Eine Illustration einer Kursentwicklung
25.06.2019    Martin Hintze
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Keine Frage, Mynaric sowie Mensch und Maschine (MuM) sind zwei Vorzeige-Mittelständler. Beide sitzen nahe München. Beide sind erfolgreich. So heuerte das Satelliten-Start-up Mynaric Mitte März Bülent Altan an – einen Raketen-ingenieur, der Top-Manager bei Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX war. MuM hat 2018 den operativen Gewinn um knapp 30 Prozent gesteigert und im Frühjahr die Mehrheit an der Softwareschmiede Sofistik übernommen. Nur Hidden Champions sind beide Unternehmen schon lange nicht mehr. Genauer gesagt, sie sind nicht mehr „hidden“ (versteckt) – und das hat Gründe.

Gütesiegel Börsennotierung

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Firmen: die Börsennotierung. „Mit dem Kapital aus dem Börsengang haben wir die Möglichkeit, signifikant zu wachsen“, sagte Mynaric-Chef Wolfram Peschko beim 
IPO (Initial Public Offering) im Oktober 2017. Beide Aktien sind auch an der Frankfurter Börse notiert, die ein eigenes Segment für Mittelständler und Start-ups namens Scale ins Leben gerufen hat. Mehr als 50 Unternehmen sind inzwischen dort gelistet. „Wir haben es innerhalb von zwei Jahren geschafft, durch die mit Scale neu eingeführten Maßstäbe, Services und Indizes die Liquidität und die Visibilität von kleinen und mittleren Unternehmen deutlich zu erhöhen“, sagt Renata Bandov, Head of Department Pre-IPO & Capital Markets der Deutschen Börse.

Aus Sicht der Expertin hat ein Börsengang gegenüber anderen Finanzierungen drei wesentliche Vorteile. Erstens: Beim Eigenkapital aus dem Börsengang handelt es sich in der Regel um hohe Volumina, die den Unternehmen unbefristet zur Verfügung stehen. „Damit lassen sich langfristige strategische Ziele realisieren, die durch andere Finanzierungsformen nicht oder nur schwer umsetzbar wären“, argumentiert Bandov. Zweitens: Der Börsengang verhilft zu mehr Eigenkapital und Liquidität und verbessert so die Finanzierungskonditionen.

Wer einmal Zugang zum Kapitalmarkt hat, kann ihn mehrfach anzapfen. Und nicht zuletzt werden die Unternehmen durch den Börsengang bekannter. „Der Emittent kann Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeiter auf neuen Wegen erreichen. Insbesondere im angelsächsischen Raum gilt eine Börsennotierung als zusätzliches Gütesiegel“, erklärt Bandov. Zudem bietet die Deutsche Börse Unternehmen Hilfe, etwa bei der Auswahl der Banken und Kanzleien, die den Börsengang begleiten. Ob das genügt, um die Skepsis des Mittelstands gegenüber der Börse auszuräumen und das Segment Scale als Nachfolger des gescheiterten Neuen Marktes dauerhaft erfolgreich zu machen, bleibt abzuwarten. Anleger haben bislang jedenfalls profitiert: Der Scale- All-Share-Index hat den Dax seit März 2017 mit einem Plus von rund 13 Prozent abgehängt.

IPO-Checkliste

Ist Ihr Unternehmen reif für die Börse? Drei dieser Kriterien müssen Sie für das Scale-Segment erfüllen:

  • mindestens zehn Millionen Euro Umsatz
  • positiver Jahresüberschuss
  • positives bilanzielles Eigenkapital
  • mindestens 20 Mitarbeiter
  • mindestens fünf Millionen Euro eingesammeltes Eigenkapital (kumuliert)

13 %

hat der Index Scale All Share seit März 2017 zugelegt

50

Unternehmen sind im Börsensegment Scale notiert

25.06.2019    Martin Hintze
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