnation steigt die Inlandsnachfrage wieder. Das verbesserte Konsumverhalten ist auch eine gute Nachricht für Anlegerinnen und Anleger, die sich nun verstärkt solche Unternehmen anschauen sollten, die den inländischen Markt bedienen.

Initiativen geben Firmen in Japan Schwung

Die japanische Regierung hat in den vergangenen Jahren viel dafür getan, um die Investitionen im Land voranzutreiben. Durch grundlegende strukturelle Veränderungen, wie die Reform der Regeln für die Unternehmensführung oder die Neuordnung von On- und Reshoring-Aktivitäten in der Lieferkette, wandelt sich das Umfeld für Unternehmen in Japan aktuell kräftig. Von den zahlreichen Initiativen profitieren inländische Unternehmen besonders stark. Wir setzen daher beispielsweise auf die Baubranche, wo sich die Margen sukzessive verbessern dürften.

Daneben ist eine gewisse Allokation in exportorientierten Firmen sinnvoll, die das globale Wirtschaftswachstum für sich nutzen können. Aber wenn wir Unternehmen finden, die vom zunehmenden Binnenwachstum profitieren und deren Geschäftsmodell gerade Fahrt aufnimmt, dann greifen wir derzeit lieber hier zu.

Japanischer Yen im Aufwind

Eine zuverlässige Prognose der Währungsentwicklung abzugeben, ist aktuell besonders schwer. Dennoch gehen wir davon aus, dass – abgesehen von kurzfristigen Schwankungen – der Yen tendenziell eher an Wert zulegen wird. Sollte die US-Notenbank Fed die Zinsen an einem bestimmten Zeitpunkt in diesem Jahr senken, dann stärkt das den Wechselkurs des Yen gegenüber dem US-Dollar. Für Firmen, die ihre Geschäfte im Inland betreiben, bedeutet ein solches Szenario einen klaren Marktvorteil gegenüber exportorientierten Playern.

Wir gehen davon aus, dass die Inflation in Japan noch weiter zurückgeht und sich bei circa zwei Prozent einpendeln wird. Für unser Portfolio achten wir daher darauf, in Unternehmen zu investieren, die solche Entwicklungen ausgleichen können. Sie müssen in der Lage sein, die Preise für ihre Produkte oder Dienstleistungen ohne wesentliche Beeinträchtigung der Nachfrage oder des Marktanteils erhöhen zu können.

Wir erwarten, dass die Bank of Japan die Zinssätze in diesem Jahr noch ein weiteres Mal anheben wird. Ein solcher Schritt wäre ein deutliches Zeichen dafür, dass sich in der Einschätzung der japanischen Notenbank das Wirtschaftswachstum und die Konsumentwicklung auf einem guten Weg befinden. Wir würden uns dem verbesserten Ausblick für eine Reihe von Konsumsektoren anschließen. Dennoch bleiben wir bei unserer selektiven Titelauswahl.

Japans Finanzwerte haben sich in der Vergangenheit erfreulich entwickelt. Wir sind überzeugt davon, dass die Geldpolitik und die makroökonomische Entwicklung sich auch zukünftig positiv auf diese Anlageklasse auswirken werden.

Private Investitionen und mehr Konsum sorgen für Wachstum in Japan

Die japanische Wirtschaft wird dieses Jahr nach unserer Schätzung voraussichtlich um 1,1 Prozent wachsen. Wenn man bedenkt, welche Werte wir in Japan in den vergangenen Jahren gesehen haben, ist das ist eine beachtliche Entwicklung. Unser positiver Ausblick stützt sich in erster Linie auf die Trends bei den Verbraucherzahlen und den privaten Investitionen.

Japan kann sehr gut als repräsentativ für das Wirtschaftswachstum in Asien insgesamt gelten. Das Land ist stabil und birgt nur wenige politische Risiken. Wir erwarten, dass dieser positive Trend länger anhält.

Zum einen gehen wir davon aus, dass die Inlandsnachfrage einen kräftigen Schub bekommen wird. Die Nachfrage nach japanischen Gütern und Dienstleistungen im eigenen Land ist zwar traditionell schwach. Obwohl die Löhne nach einer langen Phase der Stagnation wieder steigen, blieb das Real-Einkommen bisher noch immer negativ. Zum anderen könnte dieser Trend nach dem Sommer bereits beendet sein, da sich das Real-Einkommen der Japaner ins Positive drehen sollte.

Ein weiterer entscheidender Wachstumsfaktor: Japanische Unternehmen investieren mehr. Bei dieser Einschätzung ist zu bedenken, dass die Entwicklung von Investitionsausgaben im Vergleich zum Nikkei-Index in der Regel mit einer Verzögerung von einem Jahr erfolgt und noch nicht in den aktuellen Zahlen berücksichtigt ist. Vergleicht man die zwei Indikatoren, so lässt sich eine gute Dynamik bei der Investitionstätigkeit des privaten Sektors erkennen. Auch die Unternehmensgewinne steigen. Der derzeitige starke makroökonomische Ausblick motiviert viele japanische Firmen dazu, Neuinvestitionen zu planen.

Globale Effekte dämpfen Ausblick

Bei all diesen positiven Aspekten – es gibt auch einige große Herausforderungen für den japanischen Aktienmarkt. Eine davon ist die Bewegung des japanischen Yens. Für die japanischen Behörden ist es äußerst schwierig, die Währungsentwicklung zu kontrollieren oder vorherzusagen. Ob die Landeswährung stärker oder schwächer wird, hängt in hohem Maße von der US-amerikanischen Geldpolitik und anderen Entwicklungen in den USA ab. Eine weitere Abwertung des Yen würde der Inlandsnachfrage schaden. Da der japanische Markt viele Güter importiert, würde eine Schwächung des Yen zu Preissteigerungen führen.

Auch die globale Wirtschafslage spielt eine entscheidende Rolle: Bisher hat sich die US-Wirtschaft zwar als recht resilient erwiesen. Aber sobald es dort zu Schwierigkeiten kommt, würden die Unruhen auch an der japanischen Börse spürbar sein. Dazu kommt die geographische Nähe Japans zu China: Eine Eskalation der Spannungen zwischen China und den USA würde Japans Märkte empfindlich treffen.

Zur Person

Japan: Portrait von Aktienchefin Horimi Ishihara bei Amundi.

Hiromi Ishihara

trat im Jahr 2018 bei Amundi Japan ein. Seit 2020 ist sie dort Aktienchefin und leitet die Portfolio-Management-Teams, die für japanische Titel zuständig sind

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04.07.2024
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