Ein Mammutbaum mit grüner Krone.
21.07.2021    Arne Gottschalck
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ESG-Investments

Nachhaltige Geldanlage: Gekommen, um zu bleiben

Es ist ein Trend, der sich selbst verstärkt – weil Anleger mit nachhaltigem Geld etwas Gutes bewirken, weil darüber hinaus die Wertentwicklung stimmt. Aber wie nachhaltig ist dieser Trend? Und worauf müssen Anleger achten?

In Kürze:

  • Nachhaltiges Investieren ist ein Megatrend
  • Der Ansatz hilft dabei, die Risiken der Gelanlage zu senken
  • Anleger können inzwischen breit nachhaltig investieren – oder auch auf bestimmte Aspekte wie unternehmerisches Wohlverhalten setzen

Es klang lange nach so etwas wie einer gespaltenen Persönlichkeit: Als Privatmann oder -frau würde kaum jemand Waffen kaufen oder wohlwollend zu Tierversuchen und Kinderarbeit nicken. Doch als Anleger gingen viele Menschen mit ihren Überzeugungen deutlich nonchalanter um. Aber das hat sich geändert und ändert sich weiter: Immer mehr Privatanleger investieren Geld in nachhaltige Produkte. Allein Ende 2020 steckten 147 Milliarden Euro in nachhaltigen Investmentfonds – im Jahr zuvor waren es 33 Milliarden Euro weniger, protokoliert der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI).

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Bei den Anlageprofis ist der Trend seit Jahren gesetzt. Zum einen, weil sich so Gutes tun lässt – vor allem aber auch, weil der Ansatz im Portfolio einen echten Mehrwert stiftet. Studien zeigen, dass ein nachhaltiger Ansatz bestimme Risiken der Geldanlage vermeiden kann: Etwa Umweltrisiken, die sich in Reputationsschäden niederschlagen können.

Wie nachhaltig ist der Nachhaltigkeitstrend?

Nachhaltigkeit ist in Gesprächsrunden ein Megathema – das inzwischen in der Anlagepraxis angekommen ist. Gekommen, um zu bleiben. Das beobachten auch die Teilnehmer der DUP Finance Week: Die Nachfrage nach entsprechenden Produkten steige ununterbrochen, berichtet Barbara Claus von der Ratingagentur Scope. Man beobachte starke Zuflüsse, sagt sie. „Für Europa sahen wir im Jahr 2020 über 50 Prozent der Nettozuflüsse in nachhaltige Exchange Traded Funds“, sagt Thomas Wiedenmann von Amundi. „Bei Amundi waren es sogar 80 Prozent. Nachhaltigkeit ist längst keine Nische mehr. Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Thema so schnell zum Mainstream wurde. Erfreulich ist, dass sich der Trend zu Nachhaltigkeit auch in Europa und global beschleunigt.“

Am Talk in der DUP Finance Week nahmen teil:

  • Barbara Claus, Director Mutual Funds Analysis, ScopeGroup
  • Jan Köpper, Head of Impact Transparency & Sustainability, GLS Gemeinschaftsbank
  • Thomas Wiedenmann, Head of ETF, Indexing and Smart Beta Sales Germany, Austria & Eastern Europe, Amundi

Moderation: Frank Werner, Geschäftsführer, Finanzen Verlag

Rechnet sich der Ansatz?

Anfangs dürfte es eine Überzeugungssache gewesen sein mit geringer Auswahl. Der Natur-Aktien-Index etwa, den es seit 1997 gibt. Der Index setzte sich damals aus 20 Aktien zusammen, ausgewählt nach ethisch-ökologischen Kriterien. Inzwischen sind es 30 Aktien. Die Produktauswahl für Anleger hat sich vervielfältigt. Das rechnet sich: „Wir haben einige Studien dazu gemacht“, sagt Wiedenmann. „Seit 2014 legten die meisten ESG-Ansätze eine Outperformance gegenüber ihren Vergleichs-Standardindizes hin. Wir können da sehr schön Äpfel mit Äpfeln vergleichen – etwa den MSCI World mit dem MSCI World SRI.“ Der MSCI Welt ist ein Standardaktienindex, die SRI-Variante auch – nur berücksichtigt er nachhaltige Kriterien.

Claus bestätigt den Befund und sieht einen einfachen Grund dafür: „Die Qualität der Unternehmen ist besser.“ Sie rechnet damit, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Investments weiterwachsen werde. „Wenn etwas gut läuft, dann springen die Menschen auf den Zug auf.“ Wiedenmann bestätigt: Ein Anlageerfolg sei eine positive Erfahrung, das spräche sich per Mundpropaganda herum.

Die Wucht der Investoren?

Spricht man über nachhaltiges Investieren, schwingen implizit die Ziele immer mit. Sie werden unter der Abkürzung ESG zusammengefasst (environment, social und governance). Von „Geld als sozialem Gestaltungsmittel“ spricht Jan Köpper von der GLS Bank. „Es mag träumerisch wirken, ist aber am Puls der Zeit.“ Eine Großaufgabe, räumt er selbst ein. Es ginge etwa auch darum, das Lieferkettenmanagement einer Firma zu durchleuchten, die Frage, wofür ein Unternehmen einsteht. Und auch um Glaubwürdigkeit. „Werden nachhaltige Ziele blumig beschrieben – oder glaube ich dem?“

Für Wiedenmann steht fest: „Anleger können heute die Weichen für eine bessere Zukunft stellen. Dasselbe gilt für uns als Vermögensverwalter. Wir haben als Treuhänder unserer Kunden Einfluss, dass sich Unternehmen nachhaltiger ausrichten. Das gilt übrigens nicht nur für aktiv gemanagte Fonds, sondern auch für Exchange Traded Funds. ETFs bieten Anlegern außerdem ein hohes Maß an Transparenz in puncto Nachhaltigkeit. Jeder kann genau prüfen, ob sich der zugrundeliegende Index mit seinen Zielen deckt. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass Menschen unterschiedliche Schwerpunkte setzen – beispielsweise mit dem Dreiklang aus Umwelt, Sozialem und einer guten Unternehmensführung oder mit dem Fokus auf den Klimawandel.“

Nicht alle Fondsgesellschaften sind glaubwürdig

Es hat sich einiges bewegt. „Fast jede Fondsgesellschaft hat Produkte aufgelegt“, beobachtet Claus. „Da gibt es Anbieter, die sind schon lange dabei und andere, die mir weniger glaubwürdig vorkommen.“ Die Kärrnerarbeit für Anleger wie Ratingagenturen: Greenwashing vermeiden, bei dem sich Unternehmen ein nachhaltiges Image aufbauen, ohne es mit Leben zu füllen. Fondsanbieter müssen also genau hinsehen. Werden nur Ausschlusskriterien verwendet? Wird ein Dialog mit den Unternehmen gesucht?

Für Köpper ist die Stoßrichtung daher klar: Man brauche planetare Leitplanken. Der Nachhaltigkeitsgedanke „muss in den politischen Prozess hinein.“ Seine Mahnung: „Wir haben zehn Jahre Zeit, das Ruder umzureißen.“ Die nachhaltige Geldanlage ist da ein guter Schritt. Zumal sie augenscheinlich ein dauerhafter Trend ist.

21.07.2021    Arne Gottschalck
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